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Über 100 Meter tief gründen die beiden Otterfinger Brunnen, die westlich von Palnkam jährlich rund 300 000 Kubikmeter fördern. Jetzt trifft die Gemeinde Vorbereitungen für einen dritten Brunnen.

Gemeinde will neuen Brunnen bohren

Wettlauf ums Wasser

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Trinkwasser ist ein kostbares Gut, in Otterfing geschöpft aus heimatlicher Scholle. Damit das so bleibt, will die Gemeinde einen dritten Brunnen graben lassen. Denn von Norden her wittert man mächtige Konkurrenz: Die Stadtwerke München.

Otterfing – Die Stadtwerke München (SWM) und der Landkreis Miesbach – das ist eine spannungsgeladene Verbindung. Gemeinden entlang der Mangfall fühlen sich durch das heiß diskutierte Wasserschutzgebiet Thalham-Reisach-Gotzing übervorteilt, das Misstrauen gegenüber den SWM ist gewaltig. So wurde auch Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder hellhörig, als er eher zufällig von einem anderen Vorhaben der SWM Wind bekam.

Otterfing liegt nicht an der Mangfall, grenzt aber an das Einzugsgebiet eines SWM-„Spitzenlast-Brunnens“ bei Arget (Gemeinde Sauerlach). Da der wasserrechtliche Bescheid dafür ausläuft, bereitet der große Wasserversorger derzeit Voruntersuchungen vor, um eine neuerliche Zulassung in trockene Tücher zu bringen. „Da müssen bei uns alle Alarmglocken klingeln“, sagt Eglseder. Er befürchtet, dass hier Weichen gestellt werden, um Otterfing durch die Hintertür das Wasser abzugraben; zudem könnten auf Grundstücksbesitzer besonders in Wettlkam, Heigenkam und Bergham durch eventuelle Schutzgebiet-Ausweitungen stärkere Nutzungs-Einschränkungen zukommen.

Der Gemeinderat reagierte. Laut Eglseder wurde beschlossen, vorsorglich den Bau eines dritten Brunnens prüfen zu lassen und einen Standort ausfindig zu machen. Bis zu 35 000 Euro werden die Voruntersuchungen kosten. „Wir wollen anderen Begehrlichkeiten zuvorkommen“, sagt Eglseder, „es geht um die langfristige Versorgungssicherheit des Orts.“ Die Kosten für einen neuen Brunnen schätzt Eglseder auf mindestens 500 000 Euro.

Noch decken die beiden Brunnen westlich von Palnkam problemlos den jährlichen Wasserbedarf von etwa 300 000 Kubikmetern. Über 100 Meter reichen die Schächte in die Tiefe hinab.

Die Brunnen wechseln sich täglich ab, um beide Quellen gleichmäßig abzuschöpfen und die Pumpen zu schonen. „Aber was ist, wenn der Grundwasserspiegel sinkt?“, fragt der Bürgermeister. Der Klimawandel könne sich da auswirken – oder der wachsende Durst der Landeshauptstadt.

Die SWM fördern Trinkwasser für 1,5 Millionen Münchner aus drei Gewinnungsgebieten – dem Mangfalltal, dem Loisachtal und, als Reserve für Spitzenverbrauchszeiten, aus der Münchner Schotterebene. Zwischen 1949 und 1972 entstanden hier die fünf Förderwerke Trudering, Deisenhofener Forst, Höhenkirchener Forst, Forstenrieder Park und Arget.

Das Argeter Schutzgebiet kragt laut Eglseder schon jetzt weit in Otterfinger Flur hinein. Sollten Fließrichtungen, Grundwasserpegel oder andere Parameter neu bewertet werden, sei mit einer Ausweitung oder Verschärfung des Argeter Schutzgebiets zu rechnen.

Wie SWM-Sprecherin Bettina Hess bestätigt, laufen die Bescheide zur Wasserentnahme in der Schotterebene im Jahr 2022 aus. „Die Bescheide müssen erneuert werden.“ Die zuständigen Wasserwirtschaftsbehörden forderten die SWM auf, einen entsprechenden Antrag vorzubereiten. Aufwändige Voruntersuchungen seien dafür nötig, sagt Hess. „Ein Ingenieurbüro hat mit der Datenerhebung begonnen.“

Die Prüfung des Antrags obliege dann den Behörden.

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