Der Ort Wettlkam (Gemeinde Otterfing) im Luftbild
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Noch unterversorgt: In Wettlkam will die Telekom einen Mobilfunksender auch für 5G installieren.

Gemeinde lehnt neuen Mobilfunk-Standard grundsätzlich ab

5G: Telekom muss in Wettlkam selber suchen

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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In Wettlkam (Gemeinde Otterfing) will die Telekom eine Mobilfunk-Sendeanlage errichten, die auch den umstrittenen Standard 5G bedient. Die Gemeinde wird bei der Standortsuche nicht behilflich sein und macht deutlich, was sie vom neuen Standard 5G hält.

Otterfing – Bei der Suche nach einem Standort für einen Mobilfunkmasten in Wettlkam, der unter anderem den Standard 5G bedient, muss die Telekom auf die Unterstützung der Gemeinde verzichten. Einstimmig votierte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung dafür, dem Unternehmen keinen eigenen Standortvorschlag zu unterbreiten. Mehr noch: Im Beschluss stellte das Gremium auch klar, dass man den Aufbau des umstrittenen 5G-Standards auf Gemeindegebiet grundsätzlich ablehnt.

„Es gibt bis dato keine relevanten wissenschaftlichen Gesundheitsdaten zu 5G“, betonte Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD). Weder die Unbedenklichkeit noch die Gefährdung der Gesundheit sei anhand von Daten nachgewiesen. „Deswegen können wir diese Technik nicht befürworten“, sagte der Rathauschef. Er wisse, dass der Beschluss des Gemeinderats für Mobilfunkbetreiber nicht bindend ist. „Aber vielleicht ist es ein Signal, dass wir als Gemeinde mehr wissen wollen über diese Technik.“

Standorte außerhalb oder im Wald kommen nicht in Frage

Im konkreten Fall von Wettlkam verfüge die Gemeinde im Ortsbereich, wie von der Telekom angefragt, über keine eigene Fläche, die für einen Sender in Frage komme, erklärte Falkenhahn. Bei einem Gespräch mit Vertretern des Unternehmens sei klar geworden, dass Standorte außerhalb und entfernter von Wohnbereichen nicht gewünscht seien. „Im Wald oder in einer Senke, das wollen die nicht.“

Im Gespräch hätten die Telekom-Vertreter betont, dass der geplante Sender alle bekannten Standards abdecken soll – von GSM über UMTS bis zu LTE und auch 5G. „Es wird dafür aber wohl keine neue Frequenz eingezogen“, berichtete der Rathauschef, „zugunsten von 5G wird offenbar nur ein Frequenzband verschoben.“ Die Telekom plane in Wettlkam ein 5G-Anwendungsszenario, das Smartphones mit möglichst hohen Datenraten versorgen soll. Nach Aussage des Unternehmens gehe es nicht um das Internet der Dinge, wie es in Städten angedacht sei, oder um das Steuern selbstfahrender Autos.

Auch WLan im Haus verursacht Strahlung

Trotzdem will die Gemeinde passiv bleiben. „Ich rate dringend davon ab, selber irgendwie aktiv zu werden“, sagte Gerhard Heimerer (CSU),, „vornehme Zurückhaltung ist hier der beste Weg.“ Die Gemeinde habe keine Handhabe, ergänzte Stefan Burgmayr (FWO), der darauf verwies, dass viele Haushalte selber Strahlung produzieren. Wer sein WLan eingeschaltet habe, habe im Haus mehr Strahlung als bei so einem Masten. Andreas Eichhorn (SPD) warnte aber davor, speziell 5G zu unterschätzen. „Es gibt Studien, die gesundheitliche Schäden durchaus nachweisen“, betonte er; das Problem sei, dass sich die Grenzwerte nur an möglichen Gefahren durch thermische Erwärmung orientieren.

Den Vorschlag der Verwaltung, dem Weyarner Modell zu folgen und mit eigenen Messungen, etwa durch eine Agenda-Gruppe, das Mobilfunk-Netz zu optimieren, nahm der Gemeinderat nicht auf. „Das ist für uns eine Nummer zu groß“, fand Max Ruf (SPD), „da verheben wir uns.“ Ähnlich sah das Hubert Baldauf (Grüne).

Ob der Beschluss der Gemeinde einen Sender in Wettlkam verhindern kann, da hat der Bürgermeister seine Zweifel. „Sie werden jetzt auf Privatleute zugehen.“ Technisch müsse es es nicht unbedingt ein Mast sein, sagte Falkenhahn. „Vom mobilen Sender auf Feldwagerl bis zur Dachantenne – da ist vieles denkbar.“ Aber klar sei auch: „Finden sie keinen Standort, gibt es keinen Sender.“ Thomas Hogger (Grüne) hätte sich einen Kompromiss-Standort außerhalb des Orts gewünscht: „Ich hoffe, dass die Wettlkamer jetzt zusammenhalten.“

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