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Begehrter Rohstoff: Nördlich von Otterfing befindet sich eines der größten Kiesabbaugebiete des Landkreises.

Gruben bekommen Grenzen

Otterfing will Kiesabbau begrenzen

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Schwerlastverkehr rauscht durchs Dorf, überall großes Gerät. Otterfing ist ein Kiesabbau-Paradies. Um das einzudämmen, will der Gemeinderat die Abbaufläche auf 32 Hektar beschränken. Zu wenig, finden einige.

Otterfing – Planerisch beschreitet die Gemeinde einen ungewöhnlichen Weg. Ein Teilflächennutzungsplan soll eine „Konzentrationszone“ definieren, die für Kiesabbau freigegeben wird. Entscheidend für die Gemeinde ist der Umkehrschluss: Auf der übrigen Fläche ist Kiesabbau dann nicht mehr möglich. Hintergrund sind wachsende Begehrlichkeiten von Kiesunternehmen, einige betreiben nördlich des Orts bereits größere Gruben. Ins Gehege kam sich die Gemeinde vor allem mit dem ortsfremden Großunternehmen Rohrdorfer. „Otterfing will nicht das Kiesabbaugebiet fürs ganze Oberland werden“, stellte Bauamtsleiter Heinz Hirz in der jüngsten Gemeinderats-Sitzung klar. Der Teilflächennutzungsplan sei ein Versuch, „den Kiesverkehr etwas zu verringern“.

Etwa 32 Hektar von theoretisch möglichen 305 Hektar will die Gemeinde freigeben. Es handelt sich um eine geschlossene Fläche zwischen den Gruben Fasching und Rohrdorfer. „Weniger darf es nicht sein, es muss sich um substanziellen Raum handeln“, betonte Hirz. Ob die Flächen tatsächlich zum Verkauf stehen, spielt laut Planer Bernd Munz keine Rolle: „Es reicht, wenn der Verkauf theoretisch möglich ist.“

Das Verfahren zieht sich bereits ein ganzes Jahr. Die erste öffentliche Auslegung des Planwerks im Sommer 2016 provozierte etliche Einsprüche. Die stärksten Einwände kamen von der Regierung von Oberbayern und der Firma Rohrdorfer, die beide bemängeln, dass das Gebiet zu klein gefasst ist und nicht das Ausmaß der „Vorbehaltsgebiete Kies“ erreicht, die der Regionalplan vorgibt.

Bewusst habe man bereits ausgebeutete und genehmigte Gruben ausgespart, betonte Hirz jetzt im Gemeinderat. Andernfalls hätte man eine „Feigenblatt-Planung“ betrieben, da man ja künftige Abbaugebiete zu benennen hatte. Den von Rohrdorfer formulierten Vorwurf einer „Verhinderungsplanung“ ließ er nicht gelten. Rechne man die bestehenden Gruben zu den vorgesehenen Konzentrationsflächen hinzu, summiere sich der Kiesabbau auf 53 Hektar. „Das ist verdammt viel“, sagte Hirz. Bestehende Genehmigungen blieben zudem unangetastet. Der Bauamtsleiter ging sogar zum Gegenangriff über und legte Rohrdorfer nahe, endlich auch die längst genehmigte Fläche abzubauen, auf der die Brecheranlage steht. Und auch wenn der Regionalplan „Vorbehaltsgebiete“ festlege, heiße dies nicht automatisch, dass diese vollständig zur Ausbeutung freizugeben sind.

Zwei private Waldbesitzer (Maria und Johann Kirmayr sowie Michael Burgmayr) hätten sich gewünscht, dass ihre Waldgrundstücke in die Konzentrationszone Aufnahme finden. Es handle sich um „Funktionswälder“, heißt es in der Stellungnahme der Gemeinde, die aufgrund ihrer Schutzwürdigkeit nicht geopfert werden dürften. „Aber auf Sauerlacher Flur wurde jetzt im gleichen Wald eine Grube aufgemacht“, wandte Georg Schlickenrieder (CSU) ein, „es ist unseren Leuten schwer zu vermitteln, warum das dort möglich ist und hier nicht.“ Hirz betonte, dass Kiesgruben im Wald im Landratsamt Miesbach schwerlich genehmigungsfähig seien. Karl Einwanger (Grüne), der als Förster im Landkreis München arbeitet, wusste zu berichten, dass im angesprochenen Fall das Landratsamt München eine Ausnahme gemacht habe, „weil der Antragsteller die dreifache Fläche anderswo wiederaufgeforstet hat“.

Keine Stellungnahmen kamen vom Bauernverband und vom Bund Naturschutz. „Sehr erstaunlich“, stellte Schlickenrieder fest. Dies werde wohl bei der zweiten Auslegung nachgeholt, vermutete Hirz.

Einstimmig schickte das Gremium den Planentwurf in die nächste Runde. Juristisch sieht der Bauamtsleiter die Gemeinde gewappnet gegen mögliche Klagen. Man habe sich ausführlich mit Landratsamt und einem Rechtsanwalt beraten. Mitte des Jahres soll die Konzentrationszone letztmals beraten werden und dann Rechtskraft erlangen.

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