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Auch an der Münchner Hackerbrücke hängt der Otterfinger Biolandwirt prominent platziert im Großformat.

Otterfinger Biobauer im Großformat auf Plakatwand

“Ist ja nicht wie beim Gemüsebauern, der einen Salatkopf in der Hand hält“

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Georg Schlickenrieder, Biobauer und Gemeinderat aus Otterfing, ist unversehens zum Fotomodel geworden. Eine Supermarktkette hat ihn für eine Regional-Kampagne entdeckt. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam - und warum sich das nicht jeder traut. 

Otterfing Mit Werbedrehs kennt sich Georg Schlickenrieder aus. Vergangenes Jahr ließ der Rewe-Konzern den Fußball-Star Thomas Müller über seinen Otterfinger Archehof wirbeln. Hausherr „Gedschi“ gab artig den Komparsen. Ein Jahr später überrascht der 59-Jährige mit einer veritablen Hauptrolle: Auf gut 150 Plakaten wirbt der Landwirt für das von ihm vermarktete Rindfleisch, an seiner Seite liegt ein Murnau-Werdenfelser-Rind im Gras. Wie Rewe mitteilt, hängen oder hingen die Großplakate in Weilheim, Penzberg, Pähl, Utting, Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, München, Spatzenhausen, Weilheim, Wolfratshausen und Holzkirchen. Höchste Zeit für einen Anruf beim „Muh-Model“.

Herr Schlickenrieder, Sie sind Bio-Landwirt, Gastronom, Gemeinderat – und plötzlich auch Fotomodel. Wie kam’s zu diesem Shooting?

Georg Schlickenrieder: „Ich hänge sogar in München an der Hackerbrücke. Ein ehemaliger Praktikant hat mir das Foto gemailt. Schaut doch gut aus.“

Ja, Kompliment. Aber wem ist das eingefallen?

Schlickenrieder: „Ich bin Zweiter Vorsitzender des Fördervereins für das Murnau-Werdenfelser Rind. Erster Vorsitzender ist Jürgen Lochbihler, Wirt vom Pschorr am Viktualienmarkt. Seit Jahren beliefere ich die MuWe GmbH, deren Geschäftsführer auch der Jürgen Lochbihler ist und die das Fleisch der Murnau-Werdenfelser eben auch in den Rewe-Märkten der Region vermarktet. So kamen die bei Rewe auf mich.“

Die hätten auch andere Züchter fragen können.

Schlickenrieder: „Schon, aber die brauchten jemanden, der sich hinstellt und sagt, dass er diese wunderschönen Tiere auch schlachtet. Macht nicht jeder. Ist ja nicht so wie bei einem Gemüsebauern, der einen Salatkopf in der Hand hält.“

Sie haben aber kein Problem damit.

Schlickenrieder: „Nein, habe ich nicht. Ich sage den Leuten immer: Den Rindern geht es bis an ihr Lebensende echt gut bei uns. Als Ochse oder Färse ist dieses Leben aber nach 2,5 Jahren vorbei. Das ist so, das gehört dazu. Dafür bekommen die Verbraucher hervorragendes Fleisch, das wirklich besonders schmeckt.“

Auf dem Plakat neben Ihnen, das dürfte Regina sein, die Grande Dame der Archehof-Herde, einst zur schönsten Kuh Bayerns gewählt.

Schlickenrieder: „Falsch, das denken komischerweise viele. Nein, das ist eine Färse, ein Schlachttier. Das wäre doch nicht ehrlich, wenn da jetzt die Regina mit drauf wäre. 30 Tiere im Jahr schlachten wir, die schönsten behalten wir zur Zucht. Wie die Regina, diese Diva.“

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Oha, eine Kuh mit Star-Allüren.

Schlickenrieder: „Das kann man laut sagen. Die bildet sich immer noch was ein auf ihren Ruhm, drängt sich immer in den Vordergrund. Sobald Besucher kommen, wirft sie sich in Pose und will gestreichelt werden. Sie und die Zaziki, die vor zwei Jahren beim Zentral-Landwirtschaftsfest in München im Rampenlicht stand, buhlen richtig um Aufmerksamkeit. Es ist oft wie auf dem Plakat: Ich bin nur Beiwerk.“

Auf dem Plakat blicken Sie versonnen, fast träumerisch in die Ferne. Warum so nachdenklich?

Schlickenrieder: „Träumerisch? Eher müde. Das Foto ist ganz in der Früh entstanden. Wegen dem Licht, hat der Fotograf gesagt. Für mich Morgenmuffel war es eine Wahnsinns-Überwindung, zu dieser Tageszeit halbwegs nett zu schauen.“

Hat wenigstens die Gage gestimmt?

Schlickenrieder: „Es gab nicht einen Euro. Ich habe das gemacht, um Werbung zu machen für die Murnau-Werdenfelser. Ihr Fleisch wird von Rewe regional vermarktet – und das unterstütze ich. Verbraucher sollten viel mehr lokale Produkte kaufen.“

Einen Rewe-Markt gibt es in Otterfing nicht, könnte es aber vielleicht geben. Als Gemeinderat lehnen Sie die Ansiedlung eines zweiten Supermarkts ab, machen aber für Rewe Werbung. Beißt sich das nicht?

Schlickenrieder: „Finde ich nicht. Ich stehe auf dem Plakat zu einem Produkt. Da geht es nicht um Kommunalpolitik oder um den richtigen Standort für einen Supermarkt – das ist was anderes. Ich bin dafür, dass kleine Läden in einem Ort überleben können.“

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Was ist das für ein Gefühl, sich selber so auf Großleinwand zu sehen?

Schlickenrieder: „Ich habe noch kein Plakat im Original gesehen. Kunden, Spezln und ehemalige Praktikanten schicken mir aber laufend Bilder. Also, ich finde das ganz angenehm. Neben den anderen Gesichtern, die uns jetzt wieder dutzendweise angrinsen vor der Wahl, können wir gut mithalten, mein Rind und ich.“

Findet die Model-Karriere eine Fortsetzung?

Schlickenrieder: „Ich bin da offen und warte auf Angebote. Im Sommer 2019 hätte ich noch Termine frei.“

Sie spekulieren, für den Jungbauern-Kalender entdeckt zu werden?

Schlickenrieder: „Als Jungbauer durchzugehen, das könnte knapp werden. Aber vielleicht gibt es ja mal einen Altbauernkalender – mit dem Gedschi vorn drauf.“

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