Neues Hauptquartier: Vermes zieht von Otterfing in das linke Gebäude am Rudolf-Diesel-Ring in Holzkirchen. Laut der Firma werden die Büros modernisiert, Labore eingerichtet und ein neues Logistiksystem eingeführt. 

Bürgermeister ist sauer

Schock für die Gemeinde: Vermes verlässt Otterfing - Das steckt dahinter

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Die Firma Vermes verlagert ihren Hauptsitz. Am aktuellen Standort Otterfing sitzt der Schock tief. Die Gemeinde verliert nun einen Traditionsbetrieb – und satte Gewerbesteuereinnahmen.

Otterfing – Seit der Gründung der Firma 1946 hatte die heutige Vermes Microdispensing GmbH ihren Sitz in Otterfing. Nun kehrt der Traditionsbetrieb der Gemeinde den Rücken. Wie das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung bekannt gab, verlegt es sein Hauptquartier an den Rudolf-Diesel-Ring in Holzkirchner. Im Frühjahr 2019, teilte Pressesprecherin Birgitt Harrow auf Nachfrage mit, ziehen die fast 100 Mitarbeiter nach und nach um.

Am Altstandort an der Palnkamer Straße herrscht Platznot. Der weltweit agierende Hersteller von Hochpräzisions-Ventilen verzeichnete in den vergangenen Jahren ein enormes wirtschaftliches Wachstum. Die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich innerhalb eines Jahrzehnts beinahe, meldet die Firma. Eine Entwicklung, mit der man auch in den nächsten Jahren rechne. Im August war bekannt geworden, dass Vermes deswegen den Bau einer neuen Zentrale auf einem firmeneigenen Grundstück an der Ludwig-Ganghofer-Straße in Otterfing vorantreibt. Der Antrag auf Änderung des Bebauungsplans ging ans Landratsamt.

In Holzkirchen bezieht Vermes nun den westlichen Trakt des ehemaligen Panasonic-Komplexes. Nach Informationen unserer Zeitung hat Vermes das Gebäude erworben. Seine „neuen, eigenen Räumlichkeiten“, wie die Firma in der Pressemitteilung selbst schreibt, werden nun umgebaut. Büros, Labore, Anfahrtsrampe. Die neuen Büros bieten demnach nahezu dreimal so viel Platz. „Wir sind froh, dass sich uns diese Alternative kurzfristig eröffnet hat“, sagt Harrow.

Im Otterfinger Rathaus ist man darüber alles andere als froh. Bürgermeister Jakob Eglseder hat erst am Vorabend vom Vermes-Verlust erfahren. Er sagt: „Ich bin geschockt.“ Zwar hätten Vertreter der Firmen kürzlich bei Gesprächen über die Änderung des Bebauungsplans angedeutet, dass man sich anderweitig nach Alternativen umsehe. Die zügige Vollzugsmeldung kam dennoch unerwartet. „Wir sind komplett überrollt worden“, sagt Eglseder. „Der Weggang trifft uns hart.“ In zweierlei Hinsicht.

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Denn der Umzug geht ans Geld. 2019 brechen laut Eglseder Gewerbesteuern im „größeren sechsstelligen“ Bereich weg. „Wir müssen den Haushalt fürs nächste Jahr komplett überarbeiten“, seufzt der Rathauschef. Einsparungen im Verwaltungshaushalt seien unausweichlich, was sich wiederum direkt auf die Bürger auswirke. „Bankrott sind wir nicht, aber wir müssen schauen, welche großen Investitionen wir stemmen können“, sagt er.

Doppelt bitter: Das florierende Wachstum der Firma und die einhergehenden Einnahmen durch die Gewerbesteuer wirken sich auf die Kreisumlage der Gemeinde aus. „Vermes hatte 2017 ein hervorragendes Jahr“, weiß Eglseder. Im kommenden Jahr muss Otterfing somit 360 000 Euro an den Landkreis abgeben. Ein Betrag, der ohne Wegzug „zu regeln gewesen wäre“, sagt Eglseder. Mittlerweile bereite er ihm „Kopfzerbrechen“.

Doch der Groll des Bürgermeisters geht über das Finanzielle hinaus. Der Gemeinde lag viel daran, Vermes an den Ort zu binden. Die Neubaupläne im Gewerbegebiet habe man stets unterstützt, teils gar hofiert. Eglseder spricht von „Riesenzugeständnissen“ bei der Bebauungsplanänderung, von „Überstunden“ und „abgebrochenen Urlauben“. Das Grundstück hat Vermes-Geschäftsführer Jürgen Städtler der Gemeinde vor gut zwei Jahren abgekauft. Im März hätte man mit dem Bau beginnen können, glaubt Eglseder: „Meine Mitarbeiter haben sich gekümmert, dass es zügig vorangeht.“ Stand jetzt: Vergeblich.

Ob Vermes irgendwann nach Otterfing zurückkehrt und den Plan einer neuen Firmenzentrale im Gewerbegebiet umsetzt, ist unklar. „Der Antrag ist da, das Grundstück ist da, von uns wird akut nichts gestoppt“, sagt Pressesprecherin Harrow. Festlegen will sie sich nicht. Zunächst wolle man die Unternehmensentwicklung abwarten.

An eine Rückkehr glaubt Eglseder nicht so recht. Er hat die Bebauungsplanänderung daher von der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung am 18. Dezember streichen lassen.

fp

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