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Zieht sich für den Humor im Kuhstall aus: Caro Matzko von „Ringlstetter“.

„Hoffentlich sieht das keiner aus meiner Verwandtschaft“

Schräg-heißes Fotoshooting im Otterfinger Kuhstall - dahinter steckt ein Gag

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Am Archehof in Otterfing drehte erst Thomas Müller, jetzt hat sich in seinem Kuhstall eine BR-Moderatorin nackig gemacht. Wir waren beim Dreh und erklären den lustigen Hintergrund.

Otterfing – Die Kühe im Hintergrund schauen etwas verdattert, als sich Felicitas, von Beruf Tierärztin, vor ihnen in Pose bringt. Ihre langen blonden Haare fallen über den grünen OP-Kittel, den sie trägt. Darunter hat sie fast nichts an. Sie zieht sich den ellenlangen, roten Gummihandschuh über den Unterarm und schaut lasziv in die Kamera. Hinter der Linse gibt der Fotograf lautstark Anweisungen.

Das Fotoshooting für einen Motto-Kalender auf dem Archehof in Otterfing ist voll im Gange. Ein paar Meter weiter, abseits des Trubels, steht Georg Schlickenrieder. Ihm gehört der Hof, auf dem die Fotos entstehen. „Hoffentlich sieht das keiner aus meiner Verwandtschaft“, sagt Schlickerieder, lacht laut auf und schüttelt den Kopf.

Das könnte allerdings ein echtes Problem werden. Denn das Fotoshooting – was bei weitem nicht so ernst gemeint ist, wie es auf den ersten Blick daherkommt – ist Teil eines Fernsehdrehs für die BR-Sendung „Ringlstetter“. Die Dame, die dort mitten im Kuhstahl des Archehofs für die Kamera posiert, heißt im echten Leben auch gar nicht Felicitas, sondern Caro Matzko. Und die ist keine Tierärztin, sondern die Co-Moderatorin in besagter Unterhaltungsshow.

Für die Dreharbeiten der nächsten Folge schlüpfen Matzko und ihr Moderatoren-Kollege Hannes Ringlstetter, der Namensgeber der Sendung, in verschiedene Rollen. Zwölf Monate, zwölf Motive. Das ganze Kalender-Shooting: ein großer, aufwändiger Scherz.

„Wir wollen die Kalender parodieren, die es überall zu kaufen gibt“, erklärt Ringlstetter in einer Drehpause im Gespräch mit unserer Zeitung. „Vor zehn Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, einen Jung-Bauern-Kalender zu machen. Heute sind Berufe sexy, die nie sexy waren.“ Die Motive, die sich Ringlstetter und seine Redaktion für das  Fotoshooting haben einfallen lassen, sind teils frei erfunden, teils von echten Kalendern abgekupfert. So, wie die freizügige „Jung-Besamerin“, die Caro Matzko bei Eiseskälte im Kuhstall parodiert.

Hausherr Schlickenrieder verfolgt das ganze Bohei auf seinem Hof mit einer Mischung aus Erheiterung und Verwunderung. Wirklich überraschen können ihn die teils überzogenen Motive aber nicht. „Ich kenne die Sendung ja, da habe ich nicht erwartet, dass es hier normal zu geht“, sagt er. Auf seinem Archehof öffnet Schlickenrieder dem Fernsehteam jede Tür und jedes Tor. Fotografiert und gedreht wird im Stall, im Hofcafé und in der Destillerie. Es ist nicht der erste Dreh auf dem Hof. I m Sommer nahm dort FC Bayern-Star Thomas Müller einen Werbespot für einen Supermarkt auf. Schlickenrieder kennt die Macken der „Fernsehleute“ daher. „Die Aussagen, wie lang es dauert, kann man sowieso vergessen.“

Und auch an diesem Tag dauert alles etwas länger als geplant. Licht und Makeup müssen stimmen, die Haare nochmal zurecht gezupft und die Requisiten ein bisschen umgestellt werden. Los ging es um neun Uhr, das erste Motiv – Ringlstetter als sächsischer Informatiker, der findet, „dass die Computerspezialisten in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert sind“, und das ändern will – ist erst kurz vor zwölf im Kasten.

Schlickenrieder und seine Frau Anja versorgen das Drehteam den Tag über mit Catering und fehlenden Requisiten. Für das Motiv Matzko als Maurerin besorgt der Otterfinger etwa Steine und Maurerkelle (Regieanweisung dazu: „Oben ohne und ein Blick wie ein warmer Leberkäse-Händedruck“). Und dem Informatiker aka Ringlstetter, der in Panzerknacker-Unterhosen im Hofcafé an einem Schreibtisch sitzt, tritt er für das Shooting sogar seine Schlappen ab.

Gegen 17 Uhr waren dann alle Aufnahmen im Kasten. Das Making-of für den Kalender zeigt der BR am Donnerstag um 22 Uhr bei „Ringlstetter“. Und der Kalender selbst? Den, verrät Ringlstetter, gibt es tatsächlich zu gewinnen. Jeder der im Rahmen der BR-Spendenaktion „Sternstunden“ Geld spendet, kann einen Spendennachweis einreichen. Und unter allen Einsendungen wird eine limitierte Stückzahl verlost. „Wir wollten sowieso einen Kalender für unsere Fans machen“, sagt der Moderator. „Den können sie sich jetzt an die Wand hängen und sich jedes mal kaputtlachen.“

Dass es die Fernsehcrew und den Fotografen für das „sexy Shooting“ überhaupt auf den Archehof verschalgen hat, hat einen romantischen Hintergrund. Caro Matzko hat vor vier Jahren auf dem Hof geheiratet. Allerdings im Brautkleid und nicht im rückenfreien Op-Kittel.

fp

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