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Bezahlbar und barrierefrei: Zentral in Otterfing will die Gemeinde ein Grundstück für ein Seniorenwohnhaus zur Verfügung stellen. Die Suche nach einem Investor oder Betreiber läuft.

Seniorenwohnhaus im Ortskern geplant 

Damit Rente für Miete reicht

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Otterfing - Der Ruhestand sollte Anlass für Vorfreude sein, für immer mehr Mitbürger wirkt er aber eher bedrohlich. Reicht meine Rente für die Miete? Die Gemeinde Otterfing will hier helfen. Mitten im Ort sollen „bezahlbare“ Wohnungen speziell für Senioren entstehen. Die Pläne gibt’s schon länger, nehmen jetzt aber neuen Schwung auf.

Ein gemeindlich gefördertes Wohnprojekt für Senioren war im Kommunalwahlkampf 2014 bei fast allen Gruppierungen ein Thema gewesen. Die hitzige und allgegenwärtige Sportzentrums-Debatte hat das Projekt aber zusehends aus dem Fokus gedrängt. Auf Anregung des Arbeitskreises (AK) Soziales holte die CSU-Fraktion das Projekt jetzt wieder aus der Schublade. „Seit vier Jahren unterhalten wir uns über ein Seniorenwohnhaus, leider geht nichts weiter“, stellte CSU-Fraktionssprecher Robert Schüßlbauer in der jüngsten Gemeinderatssitzung fest. Der CSU-Antrag wolle ein Signal setzen und die Verwaltung auffordern, die Planungen zu intensivieren. Bemerkenswert: Alle Gemeinderäte unterstützten diese Initiative.

Ein Bauplatz ist schon ausgeschaut: Am St.-Georg-Platz, im Ortszentrum, hat die Gemeinde ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück erworben. „Der ganze Umgriff gehört uns ja noch nicht“, sagte Stefan Burgmayr (FWG), „tut sich da was?“ Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) berichtete von Verhandlungen mit einer Erbengemeinschaft. Es geht um ein leer stehendes Häuschen, gerade einmal 63 Quadratmeter groß. „Wir hätten damit planerisch mehr Offenheit“, sagte Eglseder, „angewiesen wären wir darauf aber nicht.“

Wenn möglich, will sich die Gemeinde darauf beschränken, das Grundstück zur Verfügung zu stellen. Bau und Betrieb des Seniorenwohnhauses würde man einem Betreiber überlassen – was den Charme hätte, dass die Gemeinde kein Geld selbst in die Hand nehmen muss. Stiftungen, Genossenschaften, auch Privatinvestoren kommen in Frage. „Die Verwaltung wird den Markt sondieren“, kündigte Eglseder an. 

Zwei auswärtige Investoren signalisierten laut Bürgermeister ihrerseits Interesse, ein solches Projekt in Otterfing aufzuziehen, allerdings an anderen Standorten. „Wenn sich ein besseres Grundstück findet – warum nicht?“, sagte Schüßlbauer.

Das Interesse der Investoren kommt nicht von ungefähr. Neue Holzbau-Techniken versprechen schnelles und kostengünstiges Erstellen von Wohnraum, wusste Ulrike Stockmeier (FWG). „Und für bezahlbaren Wohnraum hat der Staat interessante Fördertöpfe gebildet“, ergänzte Eglseder. Denkbar sei, dass sich die Gemeinde in ein privates Projekt einkauft und so an bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum kommt.

Hauptstoßrichtung soll aber bleiben, ein eigenes Grundstück einzubringen. Wie im CSU-Antrag formuliert, beansprucht die Gemeinde im Gegenzug das vollständige Belegungsrecht eines Seniorenwohnhauses und will die Höhe der Mieten festsetzen können. „Es brauchen auch die Otterfinger Senioren eine Perspektive, die nicht das Geld haben, um marktübliche Mieten zu zahlen“, erklärt Manfried Doll, Sprecher des AK Soziales.

Eine Umfrage vor fünf Jahren ergab, dass 15 bis 20 Gemeindebürger großes Interesse an so einem Angebot hätten. „Der Bedarf dürfte mittlerweile noch größer sein“, vermutet Doll. Im Idealfall verfüge der Neubau sogar über einen Gemeinschaftsraum. „Es soll eine Hausgemeinschaft entstehen.“

Eine erste Machbarkeitsstudie von 2012 für den St.-Georg-Platz skizzierte ein Gebäude mit acht bis zwölf Wohneinheiten. „Wir sollten das jetzt wirklich anpacken“, sagte Eglseder im Gemeinderat. Er wisse von vielen Senioren, die im Alter nach kleineren und vor allem barrierefreien Wohnungen suchen. Nach den Ferien will die Verwaltung das Ergebnis der Marktsondierung präsentieren. Eglseder: „In ein oder zwei Jahren sollten wir das Projekt spruchreif bekommen.“

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