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Bleibt vorerst erhalten: Das alte Otterfinger Sportzentrum am Nordring will die Gemeinde um einen Sanitärbau erweitern, was ohne zusätzlichen Lärmschutz möglich wäre.

Neue Doppelstrategie

Sportstätten: Gemeinderat will an zwei Standorten bauen

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Von „einem“ Otterfinger Sportzentrum zu sprechen, dürfte künftig schwierig sein: Der Gemeinderat beschloss am Dienstag mehrheitlich, auf dem Areal an der Ecke Lehrer-Holl-/Ludwig-Ganghofer-Straße (Skaterplatz) eine zusätzliche 2,5- oder 3-fach Turnhalle zu bauen.

Otterfing – Eine neue Richtung schlägt der Otterfinger Gemeinderat in Sachen Sportzentrum ein. Es soll nicht nur eine neue Halle am Skaterplatz gebaut werden. Das alte Sportzentrum mit Halle, Versammlungsräumen, Gastronomie und Freisport-Anlagen soll zudem bis auf Weiteres nicht nur erhalten bleiben, sondern ein zusätzliches Sanitärgebäude (Umkleiden) bekommen. Allerdings: Für beide Vorhaben machte der Gemeinderat zur Bedingung, dass sie im Haushalt zu finanzieren sind.

Die Beschlüsse resultieren aus einer Machbarkeitsstudie, die Planer Michael Zach dem Gremium im Dezember vorgestellt hatte. Die Schlüsselbotschaften lauten: Am Nordring lässt sich, durch kreatives Verteilen, das Stellplatz-Problem durchaus lösen; sobald ein größerer Neubau entsteht, entfällt aber der Altanlagen-Bonus, was teuren Lärmschutz nötig macht. Am Standort Skaterplatz hingegen drohen weder Park- noch Lärmprobleme.

Für die Räte der CSU, der FWG und Hubert Baldauf (Grüne) war dies das Signal, auf eine Doppelstandort-Strategie einzuschwenken – und den vorherigen Beschluss (Januar 2018) aufzuheben, der eine große Neubau-Lösung am Nordring anvisiert hatte. Die SPD-Fraktion indes tobte. „Wir sollen hier millionenschwere Investitionsentscheidungen treffen, ohne genaue Zahlen zu kennen – und ohne zu wissen, was mit der alten Halle passiert“, sagte Andreas Eichhorn.

Abgesehen von den Baukosten wies Max Ruf auf die enormen Summen hin, die der Unterhalt von zwei Hallen verschlinge. Der TSV werde sich beteiligen müssen; trotzdem werde es für den neuen Gemeinderat sehr schwer, alles zu finanzieren. „Da werden wohl Teile der Thomawiese verkauft werden müssen.“

Für Eichhorn steht fest, dass eine Gastwirtschaft im Sportzentrum ein „Zuschussbetrieb ist, den sich die Gemeinde nicht leisten kann“. Die alte Halle zu sanieren, sei „völlig unwirtschaftlich“.

Thomas Hogger (Grüne) pflichtete bei; er sprach von jährlich 50 000 Euro Unterhalt fürs alte Sportzentrum. Auch er vermisst genauere Zahlen und Vergleiche. „Der Neubau am Skaterplatz ist für mich nicht die wirtschaftlichste Lösung.“

Dass die FWG-Räte von einem großem Neubau am Nordring abrückten, nervte Roberto Sottanelli (SPD) besonders: „Wir wollten die Spaltung im Gemeinderat auflösen, jetzt haben wir sie wieder.“ Speziell sprach er Zweite Bürgermeisterin Ulrike Stockmeier an: „Du drehst Dich, wie es Dir gerade passt.“

Die verteidigte sich. Schon vor drei Jahren habe sie selbst den Skaterplatz ins Spiel gebracht, „damals war aber wohl die Zeit nicht reif“.

Der aktuelle Vorschlag, den Skaterplatz zu prüfen, stammt von CSU-Fraktionssprecher Robert Schüßlbauer. „Wir haben eine gute Lösung auf dem Tisch“, stellte er fest, „und wir zwingen uns damit zu nichts.“ Man müsse nichts übers Knie brechen, sagte auch Georg Schlickenrieder (CSU), machte aber auch klar, „dass wir den Otterfinger Hof für alle Vereine dringend brauchen“.

Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) verwahrte sich gegen den Vorwurf Hoggers, er als Verwaltungschef habe zwei Jahre gebraucht, um ein aussagekräftiges Gutachten beizubringen. „Ich verzögere hier gar nichts“, betonte Eglseder. Fast 100 000 Euro habe die Gemeinde ausgegeben für Prüfungen von Varianten, „weil es der Gemeinderat so wollte“.

Die Sportstätten-Debatte werde im anstehenden Kommunalwahlkampf wieder ein Hauptthema werden, fürchtet Eichhorn: „Ein Armutszeugnis für diesen Gemeinderat.“ Hier gab ihm Eglseder Recht, er sieht die Schuldigen für die vermeintlich unversöhnliche Stimmung aber anderswo: „Die Initiatoren des Bürgerbegehrens haben unverantwortlich und leichtfertig die Spaltung der Bevölkerung in Kauf genommen“, sagte der Rathauschef. 

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