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Brisante Nachbarschaft: Das Sportzentrum am Nordring (vorne die Mehrzweckhalle und der Otterfinger Hof) grenzt an eine Wohnbebauung an. 

Neues Gesetzt könnte helfen

Sportzentrum: Es besteht leise Hoffnung

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Über dem Otterfinger Sportzentrum hängt ein Damoklesschwert. Die Lärmbelastung für das benachbarte Wohngebiet ist so groß, dass Nutzungsbeschränkungen drohen. Doch es gibt Abhilfe vom Bund...

Die Neuigkeit betrifft ein sperriges Konstrukt: Die „Sportanlagenlärmschutzverordnung“ balanciert bundesweit die Interessen zwischen Sportlern und deren Nachbarn aus. Jetzt wird das Regelwerk aufgebohrt: Als Teil des Programms „Neues Zusammenleben in der Stadt“ hat sich das Bundeskabinett in Berlin Ende November darauf verständigt, den Nachbarn in den Abendstunden (20 bis 22 Uhr) sowie sonn- und feiertags während der nachmittäglichen Ruhezeit (13 bis 15 Uhr) künftig etwas mehr Sportler-Lärm (fünf Dezibel) zuzumuten.

Noch wichtiger für Otterfing könnte ein zweiter Punkt sein: Der „Altanlagenbonus“ für Sportstätten, die vor 1991 gebaut worden waren, wird genauer definiert. Wie Bundesumwelt-Ministerin Barbara Hendricks (SPD) mitteilte, gelten die alten (und weniger strengen) Immissionsgrenzwerte auch nach „generellen Modernisierungsmaßnahmen“; als Beispiele nennt die Ministerin die Nachrüstung mit Kunstrasen oder Flutlicht. „Das verschafft uns mehr Optionen, nach Lösungen für ein neues Sportzentrum zu suchen“, freute sich Michael Falkenhahn (SPD) jetzt in der jüngsten Gemeinderats-Sitzung.

Bekanntlich hatte die Gemeinde versucht, einen Bürgerentscheid von 2015 umzusetzen und das Sportzentrum am Altstandort weiterzuentwickeln – anstatt im Außenbereich an der Kreuzstraße eine komplett neue Anlage zu erstellen. Gutachten hatten allerdings gezeigt, dass der Lärmschutz allen Plänen am Nordring enge Grenzen setzt. Dieses Problem sei kleiner geworden, findet Falkenhahn: „Selbst bei Modernisierungen bleibt uns künftig der Altanlagen-Bonus.“

Weniger euphorisch ist Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU). „Wir wollen ja auch was Neues bauen, mindestens eine Dreifach-Turnhalle und einen Parkplatz“, sagt Eglseder, „ich glaube, dass da selbst der neue Altanlagen-Bonus nicht greift.“ Ähnlich wertet das Florian Brand, der im Landratsamt für Immissionsschutz zuständig ist. „Der Bonus wird auch künftig nur gelten, wenn keine wesentlichen Änderungen stattfinden.“ Als solche seien zusätzliche Sportflächen, neue Anordungen derselben, größere Neubauten oder Parkdecks durchaus zu werten. Eine konkrete Aussage will Brand aber noch nicht treffen: „Es kommt darauf an, was genau geplant ist.“

Zunächst will das Rathaus abklopfen, ob das Lärmschutz-Gutachten aktualisiert werden muss. Gutachter Dominik Prislin bekam vom Gemeinderat den Auftrag, die zu erwartenden Erleichterungen in das Nordring-Konzept einzuarbeiten. Einig sind sich Eglseder, Falkenhahn und Brand, dass zumindest beim laufenden Betrieb mit Entspannung zu rechnen ist. „Ein Schreckgespenst ist vertrieben“, glaubt Falkenhahn. Besonders die Fußballer profitieren davon, dass die Grenzwerte abends beim Training und am Sonntagnachmittag, wenn Punktspiele anstehen, um fünf Dezibel angehoben werden. „Das wäre eine Erleichterung auch für unsere Leichtathleten“, stellt der Bürgermeister fest.

Das Lärmschutz-Problem sei damit aber nicht aus der Welt, wie Brand betont. Denn bei Fußballspielen mit Zuschauern werde der Grenzwert oft um zehn Dezibel überschritten, „es würden also fünf bleiben“. Und selbst eine wenig ansehnliche Lärmschutzwand könne die Dachgeschosse der benachbarten Wohnungen nicht wirkungsvoll abschirmen.

Der Standort am Nordring stehe mit der Gesetzesnovelle nicht wesentlich besser da, glaubt der Bürgermeister. „Vor großer Euphorie kann ich nur warnen.“ Nicht zuletzt sind die Änderungen längst nicht beschlossen. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Für Eglseder ist der Lärmschutz zudem nicht das einzige Problem am Nordring. „Es bleiben auf jeden Fall das Parkproblem, die fehlenden Erweiterungsmöglichkeiten und vor allem die Finanzierungsfrage.“

Derzeit laufen, wie bei einer Klausur im Oktober besprochen, die Gespräche mit Grundstücks-Besitzern, um für verschiedene Sportzentrums-Standorte das Terrain zu sondieren. Bei einer Sondersitzung Mitte Januar will der Gemeinderat dann festlegen, welche Kriterien bei der Standortwahl eine wichtige und welche eine untergeordnete Rolle spielen; dabei geht es unter anderem um Kosten, Verkehrsanbindung, Sicherheit und Erweiterungs-Optionen.

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