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Wichtige Wiese: Auf dieser Altmoräne würde ein Sportzentrum westlich von Bergham zu stehen kommen.

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Wichtige Wiese: Das spricht gegen die Bergham-Lösung

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Die Bergham-Lösung für ein neues Sportzentrum wird unwahrscheinlicher. Abgesehen vom Widerstand der Anwohner könnte auch die Wiese sehr schützenswert sein. Deshalb gibt‘s einen neuen Plan.

Otterfing Der Widerstand vieler Berghamer und Otterfinger gegen ein mögliches Sportzentrum nördlich der Dietramszeller Straße war am Dienstag im Gemeinderat deutlich zu sehen. Etwa 80 Besucher verfolgten die Sitzung. 246 Unterschriften hatten den Antrag der IG Bergham unterstützt, die Gemeinde möge sich nicht vorschnell auf die Berghamer Variante festlegen, sondern alle Standort-Alternativen noch einmal vor allem auf natur- und landschaftsschutz-relevante Kriterien überprüfen. Fachliche Hinweise lieferte Matthias Drösler, aufgewachsen hinter dem Berghamer Kircherl und mittlerweile fachkundig als Professor für Vegetations-Ökologie an der Hochschule Weihenstephan.

„Otterfing liegt auf einer ganz besonderen Kante“, betonte der Wissenschaftler. Der Ort entwickelte sich auf einer Altmoräne der Riss-Eiszeit, die in freier Landschaft nur noch westlich Berghams zu erkennen ist. Schon der 2007 erarbeitete Ortsentwicklungsplan hielt fest, dass diese Hangkante von weiterer Bebauung freigehalten werden solle. In diesem Planwerk sei auch festgehalten, so Drösler, dass sich Bergham nach Westen erweitern könne, „damit würde man fast direkt an die Sportstätten herankommen“.

Drösler machte deutlich, dass der Standort einer „strategischen Umweltprüfung“, wie in einem Genehmigungsverfahren erforderlich, kaum standhalten werde. „Ich wage die Vermutung, dass diese Hangkante von allen Varianten die am wenigsten geeignete für ein Sportzentrum ist“, schloss er seinen 20-minütigen Vortrag – und erntete donnernden Applaus aus dem Publikum.

„Die Situation fesselt uns“, stellte Ulrike Stockmeier (FWG) fest. Es gebe Widerstand gegen das Sportzentrum an der Kreuzstraße, jetzt auch in Bergham. „Ich entscheide nicht gegen die Bürger, aber wir stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand“. Sie schlug vor, sich deswegen noch einmal mit dem Altstandort zu beschäftigen. Dort gebe es zwar keine Erweiterungsmöglichkeiten und die Lärmproblematik, „aber der Standort ist erschlossen, wir sind an ihn gewöhnt.“ Sie beantragte, dass die Verwaltung ermitteln solle, was eine Generalsanierung nur des alten Gebäudes kosten würde.

Für die sieben Hektar an der Kreuzstraße, die ebenfalls für ein Sportzentrum in Frage kämen, sieht Stockmeier andere Optionen. Im Jahr 2031 laufe eine Vertragsklausel aus, demnach die Gemeinde dort nur Bauvorhaben für das Gemeinwohl realisieren darf. „Dann kann der Gemeinderat frei entscheiden, was dort möglich ist.“

Selbst eine grobe Kostenschätzung für eine Kernsanierung des Altgebäudes am Nordring brauche Zeit, sagte Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU). Frühestens im September sei damit zu rechnen. Vor 15 Jahren sei der Aufwand auf sechs bis sieben Millionen Euro geschätzt worden, „damals noch ohne Wärmesanierung“. Eglseder verwies zudem auf problematische Fluchtwege im Untergeschoss. Der Gemeinderat schloss sich aber Stockmeiers Bitte an, eine „über den Daumen gepeilte Finanzierung“ des Altgebäudes vorgelegt zu bekommen. „Mit den Kosten für all die Gutachten hätten wir schon die lang diskutierte 400-Meter-Bahn bezahlen können“, merkte Eglseder an.

Den Antrag der Berghamer nahm der Gemeinderat einstimmig „zur Kenntnis“ und sagte zu, deren Argumente bei künftigen Entscheidungen miteinfließen zu lassen.

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