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Theatergruppe Kraut und Ruam: Corona kriegt im Dschungel keine Chance

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Von: Marlene Kadach

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Theatergruppe Kraut und Ruam in Otterfing
Die Theatergruppe Kraut und Ruam hat ihr neues Stück im Otterfinger Schulhof gezeigt. © Max Kalup

Die Theatergruppe Kraut und Ruam hat sich von Corona nicht unterkriegen lassen. Rund 150 Besucher erlebten ihr neues Stück am Samstag als Open Air im Schulhof. 

Otterfing – So viel Engagement, Ehrenamtlichkeit und Zusammenhalt gehören belohnt. Also ließen sich der Wettergott und die Otterfinger Kulturhungrigen nicht lumpen: Ersterer, weil er am Samstag einen astreinen Sommerabend aus dem Hut zauberte, und Letztere, weil sie in hoher Zahl – etwa 150 – den Weg in den Otterfinger Schulhof fanden, zur Freiluft-Aufführung der Theatergruppe Kraut und Ruam – eine bunte Gaudi nach dem bewährten Rezept der Otterfinger Laienspielgruppe.

Die war im Mai in Klausur gegangen, erarbeitete in Gemeinschaftsarbeit die Grobform und den Basistext, der im Laufe der Zeit zahlreiche Updates erfuhr. An Themen und Stichworten sollte es in Corona-Zeiten nicht fehlen. Die Theater-Kabarett-Gruppe baute daraus ein knapp einstündiges Werk, das sie im Gewand des Klassikers „Das Dschungelbuch“ witzig und spritzig in Form brachte.

Die Kultur lässt sich auch von Corona nicht in die Knie zwingen. So lässt sich der Plot zusammenfassen. Freilich geht das nicht ohne Hindernisse: Die Schlange KaaRona versucht, Mogli, der die Kultur verkörpert, zu erwürgen. Auch der Tiger stellt sich gegen Mogli, der seinerseits von Bär Balou und Panther Baghira beschützt wird. Klar – am Ende wird alles gut, die Kultur und die schönen Dinge lassen sich nicht unterkriegen.

Freilich gilt es, bis dahin jede Menge Hürden zu überwinden. Mit allerlei Klamauk, Gags, Seitenhieben auf die große und kleine Politik. So erscheint Minister Aiwanger in Gestalt des „Königs im Affenstall“ und schwärmt von seinem „Opfisoft, der gibt mir Kroft“. Auch Ministerpräsident Söder („Der sagt ja nix, der redt doch bloß“) und Kultusminister Piazolo bekommen ihr Fett weg, ihre Corona- und Klimapolitik so manchen Rempler von der Seite: „Was ist ministerielle Meinungsvielfalt?“ – „Zerscht ja, dann naa, dann vielleicht und a ‚Aber‘ hintnach.“

Diesmal weniger präsent als sonst bei Kraut und Ruam: die lokale Politik. Einen Platz bekommen der Bürgermeister, „der sich Falke nennt und keine Flügel hat“, und im Übrigen ein aktiver Unterstützer der Gruppe ist, der Gemeinderat, „wo immer oana dagegen is“, oder die geplanten Windräder im Hofoldinger Forst. All dies wurde mit einer Riesenlust am Spiel, fantasievollen Kostümen und vor allem der unsterblichen „Dschungelbuch“-Hits wie „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ präsentiert. Und dies keineswegs wie „Kraut und Ruam“, sondern in einem schlüssigen Handlungsstrang.

Zum Schluss bedankte sich das Ensemble mit einer besonderen Geste an die zahlreichen Helfer im Hintergrund: Rainhard Fendrichs „Weilst a Herz hast wia a Bergwerk“ erklang, und das Publikum verwandelte die Nacht mit Wunderkerzen in ein Lichtermeer.

Vroni Mang, federführend in der Gruppe, freute sich über den gelungenen Abend und das „Mordsglück“ mit dem Wetter. „Wenn keiner kommt, wir hätten es auch alleine für uns gespielt“, bekennt sie und sieht die Aktion als „Geschenk an alle, die sich nach Kultur sehnen, wieder Veranstaltungen besuchen und das Leben ein Stück weit genießen wollen“. Der Spendenerlös des Abends geht ans Kinderdorf Irschenberg.

Die Darsteller

Monika Keymer, Susi Falkenhahn, Vroni Mang, Doris Haslauer, Petzi Mang, Hanna Haslauer, Susi Werner, Petra Holtkamp, Rob Strasser, Willi Hamberger, Nina Funcke, Thesi März, Renate Leirer, Anna Janz, Thea Huber, Ella Guida, Astrid Funcke, Quirin Falkenhahn.

Von Reinhold Schmid

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