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Vorsichtiges Frauchen: Tierärztin Sabine Polomski in ihrer Praxis mit Hündin Leni.

Hundehalter in Otterfing noch immer verängstigt

Tierärztin zu Ködern: „Das Gift wirkt ganz hinterlistig“

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Die Giftköder haben für Angst und Schrecken bei den Hundehaltern in Otterfing gesorgt. Wir haben uns mit Tierärztin Sabine Polomski über die Gefahren unterhalten.

Otterfing – Ein Monat ist vergangen, seit der Hundehasser seine tödlichen Giftköder in Otterfing ausgelegt hat. Noch immer ist die Angst vor Fressfallen bei Hundehaltern allgegenwärtig. Gefunden wurden laut Polizei seither jedoch keine mehr. Zur Suche des Hundehassers wurden Spürhunde eingesetzt. Potenzielle Opfer gäbe es im Ort genug. Nach Angaben der Verwaltung leben 148 Hunde in der Gemeinde. Sabine Polomski kennt viele der Vierbeiner. Seit 25 Jahren betreibt sie eine Tierarztpraxis in Otterfing. Im Interview berichtet Polomski von ihren Erfahrungen nach dem Fund der Wurst-Köder und beschreibt die Wirkung des Rattengifts.

-Frau Polomski, wie nehmen Sie die Stimmung bei den Hundehaltern unter Ihren Kunden wahr?

Die Halter sind noch alle verunsichert und sehr vorsichtig. Ich habe mit einigen gesprochen, die kontrollieren das Laub, die kontrollieren den Garten. Sie sehen es natürlich auch als persönlichen Angriff. Und es gibt viele, die ihrem Hund zum Gassigehen einen Maulkorb anlegen, weil sie Angst haben, der Hund könnte in einem unachtsamen Moment etwas erwischen.

-Haben Sie selbst Hunde behandelt, die Köder gefressen haben?

Ich hatte ein paar Hunde da, die kamen mit einer Magenverstimmung. Und die Besitzer wussten nicht, ob sie vielleicht etwas erwischt haben, und haben sie auf Verdacht untersuchen lassen. Ich habe teilweise meinen ganzen Vorrat des Gegenmittels Vitamin K verspritzt, den ich in der Praxis im Kühlschrank hatte. Aber ich hatte Gott sei Dank keinen Fall. Der Verdacht hat sich bei keinem Hund bewahrheitet.

-Warum verabreichen Sie bei einer Vergiftung Vitamin K als Gegenmittel?

Im Rattengift, das ja vermutlich verwendet wurde, ist ein Stoff enthalten, der verhindert, dass die Blutgerinnung einsetzet. Das Gift wirkt als Vitamin-K-Antagonist. Sprich: Es blockiert die Synthese von Vitamin K, das für die Blutgerinnung nötig ist. Es entsteht ein Mangel an dem Vitamin. Deswegen muss ich es wirklich hoch dosiert spritzen, alles, was ich da habe, so ungefähr.

-Und ohne Behandlung? Wie wirkt das Rattengift?

Der Hund verblutet innerlich. Aber mit Verzögerung. Bei Ratten ist diese Wirkung ja erwünscht. Wenn sie gleich tot umfallen, gehen die nächsten nicht mehr an die Köder. Darum nimmt man ein Gift, das verzögert wirkt. Und darum bemerkt man es bei Hunden auch nicht gleich. Die fangen nicht direkt an zu speicheln und zu spucken. Das wirkt ganz hinterlistig erst nach einigen Stunden.

-Wie reagiere ich als Halter, wenn ich vermute, mein Vierbeiner könnte etwas Gefährliches gefressen haben?

Wenn er was erwischt hat, muss man den Hund sofort zum Tierarzt und zum Erbrechen bringen. Da helfen auch nicht irgendwelche Wässerchen oder etwas Milch. Der Tierarzt muss ihm Apomorphin spritzen. Das wirkt innerhalb von zehn Minuten und dann erbricht und erbricht und erbricht sich der Hund. Bei einem älteren kann das unter Umständen auf den Kreislauf gehen, da muss man dann abwägen. Aber wenn er definitiv was erwischt hat, muss man ihm was spritzen. Das ist die einzige Chance. Man muss es dem Hund aber gleich spritzen. Einen Tag später ist das Gift schon verdaut.

-Welche Ratschläge können Sie Haltern geben?

Derzeit sind eh alle alarmiert. Man muss einfach aufpassen. Wenn man den Hund an der Leine hat und sieht, dass er an etwas schnuffelt, darf man ihn es auf keinen Fall fressen lassen. Falls er unbemerkt etwas frisst, muss er gleich zum Arzt oder in die Tierklinik. Und Hunden, die an der längeren Leine gehen, denen muss man halt einen Beißkorb aufsetzen, bis derjenige gefasst ist, der es gemacht hat.

-Sie wohnen in der Berghamer Straße. Dort wurden die ersten Köder entdeckt. Ein mulmiges Gefühl?

Ich habe ja selbst einen kleinen Hund. Den lasse ich vorne zur Straße nicht mehr in den Garten, nur noch hinten raus. Und gerade beim Gassigehen ist es ein enorm ungutes Gefühl, mit dem man unterwegs ist.

-Sie betreiben Ihre Praxis seit 25 Jahren. Gab es solche Vorfälle schon einmal?

Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren Hunde mit Rattengift-Vergiftung eingeschläfert habe. Da haben die Hunde das Gift aber in einer Garage oder einem Schuppen gefressen oder in der Nähe von Gaststätten, die Ratten damit bekämpfen. Aber so etwas wie heute, dass jemand Giftköder auslegt, das habe ich noch nie erlebt.

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