Abgesperrt: Ein Bauzaun schirmt aktuell den pandemiebedingt geschlossenen Skaterplatz ab. Vom Vorschlag der Polizei, das Gelände zum Schutz vor Vandalismus fest einzuzäunen, hielten die Gemeinderäte wenig.
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Abgesperrt: Ein Bauzaun schirmt aktuell den pandemiebedingt geschlossenen Skaterplatz ab. Vom Vorschlag der Polizei, das Gelände zum Schutz vor Vandalismus fest einzuzäunen, hielten die Gemeinderäte wenig.

Trotz Corona-Sperrung häufen sich die Vorfälle

Vandalismus am Skaterplatz: Ratschlag der Polizei gefällt dem Gemeinderat nicht

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Jugendliche Vandalen nutzen den Otterfinger Skaterplatz gerne zum Partymachen. Zuletzt häuften sich die Verwüstungen. Was tun? Die Polizei rät dazu, das Gelände einzuzäunen. Die Gemeinderäte sind davon jedoch nicht begeistert.

Otterfing – Sie ignorieren das coronabedingte Nutzungsverbot, hinterlassen Müll und verwüsten die Anlagen: Gruppen von Jugendlichen toben sich regelmäßig auf dem Skaterplatz an der Ecke Lehrer-Holl-Straße/Ludwig-Ganghofer-Straße aus. Der Vandalismus nahm in den vergangenen Wochen derart zu, dass die Gemeinde nicht mehr tatenlos zusehen will. Die Methodik allerdings war im Gemeinderat umstritten:Braucht es wirklich, wie von der Verwaltung in der Sitzung am Dienstag vorgeschlagen, eine 20 000 Euro teure Einzäunung, um den Vandalen Herr zu werden? Vorerst soll ein Bauzaun das Gelände abschirmen.

Immer wieder mal hatten Bauhofleiter Franz Huber und sein Team am Skaterplatz Verwüstungen und Müll entdeckt. „Seit einigen Wochen jedoch stellen wir vermehrt Zerstörungen fest“, berichtet Rathaus-Geschäftsleiter Markus Stark. Mehrfach seien Gruppen von Jugendlichen, etwa 16 bis 20 Jahre alt, vom Bahnhof zum Skaterplatz gezogen, zerrissen die als Corona-Absperrung gespannten Flatterleinen und feierten, meist zwischen 17 und 21 Uhr.

Vorerst soll ein Bauzaun den Skaterplatz abschirmen

Fast täglich musste der Bauhof Scherben, Müll und Zigarettenkippen beseitigen. Laut Stark wurden Mülleimer aus Halterungen gerissen und Fenster beschädigt. Huber habe eine Gruppe mal angetroffen und aufgefordert, das Gelände zu verlassen. „Die Angesprochenen zeigten sich dabei nicht sehr respektvoll“, sagt Stark. Vor gut zwei Wochen erschwerte der Bauhof den Zugang durch einen Bauzaun.

„Es ist eine spezifische Gruppe“, berichtete Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD), „der Großteil wohnt nicht in Otterfing.“ Die Gemeinde habe die Polizei und Christian Probst von der Mobilen Jugendarbeit Holzkirchen zu Rate gezogen. „Es kam die klare Empfehlung, das Gelände einzufrieden, um damit unser Hausrecht zum Tragen bringen zu können“, sagte Falkenhahn. Dann habe die Polizei eine klare Handhabe, Platzverweise zu erteilen; bisher gelte das Areal als allgemein öffentlicher Raum. „Wir orientieren uns damit an Holzkirchen.“ Probst habe ein Stundenkontingent angeboten, eventuell auch für gezielte Aktionen (Graffiti-Künstler). Vom Aufbau einer teuren Videoüberwachung rieten die Experten noch ab. „Anzahl und Schwere der Delikte rechtfertigen das nicht“, erklärte der Rathauschef.

Als Einfriedung sei ein Zaun, egal in welcher Höhe, das Mittel der Wahl. „Eine Hecke würde dem Gelände die Einsichtigkeit nehmen“, ließ sich Falkenhahn erklären. Etwa 20 000 Euro würde eine Einzäunung kosten. „Ich kann nicht glauben, dass es einen Zaun braucht, um dort unser Hausrecht auszuüben“, sagte Gerhard Heimerer (CSU). Das Areal sei derzeit doch sogar coronabedingt gesperrt. Sein Fraktionssprecher Robert Schüßlbauer erinnerte daran, dass es einen Gemeinderatsbeschluss gebe, auf dem Skaterplatz eine Turnhalle zu bauen: „Wir drehen jeden Euro um, und jetzt soll da noch ein teurer Zaun hin?“

Der Gemeinde fehlt derzeit ein(e) Jugendbeauftragte(r)

Roberto Sottanelli (SPD) warnte davor, das Gelände komplett zu schließen: „Damit bestraft man Jugendliche, die das gerne nutzen und nichts dafür können.“ Jugendliche auszusperren, sei die schlechteste Lösung, fand auch Josef Killer (FWG). Er schlug vor, Kontrollstunden bei der Mobilen Jugendarbeit in Holzkirchen zu buchen, das alte Sonnensegel wieder aufzuspannen, Sitzbänke aufzustellen und einen Grillplatz zu schaffen. „Und wir sollten einen Jugendbeauftragten einsetzen.“ Diese Stelle sei in der Gemeinde schon länger vakant, klagte Hildegard Huil (Grüne). Auch sie machte sich dafür stark, den Treffpunkt Skaterplatz offen zu halten: „Ich bin heilfroh, wenn mein 16-jähriger Sohn mal rausgeht und eine Anlaufstelle hat.“

Einstimmig beschloss der Gemeinderat, es während des Lockdowns beim Bauzaun zu belassen. Wenn die Anlage wieder öffnet, sollen Schilder auf Nutzungsbedingungen hinweisen, speziell auf das Alkoholverbot und die Öffnungszeiten (9 bis 21.30 Uhr). Ob ein fester Zaun als Abgrenzung des Geltungsbereichs zwingend nötig ist, soll dann geprüft werden.

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