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Format, Anschlagtermin und die Reihenfolge, in der Parteien an den Holztafeln plakatieren dürfen, regelt in Holzkirchen eine detaillierte Verordnung.

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Vogelwild versus akkurat: Darum gibt es in Holzkirchen Wahlplakat-Wände und in Otterfing nicht

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Wahlkampf-Zeit ist Wahlplakat-Zeit: Überall zieren die Konterfeis der Kandidaten die Straßen. Mal an Laternen, mal an Plakatwänden. In Holzkirchen und Otterfing prallen zwei Plakatier-Welten aufeinander.

Otterfing/Holzkirchen – Ein freundliches Lächeln oder ein bestimmter Blick, versehen mit einem – mehr oder minder – einprägsamen Polit-Slogan: Wahlplakate. Vor der Landtagswahl prägen sie Landkreis-auf und -ab das Ortsbild. Die Kandidaten werben mit ihrem an Laternen, Bäumen oder Wänden montierten Konterfei um Stimmen. An der Frage, wo die Parteien Plakate montieren können und wie, scheiden sich die Geister. Zwei Extrembeispiele liefern Otterfing und Holzkirchen.

Während in der Marktgemeinde Richtlinien das Plakatieren klar regeln, ärgert sich Stefan Burgmayr, FW-Gemeinderat aus Otterfing, über Wahlplakate im Ort, die überall „schiach rumhängen“, wie er in der jüngsten Sitzung monierte. Ansehnlich sei das nicht. „Wir sollten diese Plakat-Flut eindämmen“, forderte er. Sein Vorschlag: Man könne sich die Nachbargemeinde als Vorbild nehmen, wo die Poster qua Verordnung ausschließlich an vorgesehenen Plakatwänden angeschlagen werden dürfen.

32 dieser großflächigen Holztafeln stehen laut Verwaltung in der Marktgemeinde, teils stellt sie der Bauhof extra auf. Wer wo und wann seine Wahlplakate anbringen darf, regelt seit 2009 die „Verordnung über Anschläge in der Öffentlichkeit“. Heuer im August, erläutert Rathaussprecherin Ewgenia Sabransky auf Anfrage, haben die örtlichen Parteien bei einem Treffen die Richtlinien für die Landtags- und Bezirkstagswahl nochmals erweitert.

Darin geregelt sind unter anderem Format (DIN A1), Befestigungsmethode (Kleister, kein Tacker), frühester Anschlagtermin (2. September) und die Reihenfolge. In der oberen Reihe dürfen demnach von links nach rechts die im Landtag vertretenen Parteien geordnet nach ihrer dortigen Stärke plakatieren. Sprich: CSU, SPD, FW und Grüne. Alle anderen Parteien folgen in beliebiger Reihenfolge. Die neuen Richtlinien werden laut Sabransky in die 2009er-Verordnung integriert und sind somit auch künftig vor Wahlen gültig.

„Wir wollen dem Wildwuchs einen Riegel vorschieben“, sagt Sabransky. Ein Ansatz, mit dem sich der Otterfinger Gemeinderat Burgmayr auch anfreunden könnte. Er sagt: „Dann würde der Ort ein saubereres Bild abgeben.“

Eine Plakatierordnung gibt es in der nördlichsten Landkreisgemeinde derzeit nämlich nicht, wie Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) erläutert. Auf eine entsprechende Satzung will er eigentlich auch verzichten, um den Vereinen Bürokratie zu ersparen, wenn sie Veranstaltungen werben. Im Wahlkampf regeln es die ortsangestammten Parteien auf dem kurzen Dienstweg untereinander.

Baum oder Straßenschild dienen den Parteien in Otterfing als Standort für ihre Plakate.

„Die Leute vor Ort passen auch eher auf“, sagt Eglseder. Die Parteien von „außerhalb“ fluteten den Ort. Zwei fallen dabei demnach besonders negativ auf: „Die AfD hat vogelwild plakatiert“, sagt der Rathauschef, und die ÖDP habe ihre Wahl-Werbung an Verkehrszeichen angebracht. Was aus Gründen der Sicherheit natürlich nicht gehe: „Da müssen wir welche abnehmen“, sagt Eglseder.

Gegen die Plakatwand-Idee hat der Bürgermeister grundsätzlich nichts. „Es hat sein für und wider“, sagt er. Bloß: Die Diskussion ist altbekannt. In absehbarer Regelmäßigkeit ploppt das Thema vor Landtags- oder Bundestagswahlen im Gemeinderat auf. Der jüngste FW-Vorstoß sei kein Zufalle, sagt Eglseder und kann sich einen parteipolitischen Seitenhieb nicht verkneifen: „Die Freien Wähler haben einfach keine Leute, um an mehreren Stellen zu kleben.“

Versperren will er sich den Wänden aber nicht. Seine Forderung: Die Fraktionen sollen zunächst einmal Standorte liefern, wo die Tafeln aufgestellt werden könnten. Bis auf weiteres lächeln Aigner, Schmidt-Völlmecke & Co. den Wählern also noch vom Laternenmast entgegen.

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