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Opfer des strengen Winters: Einigen entkräfteten Mäusebussarden und Turmfalken (vorne) konnte Alfred Aigner in seiner Otterfinger Auffangstation nicht mehr helfen. Doch für den Waldkauz und den Mäusebussard, die er in der Hand hält, gibt es noch Hoffnung.

Sie finden keine Mäuse mehr, viele verhungern

Wenn der Winter zur Todesfalle für Greifvögel wird: Letzte Chance Auffangstation

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Fast einen Meter hoch liegt der Schnee – ein Horror-Winter für heimische Greifvögel. Über 20 entkräftete Tiere wurden zuletzt in die Auffangstation von Alfred Aigner in Otterfing gebracht. 

Otterfing Seit gut fünf Wochen hat der Winter das Oberland fest im Griff. Während sich Singvögel an reich bestückten Futterhäuschen laben, haben es ihre großen Brüder und Schwestern ungleich schwerer.

Vielerorts liegt eine meterdicke Schneedecke auf den Wiesen, Feldern und im Wald. Die Schneedecke ist bretthart gefroren. Irgendwo da drunter graben die Mäuse ihre Gänge, unerreichbar für Greifvögel und Eulen. Mäusebussarde, Turmfalken, Waldkäuze, Waldohreulen, Schleiereulen und Raufußkäuze leiden bitteren Hunger.

„Ein so strenger und schneereicher Winter bedeutet für sie eine lange Zeit der Entbehrung“, sagt Alfred Aigner, der die Auffang- und Pflegestation für Greifvögel und Eulen in Otterfing betreibt. Seit es Anfang Januar zu schneien begann, wurden ihm 21 entkräftete Greifvögel und Eulen gebracht. „Die Finder konnten die Vögel mit bloßen Händen vom Boden aufnehmen“, berichtet Aigner. Die sonst so scheuen und wehrhaften Tiere hatte jede Kraft verlassen. „Einige waren so geschwächt, dass sie auf dem Weg in die Station gestorben sind.“

Doch einige Leben wird Aigner retten können. Derzeit werden 15 Patienten aufgepäppelt. „Fast täglich werden es mehr“, sagt der Stationsleiter. Wird ein Notfall eingeliefert, tastet der Experte als erstes das Brustbein ab. „Bei einem gut genährten Vogel ist das Brustbein kaum zu spüren“, erklärt Aigner, „bei einem abgehungerten Tier fühlt es sich so spitz an wie ein Kamm.“

Sammelt Kräfte: Auch ein seltener Schwarzstorch wird derzeit in Otterfing aufgepäppelt.

Weil ein Greifvogel seinen Flüssigkeitsbedarf in der Regel über seine Beute deckt, sind die Vögel nicht nur stark abgemagert, sondern auch völlig dehydriert und nah am Verdursten. In den ersten Tagen bekommen sie im „Otterfinger Krankenhaus“ deswegen nur Flüssignahrung in Form eines Blutserums. Schlägt das an, werden sie mit Fleisch von Eintagsküken gefüttert, das in einen probiotischen Joghurt getaucht wird, um die Magen-Darm Flora wieder aufzubauen. Nach ungefähr einer Woche beginnen die Patienten wieder selbstständig zu „kröpfen“, also Nahrung aufzunehmen. Bis sie wieder ganz fit sind, vergeht meist noch ein Monat.

Wie Aigner feststellte, handelt es sich bei seinen aktuellen Patienten fast ausschließlich um Jungvögel, die noch kein eigenes Revier haben. „Für sie ist es der erste Winter“, sagt Aigner, „ihnen fehlt die Erfahrung, wie man in so schwierigen Zeiten Nahrung findet.“ Besonders anfällig sind die Terzel, die männlichen Vögel: Weil sie um ein Drittel kleiner sind als weibliche Artgenossen, hungern sie schneller ab.

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Nicht nur mit Greifvögeln ist die Otterfinger Station belegt, sondern auch mit manchem Exoten. Unter anderem sammelt hier ein seltener Schwarzstorch neue Kräfte.

Sobald sich der Winter zurückzieht, werden die Patienten ausgewildert. „Es wird wohl Mitte März werden“, glaubt Aigner.

Spendenkonto

Die Greifvogelstation freut sich über Spenden auf das Konto IBAN: DE23 7115 2570 0000 3700 15. Kennwort: Greifvogelstation.

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