Gute Aussichten: Seit 2015 laufen die vier Anlagen der Bürgerwind Berg GmbH am Ostufer des Starnberger Sees und erwirtschaften Rendite. Der Windertrag dort floss in die Wirtschaftlichkeits-Berechnung für die vier Anlagen ein, die im Hofoldinger Forst geplant sind.
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Gute Aussichten: Seit 2015 laufen die vier Anlagen der Bürgerwind Berg GmbH am Ostufer des Starnberger Sees und erwirtschaften Rendite. Der Windertrag dort floss in die Wirtschaftlichkeits-Berechnung für die vier Anlagen ein, die im Hofoldinger Forst geplant sind.

Erneuerbare Energie im Hofoldinger Forst

Windräder versprechen Rendite: Otterfing treibt Planung voran

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Der Wind weht stark genug, der Betrieb verspricht Rendite und der Artenschutz stellt keine unerfüllbaren Forderungen: Unter dem Eindruck vielversprechender Gutachten beschloss der Otterfinger Gemeinderat am 23. Februar, für das Windkraft-Projekt im Hofoldinger Forst die nächste Stufe zu zünden.

Otterfing – Die Arge Hofoldinger Forst hat Großes vor: Unweit der Autobahn wollen die Gemeinden Otterfing, Sauerlach, Aying und Brunnthal je ein Windrad bauen; die vier „Bürgerwind“-Anlagen würden ein gemeinde- und landkreisübergreifendes Cluster bilden und gemeinsam betrieben werden. Bereits zum Jahreswechsel hatte sich abgezeichnet, dass die Artenschutz-Untersuchungen und Wirtschaftlichkeits-Berechnungen für eine Fortführung sprechen.

Vor zwei Wochen stellte Robert Sing vom gleichnamigen Ingenieurbüro, das von der Arge mit den Vorplanungen beauftragt worden war, dem Otterfinger Gemeinderat den Projektstand in nicht öffentlicher Präsentation vor.

In öffentlicher Sitzung zog das Gremium daraus den Schluss, in die zweite Prüfungsphase einzusteigen. Nur Josef Killer (FWG) stimmte dagegen; er vermisste detailliertere Angaben, unter anderem Rohdaten der Windmessungen. „Ich hatte vor zwei Wochen um die Daten gebeten“, sagte Killer, „ohne die kann ich so einen Beschluss nicht fassen.“

Die Gesamtkosten werden auf 23 bis 25 Millionen Euro geschätzt

Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) stellte klar, „dass das noch kein Beschluss ist, die Windräder zu bauen“. Es gehe jetzt darum, die Gutachten von Aufsichtsbehörden überprüfen zu lassen: „Wir befinden uns noch in der Vorlaufphase der Genehmigung.“ Den warnenden Hinweis Killers, dass es sich beim Hofoldinger Forst um ein Schwachwind-Gebiet handle, ließ Falkenhahn nicht gelten: „Die Technik hat sich verbessert, die Anlagen erreichen heute Höhen, wo die Windernte lohnt.“

Aktuelle Windmessungen ergaben eine mittlere Windgeschwindigkeit von 5,7 Metern pro Sekunde auf Nabenhöhe (166 Meter). Jedes Windrad könnte damit jährlich zwischen 10 300 und 11 300 Megawattstunden Strom produzieren, wobei der meiste Ertrag von November bis Mitte März winkt. Basierend auf einer derzeit abzusehenden EEG-Einspeisevergütung von 8,10 Cent/kWh, dem Anlagentyp Nordex N163, einer „konservativen Berechnung“ mit viel Puffer und den Erfahrungen ähnlicher Projekte etwa am Starnberger See kommt Sing zu dem Ergebnis, das die vier Windräder im Hofoldinger Forst „ausreichend Eigenkapitalrenditen“ erwirtschaften würden. Die Gesamtinvestition schätzen die Planer auf rund 23 bis 25 Millionen Euro.

Private Investoren lauern auf ihre Chance

„Wir brauchen bei erneuerbarer Energie Alternativen zu Solar“, sagte Stefan Burgmayr (FWO), „und wenn Windräder, dann sollen die Otterfinger etwas dran verdienen.“ Der Bürgermeister wies darauf hin, dass die Konkurrenz nicht schlafe. „Wenn wir das aus der Hand geben, stehen private Investoren schon Schlange, die dann das Maximale an Windrädern in den Hofoldinger Forst setzen.“ Umso wichtiger sei der Standortversicherungsvertrag der Arge mit den Staatsforsten gewesen. Windkraftgegner würde gerne behaupten, dass kein Windrad gebaut werde, wenn die Gemeinde dagegen sei. „Das ist definitiv falsch“, stellte Falkenhahn klar.

„Ich weiß nicht, ob mir diese Windräder gefallen“, sagte Ulrike Stockmeier (FWO), „aber wir müssen diesen Weg weitergehen.“ Sonst wären vier Jahre Vorplanung umsonst gewesen, ergänzte Gerhard Heimerer (CSU). Andreas Eichhorn (SPD) betonte, dass es seit den ersten Windkraft-Plänen der Gemeinde vor 18 Jahren technische Fortschritte gab; er vertraue den aktuellen Berechnungen. „Wir können nicht klüger sein als die Experten“, sagte er in Richtung Killer, der die Windmessdaten selbst analysieren wollte. „Ich fühle mich ausreichend informiert“, sagte Thomas Hogger (Grüne), „es wäre fahrlässig, jetzt dagegen zu stimmen.“

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