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Markante Landmarken sind die vier Rotoren des Windparks Berg am Starnberger See. Dank der alten EEG-Vergütung laufen sie profitabel. Neue Windparks müssen mit deutlich weniger Förderung auskommen.

Windkraftpläne auf Eis gelegt

Die Luft ist raus

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Der Windkraft in der Region geht die Luft aus. Jetzt hat auch die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Windenergie Hofoldinger Forst, zu der unter anderem die Gemeinde Otterfing und der Landkreis Miesbach zählen, alle Pläne auf Eis gelegt. 

Otterfing – Die Euphorie ist endgültig verflogen. Als sich die Mitgliedskommunen der ARGE – neben Otterfing und dem Landkreis Miesbach sind das der Landkreis München und die Gemeinden Sauerlach, Brunnthal und Aying – Ende 2017 trafen, mussten sie ernüchternde Zahlen zur Kenntnis nehmen. Es gibt keine staatliche Förderung mehr – und ohne die lohnt es sich nicht, die schwachen Lüftchen einzufangen, die über dem Hofoldinger Forst wehen.

Die ARGE zog die Konsequenz. Angesichts der fehlenden Wirtschaftlichkeitsperspektive verzichtet man auf eine teure Machbarkeitsstudie. „Die Beauftragung eines Wind- und Ertragsgutachtens wird solange zurückgestellt, bis die Winderzeugung im Hofoldinger Forst wirtschaftlich darstellbar erscheint“, erklärt dazu Christina Walzner, Sprecherin des Landratsamts München, das in der ARGE federführend ist. 

150 000 bis 200 000 Euro würde so ein Gutachten kosten. Der Landkreis Miesbach war bereit, bis zu 27 000 Euro zu übernehmen. Ein Investment, das derzeit in den Wind geschossen wäre.

Denn der Bund hat 2017 die Förderung von Ökostrom durch staatlich festgelegte Einspeisetarife beendet. Jetzt gilt: Eine bestimmte Menge Windstrom wird ausgeschrieben; der Anbieter, der die geringste Förderung braucht, kommt zum Zug.

Die erste Ausschreibung im Vorjahr endete überraschend: Für Windparks mit einer Gesamtleistung von 800 Megawatt wollen Investoren nur noch eine Einspeisevergütung zwischen 5,25 bis 5,78 Cent pro Kilowattstunde. Zuvor galt, dass über acht Cent nötig sind, um einen Windpark profitabel bauen zu können.

Der Preisrutsch macht es fast unmöglich, in Schwachwind-Regionen wie im Oberland Windräder zu bauen. „Bei uns kann man Windräder derzeit nicht mit einer Schwarzen Null betreiben“, sagt Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder. Die Ausschreibungen nehmen keine Rücksicht auf regionale Windhöffigkeiten, wie Walzner beklagt. Schwachwind-Regionen bekommen keinen Bonus. 

Dabei bräuchten sie sogar mehr Unterstützung, weil die Windräder größer sein müssten, vermutlich etwa 200 Meter hoch. Hersteller bieten bereits Anlagen mit einem Durchmesser von 150 Metern an; ein Rotorblatt entspräche der Spannweite des Riesen-Airbus A 380. Gewaltige Anlagen, die gewaltig kosten. Und dabei ist unklar, ob die Technik wirklich halten kann, was sie verspricht.

Angesichts dieser Gemengelage bremst die ARGE ihre Aktivitäten. „Ein Gutachten wird zum jetzigen Zeitpunkt als nicht sinnvoll eingeschätzt“, sagt Walzner. Zudem riskiere man, dass sich demnächst neue technische und rechtliche Anforderungen ergeben, die in einem Genehmigungsverfahren dann ein neuerliches Gutachten nötig machen.

Abwarten ist angesagt. Immerhin hat die ARGE beschlossen, alle Vorprüfungen zu erledigen, um schnell reagieren zu können, falls sich der Wind doch noch in die richtige Richtung dreht.

Dass Windräder in der Region durchaus erfolgreich sein können, beweist der Windpark am Starnberger See, an dem unter anderem die Gemeinden Berg, Gaißach und die Stadtwerke Bad Tölz beteiligt sind. Die Bilanz 2017 der vier Windräder könne sich sehen lassen, ließ Bergs Bürgermeister wissen. Allerdings: Dieses Projekt genießt noch die großzügige EEG-Förderung.

Sieht so aus, als könne die Windkraft keinen Beitrag leisten, damit Otterfing und der Landkreis ihre ehrgeizigen Energieziele erreichen. Beide wollen bekanntlich bis 2035 ihren Bedarf ausschließlich aus regenerativen Energiequellen decken. Was den Landkreis betrifft, sind – die Holzkirchner Tiefengeothermie bereits eingerechnet – erst knapp 20 Prozent erreicht.

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