Bürgerwindpark in Berg.
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Vorzeigeobjekt am Starnberger See: In den Wadlhauser Gräben (Gemeinde Berg) gingen 2015 vier Rotoren einer Bürgerwind-Anlage in Betrieb. 169 Bürger und Gemeinden zeichneten Anteile. Nach diesem Vorbild könnten auch die vier Windkraft-Anlagen im Hofoldinger Forst gebaut und betrieben werden.

Vier Anlagen sind geplant

Große Windräder im Hofoldinger Forst: So gut standen die Chancen noch nie

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Der Wind hat sich gedreht. Lange dümpelte das Windkraft-Projekt der Arge Hofoldinger Forst, an der Otterfing und der Landkreis beteiligt sind, in einer Flaute. Jetzt kommt eine verheißungsvolle Brise auf. Bei einer Online-Präsentation wurde deutlich, dass sich Wind im Hofoldinger Forst mit Gewinn ernten lässt. Allerdings: Die Rotoren würden eine gewaltige Höhe erreichen.

Otterfing – Das Interesse war groß. Bis zu 100 Teilnehmer loggten sich am Montagabend in den Online-Bürgerdialog ein, den die Gemeinde Otterfing zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Windenergie Hofoldinger Forst und der Energieagentur Ebersberg-München anbot. Es ging darum, den aktuellen Stand der Planungen zu erläutern – und demzufolge steht das Großprojekt kurz vor dem Durchbruch.

Von einem „Senderaum“ in Unterhaching aus übten sich Otterfings Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD), Landrat Olaf von Löwis (CSU) sowie Windkraft-Experten aus der Region in vorsichtiger Begeisterung. „Für mich stellt sich nicht mehr die Frage, ob diese Windräder gebaut werden“, sagte Falkenhahn, „sondern nur, wer sie baut.“

Ein Windrad könnte theoretisch 2000 Haushalte mit Strom versorgen

Otterfing verpflichtete sich schon Ende der 90er Jahre, bis 2035 energieautark zu werden, also die benötigte Energie klimaneutral auf eigenem Gebiet zu produzieren. Der Landkreis Miesbach, ebenfalls Mitglied der Arge, sei mittlerweile gefolgt, sagte Falkenhahn. „Wir Otterfinger würden mit der Windkraft gerne wieder Vorreiter sein.“ Da das eine auf Otterfinger Gebiet geplante Windrad theoretisch über 2000 Haushalte mit Strom versorgen könnte, hätte die Gemeinde mit ihren derzeit 1700 Haushalten die „Energieunabhängigkeit“ mit dem Windrad erreicht.

Der Optimismus gründet sich auf die ersten Ergebnisse der Windmessung, die im Dezember 2019 neben der Autobahn auf Brunnthaler Gebiet startete. Ein Jahr lang dauern die Messungen. „Das Zwischenfazit ist positiv“, signalisierte Kristina Willkomm vom Ingenieurbüro Sing (Landsberg am Lech), das mehrere Windkraft-Projekte in der Region betreut und auch für die Arge Hofoldinger Forst tätig ist. „Die Windverhältnisse sind ähnlich wie am Starnberger See.“ Am dortigen Ostufer stehen seit 2015 vier Anlagen der Bürgerwind Berg GmbH, die vom Büro Sing betreut werden „und alle Erwartungen übertreffen“, wie Willkomm versicherte.

Auch im Höhenkirchner Forts sind Windräder in Planung

Die Anlagen dort sind 207 Meter hoch, im Hofoldinger Forst wären sie noch einmal 30 Meter höher. „Energiegewinnung hat unsere Landschaft schon immer verändert“, sagte Hans Gröbmayr von der Energieagentur Ebersberg-München, „wir werden uns an die Windräder gewöhnen wie an Stromleitungen und Strommasten.“ Neben der Vierergruppe im Hofoldinger Forst – je ein Windrad soll auf Otterfinger, Sauerlacher, Brunnthaler und Ayinger Flur stehen – laufen unabhängig davon Planungen für drei weitere Windräder im benachbarten Höhenkirchner Forst nordwestlich von Egmating.

Der für Otterfing angedachte Standort liegt neben der Autobahn, „möglichst weit weg von Wohnbebauung“, so Willkomm. Probleme mit Lärm, etwa dem gefürchteten Infraschall, oder Schattenwurf seien deswegen nicht zu erwarten. Eine wichtige Hürde stellt noch die artenschutzrechtliche Prüfung dar. Ein Jahr wurde die Tierwelt im angedachten Windpark-Gebiet von einem unabhängigen Gutachter untersucht, teils aufwendig mit Hebebühnen. „Die Vorgaben sind streng“, sagte Willkomm, „wenn geschützte Tiere bedroht sind, wird Windkraft dort nie genehmigt.“ Demnächst sei mit dem Gutachten zu rechnen.

Bürgern winkt eine attraktive Rendite

Etwa 80 Prozent der knapp 100 Bürger (drei Viertel waren Otterfinger), die online die Präsentation verfolgten, outeten sich bei einer Umfrage als Befürworter des Windpark-Projekts oder stehen ihm offen gegenüber. Viele Fragen, die sie via Chat den Referenten stellten, deuten darauf hin, dass durchaus Bereitschaft besteht, in eine Bürgerwind-Anlage eigenes Geld zu stecken – zumal augenscheinlich eine attraktive Rendite winkt.

„Wichtig ist, dass wir als Gemeinde das Heft in der Hand behalten und die Wertschöpfung bei unseren Bürgern und in der Region bleibt“, sagte Falkenhahn. „Ich habe heute viel über Windkraft gelernt“, sagt Landrat Olaf von Löwis, „und ich bin ein Fan geworden“.

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