Schwierige Nachbarschaft? Das künftige Wohnquartier (36 Einheiten) auf dem früheren Preimesser-Gelände (vorne) grenzt an eine Schreinerei an. Etwas dahinter befindet sich eine Schlosserei.
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Schwierige Nachbarschaft? Das künftige Wohnquartier (36 Einheiten) auf dem früheren Preimesser-Gelände (vorne) grenzt an eine Schreinerei an. Etwas dahinter befindet sich eine Schlosserei.

Pläne für Gebiet am Pitzarweg

Wohnen am alten Preimesser-Areal in Otterfing? Handwerker fürchten Beeinträchtigungen

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
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Wohnen neben Gewerbe – das birgt Konfliktpotenzial. Zwei Betriebe vom Otterfinger Pitzarweg fürchten Einschränkungen, wenn nebenan auf dem alten Preimesser-Schrottplatz ein Wohnquartier entsteht. Die Gemeinde hält die Sorgen für unbegründet.

Otterfing – Der Bauträger steht in den Startlöchern. Das Unternehmen Baustolz hat auf dem ehemaligen Preimesser-Gelände schon eine Lärmschutzwand neben der Bahnlinie errichtet, Zuwegungen vorbereitet und Kanäle verlegt. Grundlage dafür ist ein alter Bebauungsplan. Entstehen sollen auf dem Areal ab 2022 aber deutlich mehr Wohneinheiten als ursprünglich geplant – alles in allem 36 Einheiten, darunter zwei Doppelhäuser sowie Reihenhäuser in Drei- und Vierspännern mit 100 bis 140 Quadratmetern Wohnfläche. Der Gemeinderat hat der Verdichtung mehrheitlich zugestimmt, muss dafür aber den Bebauungsplan anpassen.

Das Verfahren nutzen die beiden in südlicher Nachbarschaft angesiedelten Handwerksbetriebe, um vor möglichen Konflikten zu warnen. Von der Gemeinde wünschen sie sich besseren Schutz, konkret eine Erhöhung ihrer „flächenbezogenen Schallleistungspegel“, was ihnen mehr Freiheiten bei der Lärmemission einräumen würde. Der Bauausschuss behandelte die Einwände jetzt im Zuge der Würdigung der Stellungnahmen, die Träger öffentlicher Belange und Privatleute zur Neufassung des Bebauungsplans vorgebracht hatten. Der Billigungsbeschluss ist zwar dem Gemeinderat vorbehalten, der das am Dienstag, 14. September 2021, auf der Tagesordnung hat. Im Bauausschuss deutete sich aber an, dass die Gemeinde keine Sonderrechte gewähren wird.

Bürgermeister: „Gewerbegebiet ist und bleibt Gewerbegebiet“

„Das Gewerbegebiet dort am Pitzarweg ist und bleibt ein Gewerbegebiet“, stellte Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) im Ausschuss klar, „die Gemeinde hat kein Interesse, daran etwas zu ändern.“ Wie Bauamtsleiter Hubert Zellner erklärte, habe man noch einmal einen Schallschutz-Gutachter konsultiert. Demnach seien nachteilige Auswirkungen durch eine jetzt verdichtete Wohnnutzung auf die beiden Betriebe nicht zu erwarten.

Wie es in der Stellungnahme der Gemeinde heißt, liegen bestehende Wohnungen am Pitzarweg schon jetzt näher an den beiden Betrieben als das künftige Wohngebiet. „Einige Wohnhäuser des neuen Baugebiets wurden bewusst zurückgenommen, um den Abstand zu erhöhen“, erklärte Falkenhahn. Zellner ergänzte: „Wenn sich die Betriebe an Festsetzungen halten, die für sie schon jetzt gelten, kommt im Bebauungsplangebiet nicht zu viel Lärm an.“ Zudem seien die unmittelbar benachbarte Schreinerei und die weiter südlich gelegene Kunstschlosserei jeweils nach Süden ausgerichtet, also nicht in Richtung der neuen Bebauung.

Anwälte werfen Gemeinde vor, „Konfliktsituation“ zu riskieren

Die Anwälte der beiden Firmen werfen der Gemeinde trotzdem vor, durch die heranrückende Nachverdichtung eine „planerische Konfliktsituation“ zu riskieren. Der Schlosserei-Besitzer schaltete die Handwerkskammer ein, die Fachleute zu einem Ortstermin schickte. Er beruft sich auf eine zwischenzeitliche Zusicherung der Gemeinde für einen Lärmbonus, den der Gemeinderat aber wieder zurückzog, weil er rechtlich nicht haltbar ist.

Die Sorge der beiden Firmen, dass der Pitzarweg, über den das neue Wohnquartier hauptsächlich erschlossen wird, schon jetzt überlastet sei, teilt die Gemeinde nicht. Das Problem könnten allerdings parkende Autos sein, räumte Zellner ein: „Um ein Parkverbot im Pitzarweg wird die Gemeinde wohl nicht herumkommen.“

Andere Träger öffentlicher Belange äußerten sich nicht oder eher zustimmend zum neuen Bebauungsplan; so begrüßte die Regierung von Oberbayern die Innenverdichtung. Der Bayerische Bauernverband regte an, in der Nähe des künftigen Quartiers rechtzeitig Hundetoiletten aufzustellen.

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avh

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