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Warum Dialekte so wichtig sind, erklärt Lehrerin Elisabeth Schick-Billy im Interview. 

Im Fools-Theater

Heute Abend: Lehrerin organisiert Poetry Slam auf Boarisch - ein Interview

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Holzkirchen - Elisabeth Schick-Billy, Lehrerin an der Oberland-Realschule Holzkirchen, organisiert im Fools-Theater einen „Poetry Slam auf Boarisch“. Hier erklärt sie, warum.

Frau Schick-Billy, dem Bund Bairische Sprache sind Fälle aus Niederbayern gemeldet worden, bei denen Lehrer Strafarbeiten verteilten, wenn Kinder im Dialekt redeten. Das hat in den Medien hohe Wellen geschlagen. Ist es bildungstechnisch vernünftig, Schülern den Dialekt auszutreiben?

Schick-Billy: Das ist unvernünftig. Ich unterrichte zwei Sprachen und habe festgestellt, dass Dialektsprecher in Fremdsprachen immer besser abschneiden. Weil sie es gewohnt sind, im Kopf auf eine andere Sprache umzuschalten. Davon abgesehen gibt es zum Beispiel viele Parallelen zwischen Englisch und Bairisch.

Elisabeth Schick-Billy ist Lehrerin für Englisch und Deutsch und organisiert ein Poetry-Slam.

Beispiele, bitte!

Schick-Billy:  Zum Beispiel heißt „Mäuse“ auf Englisch „mice“, und auf Bairisch „Meis“. Das Wort „immer“, übersetzt man ins Englische mit „always“, die Bayern sagen „oiwei“. Das klingt doch sehr ähnlich (sie lacht).

Heißt das also im Umkehrschluss, dass Bairisch sprechen an der Holzkirchner Realschule nicht verboten ist?

Schick-Billy:  Nein, wir haben zum Glück auch viele Dialektsprecher als Lehrer bei uns, die teilweise ihren Unterricht in gefärbtem Deutsch sprechen. Vor ein paar Jahren wurden wir sogar vom Kultusministerium angewiesen, Dialekt zu fördern.

Gibt es deshalb den Poetry Slam auf Boarisch?

Schick-Billy:  Damit bieten wir Schülern eine Plattform, auf der sie sich auf Bairisch präsentieren können. Ein Poetry Slam ist streng genommen zwar ein Dichterwettstreit. Aber bei uns schreiben die Schüler auch kleine Geschichten und Erzählungen auf Bairisch, die sie dann im Dialekt vortragen.

Worin liegt hier der besondere Reiz?

Schick-Billy:  Wenn ein Schüler in der Sprache schreibt und spricht, mit der er aufgewachsen ist, zeigt er eine weitere Seite seiner Persönlichkeit. Da ist mehr Seele drin, das ist tiefer.

Welche Seele wird bei Ihnen geweckt, wenn Sie Dialekt sprechen?

Schick-Billy:  Ich spreche dialektfrei. Ich bin in Mittelfranken aufgewachsen, und weil meine Mutter den dortigen Dialekt nicht mochte, hat sie uns verboten, ihn zu sprechen. Aber ich vermisse es nicht, denn der mittelfränkische Dialekt klingt längst nicht so schön wie der oberbayerische – der ist so schön weich.

Haben Sie ein Lieblingsgedicht oder eine Lieblingsgeschichte auf Bairisch?

Schick-Billy:  Die Geschichte, mit der unsere Schülerin Raphaela Messerer bei unserem ersten Poetry Slam den ersten Platz machte. Sie handelt von einem verlorenen Gehirn, also von Vergesslichkeit, wenn wir quasi unser Gehirn nicht dabei haben. Die Geschichte ist lustig und nachdenklich zugleich. Damals war Raphaela in der fünften Klasse, heute ist sie in der zehnten und wirkt als Moderatorin mit.

Der Poetry Slam

findet am heutigen Donnerstag von 18.30 bis 19.30 Uhr im Holzkirchner Fools-Theater statt. Karten zu drei Euro gibt es an der Abendkasse. Auch externe Besucher sind willkommen.

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