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Die Geothermie-Bohrstelle in der Alten Au in Holzkirchen.

Seismische Messungen begleiten Geothermie-Bohrung Holzkirchen

Die Probe aufs Exempel

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Holzkirchen – Angst vor Erdbeben und umstrittene Störfälle in Kraftwerken: Mancherorts in Deutschland prangern Bürgerinitiativen die Folgen der Tiefen-Geothermie an. In Holzkirchen brauche man sich aber keine Sorgen wegen Erdbeben machen, sagt der zuständige Geologe. Seismische Untersuchungen gibt es dennoch.

Furcht vor Erdbeben, dubiose Gesellschafter-Konstrukte und umstrittene Störfälle in Kraftwerken: Mancherorts in Deutschland prangern Bürgerinitiativen die Folgen der Tiefen-Geothermie an und bezweifeln deren Nutzen – etwa in Landau und Insheim (Rheinland-Pfalz). In Holzkirchen sind noch keine organisierten Kritiker aufgetreten. Viele grundsätzliche Argumente gegen die Technik halten die Verantwortlichen in Holzkirchen für überzogen. 

„Man muss von Region zu Region und von Projekt zu Projekt sehr klar unterscheiden“, sagt Geologe Franz Böhm vom Planungsbüro Erdwerk, das für das Holzkirchner Projekt zuständig ist. Die Erdbebengefahr etwa gilt in Oberbayern als sehr gering. „Das süddeutsche Molassebecken gilt als seismisch inaktiv“, betont der Geologe. Speziell in Holzkirchen will die zuständige Behörde, das Bergamt Südbayern, jetzt die Probe aufs Exempel machen: Per Auflage wurde die Geothermie Holzkirchen GmbH verpflichtet, mit Bohrungsbeginn eine seismische Messstation in der Marktgemeinde zu installieren. „Das Gerät steht bei den Gemeindewerken im Gewerbegebiet“, sagt Albert Götz, Geschäftsführer der Geothermie Holzkirchen. 

Im künftigen Kraftwerk setzt Götz auf die ORC-Technik (Organic Rankine Cycle), wie sie etwa auch im Sauerlacher Kraftwerk eingesetzt wird. Dabei wird ein „Arbeits-Medium“ oder „Transmitter“ eingesetzt, der die Energie des Heißwassers über einen Wärmetauscher aufnimmt, bereits bei niedriger Temperatur verdampft und so die Turbine antreibt. Kommt hier eine gefährliche Chemikalie zum Einsatz? „Welches Arbeits-Medium wir einsetzen, ist noch unklar“, sagt Götz. Es könne entweder eine ökologisch eher unbedenkliche Substanz sein oder eine Substanz, die eine einfache Handhabung ermöglicht. „Letztlich hängt das auch von den Temperaturen ab, die wir in der Tiefe finden.“ 

Den Vorwurf, bei der Geothermie handle es sich um eine unsinnige, weil viel zu teure Energiegewinnung, lässt Götz nicht gelten. „Unser Projekt ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt, wir produzieren Strom und Nahwärme.“ Jeder Betreiber einer Photovoltaikanlage prüfe die Wirtschaftlichkeit seiner Investition. „Und auch wir kalkulieren mit der EEG-Vergütung.“ Wer die Energiewende wolle, brauche die Mischung. Holzkirchen nutze in Sachen Energiewende seinen geografischen Vorteil, ergänzt Bürgermeister Olaf von Löwis. „Jeder leistet das, was er kann.“ Selbst ohne die üppige EEG-Förderung sei das Projekt langfristig auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt. „Mit EEG amortisiert sich das Ganze nur schneller.“ 

Die Stromausbeute des geplanten Kraftwerks entspricht laut Götz voraussichtlich etwa einem Drittel des Holzkirchner Energiebedarfs. Auf Geothermie setzen in der Region insbesondere die Stadtwerke München (SWM). In Sauerlach, Riem und Freiham betreiben die SWM bereits drei Anlagen. Eine weitere soll in der Schäftlarnstraße auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd entstehen, wo vier Bohrungen vorgesehen sind. Der Bohrbeginn ist für Anfang 2018 geplant. Bis 2025 will das Unternehmen bis zu fünf weitere Geothermie-Anlagen in Angriff nehmen.

Von Andreas Höger

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