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Der Bohrturm in der Alten Au wurde heuer im Januar errichtet und für die zweite Bohrung verrückt. Seit September stocken die eigentlichen Arbeiten, das verkeilte Rohr muss aus der Tiefe befreit werden.

Geothermie

Das Rohr schläft weiter in der Tiefe

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Holzkirchen - Der Rohrstrang steckt noch fest, die Geothermie-Bohrung in Holzkirchen steht weiterhin still. Der Schaden bewegt sich inzwischen in Millionenhöhe. Frühestens im Dezember könnte man fündig werden.

Die Geothermie-Bohrung in der Alten Au steht nun seit Anfang September still. Denn in der Tiefe kriselt es. Der Rohrstrang, „ja, er steckt immer noch fest“, sagt Albert Götz, Geschäftsführer der Gemeindewerke und der Geothermie Holzkirchen GmbH. Nervös macht ihn das nicht. „Aber es ist irrsinnig nervig.“ Ein großer Teil sei inzwischen rausgebaut, ein kleinerer rausgefräst worden. Der dritte und unterste Teil jedoch liege noch unter der Erde. „Die Schadenshöhe beträgt sicher über eine Million Euro.“ Es sei sogar denkbar, dass die Summe nach oben schnelle. Es handle sich um einen Versicherungsfall. „Das ist unser Glück“, meint Bürgermeister Olaf von Löwis.

Wie berichtet, teilte die Gemeinde Mitte September mit, dass sich bei der Holzkirchner Geothermie-Bohrung in einer Tiefe von 2500 Metern das Rohrgestänge verhakte. Schon bei der ersten Bohrung tauchten Probleme auf. Ebenfalls in der verflixten dritten Sektion. „Man weiß, dass das ein Problembereich ist“, meint Götz. Im März stieß man dort auf eine Gasblase und wich über einen neuen Bohrpfad, einen Sidetrack, aus. Schon damals sprang die Versicherung für den Schaden in Millionenhöhe ein.

Einige Arbeiter die auf dem Bohrplatz beschäftigt sind, übernachten in einer Wohnwagensiedlung auf einer gemeindeeigenen Fläche am Holzkirchner Bahnhof. In Containern am Bohrplatz dürfen sie nicht schlafen.

Laut Götz wäre es sicher eine Option, erneut einen Sidetrack zu bohren. Genaueres müsse man abwarten. Die Arbeiten laufen derzeit unter Aufsicht der Versicherung. „Das ist alles sehr aufwendig und dauert“, erklärt er. Eigentlich sollte die zweite Bohrung schon im Oktober fertig sein. „Das schaffen wir nicht mehr.“ Jetzt rechnet er damit, im Dezember fündig zu werden. Der Zwischenfall könnte in vier Wochen behoben sein. Das Gesamtprojekt schwebe nicht in Gefahr. Die Planung für das Kraftwerk könne unabhängig davon weiterlaufen. Götz schätzt, dass dieses Mitte 2018 in Betrieb geht. Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verschafft der Gemeinde ohnehin Luft. Die garantiert die maximale Einspeisevergütung auch bei Projekten, die nach Ende 2017 ans Netz gehen.

Laut Götz braucht es Zusatzpersonal, um den feststeckenden Rohrstrang zu befreien. Generell wohnen die Mitarbeiter der Bohrfirma Itag aus Celle nicht auf dem Bohrplatz. Einige von ihnen schlafen in gut zehn Wohnwagen, die auf einem Platz am Bahnhof nahe des Skateparks stehen. Wie Löwis bestätigt, hat die Gemeinde die Fläche an die Geothermie GmbH verpachtet. Für einen solchen Zweck sei sie davor noch nie genutzt worden. „Das ist eine zeitlich begrenzte Ausnahme“, betont er. Immerhin handle es sich um eine große Baustelle. „Und wir haben in Holzkirchen nicht ausreichend Hotelbetten.“ Selbst das neue Boardinghouse sei voll. Die Arbeiter im Wohnwagen zahlen hauptsächlich den Strom, der restliche Betrag werde später sozialen Zwecken gespendet, so Götz.

Laut Itag-Bohrleiter Hans-Jürgen Wolf ist es in der Branche üblich, Arbeiter in Baucontainern oder Wohnwagen unterzubringen. Im Gegensatz zu den Containern hätten die Mitarbeiter in den Wohnwagen mehr Privatsphäre. Es handle sich um Camper, die die Mitarbeiter selbst mitbringen. Weil diese beheizbar sind, überwintern sie dort. Viele Betroffene würden ins Hotel ziehen. „Das bleibt jedem freigestellt.“ Zimmer hätten die, die wollten, schon gefunden.

Seine Männer, die aus ganz Deutschland stammen, bleiben 14 Tage am Stück in Holzkirchen, dann haben sie 14 Tage frei. Sie arbeiten in Schichten. Eine Schicht geht von 6 bis 18 Uhr, die zweite von 18 bis 6 Uhr. „Es wird 24 Stunden durchgearbeitet.“

Am Bohrplatz in der Alten Au gebe es nur zwei Schlafplätze. Für ihn selbst und eine weitere verantwortliche Person. Laut Götz regelt das Bergamt, wo auf dem Bohrplatz geschlafen werden darf. In Holzkirchen sei auf dem Gelände kaum Platz dafür. Zudem seien die Arbeiter im Ort besser integriert als in der Au. Am Bahnhof gebe es Einkaufsmöglichkeiten.

Wolf harrt derweil auf dem Bohrplatz in der Alten Au aus, es lasse sich ganz gut dort aushalten. Im Container gebe es Wohnzimmer, Küche und Bad. „Die Wände sind extra schallisoliert“, sagt er. Drinnen höre man also nichts von der Bohrung draußen, von der beschwerlichen Reise in die Tiefe.

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