Stefan Maierhofer zeigt sein neues Schallplattengeschäft in Otterfing
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Rund 500 000 Schallplatten bringt Stefan Maierhofer nach Otterfing mit.

Rund 500 000 Vinyls bringt Stefan Maierhofer mit

Schallplattenladen macht in Otterfing auf

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Gut 500 000 Vinyls ziehen bald nach Otterfing. Dort eröffnet Stefan Maierhofer am 1. Oktober einen Schallplattenladen.

Otterfing - Von der Stadt hat Stefan Maierhofer längst die Nase voll. „Keine Parkplätze, scheiß Luft, teure Mieten.“ Und dann kam auch noch Corona. Im „Der Schallplattenladen“ in München in Haidhausen drängen sich rund 70 000 Schallplatten auf 80 Quadratmetern. „Da können wir die Abstände nicht einhalten“, erklärt der Inhaber. Also musste er heuer im Frühjahr sein Geschäft schließen. Seitdem blieben die Türen zu.

Doch jetzt wagt Maierhofer einen Neustart: und zwar in Otterfing. Am 1. Oktober will der 61-Jährige seinen Schallplattenladen an der Hienlohestraße 24, im ehemaligen Sportscheck-Gebäude, eröffnen.

1990 hat alles angefangen. „Damals haben alle ihre Platten weggeschmissen“, erinnert er sich. Viele Plattenläden sperrten zu. „Die CD wurde viel zu sehr gehypt.“ Dabei sei sie „Müll“, schimpft Maierhofer. Die Vinyls hingegen seien komplett analog. „Da muss man keine Kompromisse in Bezug auf die Auflösung eingehen.“ Kurz: der Klang, die Qualität – alles viel besser. Er zerrt einen Vergleich an Land, den wohl nur Insider verstehen: „Das mit der CD ist so, wie wenn man ein schönes Steak, medium rar, in 14 Teile schneidet und irgendwie wieder zusammensetzt“, erklärt er. „Es schaut so aus wie ein Steak, schmeckt vielleicht auch so.“ Dennoch sei es nicht dasselbe. „Die Leute empfinden es als ansprechender, Platten zu hören.“

Zumindest Fans wie Maierhofer, den man in der Szene kennt. Er ist einer, der immer auf Vinyls schwor, einer, der viele Jahre in München als DJ auflegte. „Das waren glorreiche Zeiten.“ In den 90ern eröffnete er mit einem Kumpel einen kleinen Laden in Fürstenried. „Ich verkaufte die Platten, er die Plattenspieler“, erzählt der 61-Jährige. „Eigentlich ein Irrsinn in der Zeit.“ Aber es lief. Vor gut zehn Jahren zog „Der Schallplattenladen“ nach Haidhausen, in die Pariser Straße. Zusätzlich gibt es ein Lager in Giesing, dort stapeln sich rund 400 000 Platten. Insgesamt besitzt Maierhofer also circa 500 000 Stück, gebrauchte und neue. Zum Vergleich: Im Keller der Holzkirchner DJ-Legende Chuck Herrmann lagern gut 30 000 Scheiben. Zu hören gibt’s bei Maierhofer eigentlich jede Musikrichtung: Zum Beispiel Rock, Pop, Reggae, Jazz, Psychedelic, aber auch viel Klassik ist dabei.

Die eingelagerten Scheiben ziehen ebenfalls bald nach Otterfing. Der Standort an der Hienlohestraße sei perfekt: „Hier habe ich 700 Quadratmeter Platz“, schwärmt Maierhofer. „Das ist so groß, dass sogar ein Rollstuhlfahrer ohne Probleme durch die Gänge fahren kann.“ Im engen Geschäft in Haidhausen parkten die Kunden mit ihrem Rollstuhl auf dem Gehweg, und die Mitarbeiter brachten ihnen Kaffee und Platten heraus. In Otterfing können diese Kunden dann eigenständig in den Regalen stöbern. Die seien bereits eingebaut. Maierhofer und sein Team müssen „nur“ noch alles einsortieren. Im vorderen Teil kommt eine Couch hin, wo die Kunden einen Kaffee trinken und Musik hören können. „Wir bauen eine Vorführanlage rein, dass es nur so pfeift“, verspricht Maierhofer. Das Gute: Das störe im Gewerbegebiet auch keinen.

Vor der Tür stehen viele Parkplätze zur Verfügung. Außerdem hat Otterfing einen S-Bahn-Anschluss. Der perfekte Standort also, auf den Maierhofer eher zufällig stieß. Er streckte seine Fühler „ins Alpenvorland“ aus. Erst Richtung Schliersee, wo er zeitweise aufwuchs und wo er jetzt wieder hinzieht. „Aber dort war es zu teuer.“ Dann sah er eine Immobilienanzeige in Otterfing – und schlug zu.

Insgesamt laufe das Geschäft mit den Platten gut. Sie würden selbst heute noch im großen Stil produziert. Sein Glück: „Schon vor eineinhalb Jahren haben wir unseren Online-Verkauf massiv ausgebaut.“ Das rettet ihn nun über die harte Coronazeit hinweg. Trotzdem möchte Maierhofer auch wieder persönlich präsent sein. So ganz analog. Also raus aufs Land, wo er genug Platz hat, sämtlichen Hygiene- und Abstandsvorgaben in Coronazeiten zu erfüllen. Für Besucher werden die neuen Räume aber vorerst nur nach Anmeldung geöffnet sein. Maierhofer blickt mehr als optimistisch in die Zukunft: „Otterfing wird der Nabel der Vinyl-Welt“, scherzt er.

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