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Im Sommer gibt‘s das erste Bier

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Schloßbrauerei Valley nimmt Gestalt an: Im Sommer gibt‘s das erste Bier
Ein Blick ins künftige Herz der Schloßbrauerei Valley: Betriebsleiter Thomas Furtner im Sudhaus, das ein Teil des ehemaligen Alten Sudhauses ist. An der Trennwand mit den großzügigen Rundbogenfenstern, hinter denen der Saal für Veranstaltungen liegt, werden die Braukessel auf einem Podest platziert. © Thomas Plettenberg

Die Schloßbrauerei, die Graf Max Georg von Arco auf Valley im Neuen Schloss einrichtet, nimmt Gestalt an. Im Sommer wird das erste original Valleyer Bier seit Jahrzehnten gezapft.

Valley – Die Erlebnisbrauerei im Alten Sudhaus des Neuen Schlosses nimmt Gestalt an. „Im Winter hatten wir Verzögerungen, weil es zu kalt war zum Betonieren“, erklärt Thomas Furtner, Valleyer Betriebsleiter der Gräflichen Brauerei Arco-Valley. „Dafür geht es jetzt umso schneller vorwärts.“ Am Dienstag kamen die Gär- und Lagertanks für den Reifekeller an, in vier Wochen werden die kupfernen Sudkessel erwartet. „Der erste Sud wird voraussichtlich Mitte Mai eingebraut.“ Vier bis sechs Wochen später wäre das original Valleyer Bier bereit zum Genießen. Das erste Bier seit rund 25 Jahren, das am Schlossberg frisch aus dem Kessel fließt. In ihren besten Zeiten hatte die Brauerei, die 1994 das Brauen hier einstellte, 12000 Hektoliter Ausstoß. Nun sollen es 3000 pro Sud werden, etwas Spielraum nach oben gibt es noch.

Die Schloßbrauerei Valley wird im Wesentlichen zwei Biere nach traditionellen Rezepten brauen, abgesehen von möglichen Sonder-Suden: ein filtriertes „Valleyer Helles“ und voraussichtlich ein naturtrübes Exportbier. Die Brauerei greift damit bewusst zwei Trends auf: den zum Regionalen und den zum Bier mit eigenem Charakter, wenngleich die Traditionsbrauerei nicht auf besonders charakteristisches Craftbier setzen wird. Aber die experimentierfreudige Craftbierszene habe der ganzen Bierbranche gut getan, sagt Furtner: „Regionale Biere setzen sich wieder durch.“ Für Furtner bedeutet die Schloßbrauerei eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln: Er hat das Bierbrauen in Weihenstephan studiert, ist Diplom-Ingenieur. Den Braubetrieb wird zunächst ein Braumeister aus der Arco-Brauerei in Adldorf einrichten. Wenn die Anlage verlässlich läuft, übernimmt Furtner.

Das Bier der Valleyer Schloßbrauerei wird in einer Abfüllanlage eines Partnerbetriebs in Euroflaschen – wie sie auch Augustiner und Tegernseer nutzen – abgefüllt. „Für eine eigene Abfüllanlage haben wir hier nicht die Kapazitäten“, erklärt Furtner. Vor Ort wird das Valleyer Bier aber in Fässer – zum Teil aus Holz – abgefüllt. „Wir werden das Valleyer Bier auch in der Gastronomie einsetzen.“ Primär natürlich im benachbarten Bräustüberl Valley, das ja auch der Brauerei gehört; denn eine klassische Gastronomie ist in der Schloßbrauerei nicht geplant. Aber auch bei Wirten im Landkreis sei die Resonanz gut, so Furtner. In der Schloßbrauerei sind Bierseminare geplant, außerdem Firmenevents und Familienfeiern. Die erste Hochzeit ist für September gebucht.

Doch noch ist im Alten Sudhaus des Neuen Schlosses einiges zu tun, aktuell werden die Mauern verputzt. Mehr als 50 Kubikmeter Aushub wurden aus den Gemäuern gerissen, der Denkmalschutz ist fortlaufend eingebunden. Die Fassade ließ der junge Graf und Brauereiinhaber Max Georg von Arco auf Valley schon voriges Jahr renovieren, oder besser gesagt: in den Originalzustand zurückversetzen. Im Lauf der Jahrzehnte waren etwa Fenster einfach zugemauert worden, sogar in der Kapelle. Sie wurden wieder geöffnet, der historische Glockenturm samt Uhrwerk saniert.

Schloßbrauerei Valley nimmt Gestalt an: Im Sommer gibt‘s das erste Bier
Da kommen sie: Vier Sattelschlepper brachten am Dienstag die Gär- und Lagertanks zum Schlossberg. Voraussichtlich ab Mitte Mai wird hier wieder gebraut. © Thomas Plettenberg

Im Alten Sudhaus wurde eine alte Wand durch eine neue Trennwand mit zwei großzügigen, hohen Rundbogenfenstern ersetzt, damit sich später Veranstaltungen im Saal und Führungen im Sudhaus nicht in die Quere kommen, aber das Herzstück der Brauerei mit den Sudkesseln für vom Saal aus sichtbar bleibt. Auf einem hohen Podest, auf das eine Treppe führt, werden die Sudkessel in Szene gesetzt. Gär- und Lagerkeller nebenan sowie die Besuchertoiletten liegen bereits in den Endzügen. Der Saal wird noch ausgekleidet, um die Akustik zu verbessern. „Das Deckengewölbe bleibt sichtbar“, erklärt Furtner. Noch diese Woche werde hochwertige Bühnentechnik mitsamt Lichtanlage eingebaut. „Die können wir auch für Veranstaltungen mitvermieten.“ Auch die Cateringküche wird noch eingerichtet. „Wir empfehlen dafür natürlich das Bräustüberl“, versichert Furtner. Insgesamt investiert die Brauerei mehr als eine Million Euro. Vom europäischen Förderprogramm Leader bekommt sie 200000 Euro Unterstützung.

Wenn voraussichtlich kurz nach dem 80. Geburtstag von Gräfin Monica von Arco auf Valley das erste Valleyer Bier gezapft wird, werden auch die Bauarbeiten abgeschlossen. Ende Juni soll alles fertig sein  auch das Bier. Wird’s dann vielleicht auch mal ein Starkbierfest am Schlossberg geben? „Vielleicht“, sagt Furtner und fügt lachend hinzu: „Aber heuer klappt’s nicht mehr.“

Katrin Hager

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