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Diskutierten über ein ernstes Thema: (v.l.) Stefanie Berchtold, Christine Negele, Arno Helfrich, Maria Noichl, Hannes Gräbner, Marion Siblewski und Klaus Barthel.

Podiumsdiskussion zu Gewalt gegen Frauen 

"Schon eine Ohrfeige ist zu viel"

Holzkirchen – Schläge, Tritte, Würgen, Verbrennen mit Zigarettenglut, aber auch Beleidigungen, Demütigungen und Stalking oder sexuelle Rohheiten: Körperliche und seelische Gewalt gegen Frauen sind „als stilles Leiden in ganz Europa immer noch zu weit verbreitet“. Die Europa-Abgeordnete Maria Noichl (SPD) kämpft im EU-Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter, für das Menschenrecht auf gewaltfreies Leben.

Was sich auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren getan hat und wie viel noch zu tun ist, präsentierte sie jetzt anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März während einer Podiumsdiskussion der Holzkirchner SPD. Viele interessierte und engagierte Frauen füllten den Saal des Gasthofs Alte Post. 

Zu den wenigen Männern, die zu der Veranstaltung gekommen waren, zählten der Initiator des Abends, SPD-Unterbezirkschef Hannes Gräbner, der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel, Andreas Untergruber und Anton Wolfgang Gröber vom Weißen Ring, dem Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern, sowie auf dem Podium Arno Helfrich, Leiter Prävention bei der Münchner Polizei. 

Bevor es mit Stefanie Berchtold vom Opferschutz bei der Münchner Polizei, SPD-Kreisrätin und Sozialpädagogin Christine Negele sowie der ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Marion Siblewski ans Gespräch ging, führten Noichls Kurzreferat und ein Dokumentarfilm in das Thema ein. „Wie soll eine Frau am Arbeitsplatz um gerechten Lohn kämpfen, wenn sie zu Hause täglich hört, sie sei nichts wert?“, beschrieb Noichl die „sehr alte“ Benachteiligung von Frauen in vielen Bereichen der Gesellschaft. Mit körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalt „werden sie daheim und am Arbeitsplatz kleingehalten“, unabhängig von Alter, Herkunft, Bildung oder Wohngegend. 

Was alles in drei Stufen passieren muss, bis eine misshandelte Frau sich aus ihrer Ehehölle löst, zeigte der Film „Verdammt verliebt“ an zwei Opfern. Stufe eins, der „Spannungsaufbau“, beginnt mit Kontrollen, verbalen Gemeinheiten und ersten Tätlichkeiten. Nur ein Drittel der Frauen zeige dies an, sagt Helfrich im Film-Interview, und nur ein kleiner Teil bleibe dabei. Denn in Stufe zwei, „Honeymoon“, folgt eine Zeit trügerischer Versöhnlichkeit, nach der die Gewalt massiv zunimmt. In Stufe drei, der „Eskalation“, verliert der Täter beim geringsten Anlass jede Hemmung, seine eigentliche Ohnmacht mit Gewalt zu kompensieren, und das Opfer gibt sich auf. Ausschnitte aus dem Spielfilm „Die Ungehorsame“ und Aussagen eines erwachsenen Sohnes vermitteln, dass auch Kinder nachhaltig unter der Terror-Atmosphäre leiden. Deshalb die klare Ansage von Helfrich: „Nach dem ersten Übergriff die Beine in die Hand nehmen und laufen. Schon eine Ohrfeige ist zu viel.“ 

Während der Diskussion auf dem Podium und mit den Frauen im Saal zeigte sich, dass es trotz vieler Fortschritte in der Rechtsprechung noch reichlich zu tun gibt, wenn etwa in München im Jahr weit mehr als 3000 Fälle angezeigt werden. „Man muss vom Fünffachen ausgehen,“ sagte Helfrich. 

Wie er ermunterte seine Kollegin Berchtold die Frauen, Anzeigen aufrecht zu erhalten und ihre Männer bei Kontaktsperren nach dem Wegweisungsgesetz nicht wieder einzulassen. Siblewski riet, sich frühzeitig von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen, und Negele wies daraufhin, auch beleidigende SMS oder Mails zu speichern. 

In einem waren sich alle einig: Hinschauen, Zivilcourage zeigen und auf jeden Fall die Polizei verständigen, wenn eine Frau in Not geraten ist.

Von Gudula Beyse

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