+

Urteil gegen 30-Jährigen

Sieben Jahre Haft für Vergewaltigung

Holzkirchen - Sieben Jahre Haft wegen Vergewaltigung einer psychisch kranken Frau: Schreiend warf sich am Montag die Schwester eines Angeklagten (30) im Gerichtssaal zu Boden. Sie wollte zu ihrem Bruder. Sieben Jahre Gefängnis würden ihn umbringen, befürchtet sie.

Die drei Wachtmeister reagierten besonnen. Zunächst schleppten sie den 30-Jährigen ins Treppenhaus, das zum Zellentrakt führt und ketteten ihn dort am Geländer fest. Auch er hatte sich zuvor zu Boden fallen lassen und zu schreien begonnen. Seine Verteidigerin konnte ihn nicht zum Aufstehen bewegen. Anschließend versuchten die Wachtmeister die weinende und kreischende Schwester zu beruhigen, bis Kolleginnen eintrafen, die sich um die Frau kümmerten. Dann erst konnten die Wachtmeister den Angeklagten, der zum Tatzeitpunkt im nördlichen Landkreis Miesbach wohnte, in die Zelle bringen.

Offenbar war der Mann aus Nigeria davon ausgegangen, vor dem Landgericht München II vom Vorwurf der Vergewaltigung (wir berichteten) freigesprochen zu werden. Das psychisch behinderte Opfer hatte bei seiner Aussage keinen sicheren Eindruck hinterlassen. Doch für Richter Martin Rieder bestand kein Zweifel, der Frau zu glauben, was ihr Schreckliches widerfahren war.

Demnach war die junge Frau im November vergangenen Jahres dem Mann in dessen Unterkunft im nördlichen Landkreis gefolgt. Obwohl sie sonst nie Alkohol trank, weil ihre Erkrankungen (Autismus und Epilepsie) das nicht zuließen, konnte sie an diesem Abend dem Angeklagten nicht widerstehen. Er hatte sie in der Miesbacher Bahnhofshalle angesprochen, umschmeichelt, umarmt und geküsst. Dass er mehr wollte, hatte die Frau nicht geahnt – so jedenfalls gab es der Richter gestern in seiner verbalen Rekonstruktion des Sachverhalts wieder.

Schließlich kam es zur Vergewaltigung; ob ein oder dreimal, das spielte für das Strafmaß ebenso wenig eine Rolle wie die Tatsache, dass der Mann sie niemals mit einem Messer bedroht hatte. Das hatte die Frau noch fälschlicherweise im Ermittlungsverfahren angegeben, eine Erklärung für diese Falschaussage lieferte sie im Landgericht gleich mit. Sie habe befürchtet, ihr werde angesichts ihrer Erkrankung nicht geglaubt.

Doch für die 1. Strafkammer gab die Frau eine überzeugende Aussage ab. Wenn selbige nicht ernst genommen würde, dann wären solche Geschädigten ja völlig schutzlos, bemerkte der vorsitzende Richter. Im Übrigen gab es für ihn keinen Zweifel, dass es in der Unterkunft des Mannes zu einer Vergewaltigung gekommen war. Dafür sprachen allein schon die widersprüchlichen Angaben des Angeklagten.

Die siebenjährige Haftstrafe begründete das Gericht mit der Tatsache, dass die junge Frau erheblich traumatisiert sei und die Straßenseite wechseln müsse, wenn ihr ein Mann schwarz-afrikanischer Herkunft entgegen komme. Erschwerend komme außerdem hinzu, dass sich der Angeklagte mit einer Autistin ein für jeden erkennbar leichtes Opfer ausgewählt habe – und dass er mit der Frau ungeschützten Geschlechtsverkehr ausgeübt habe.

Von Angela Walser

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rechte Symbole an Hauswände gesprüht
Gibt es in Valley eine rechte Szene? Vielleicht. In den vergangenen Tagen wurden rechte Symbole an zwei Hauswände gesprüht.
Rechte Symbole an Hauswände gesprüht
Raketenstellung und Freizeitpark: Areal nahe München steht zum Verkauf  - Doch Makler haben kein Interesse
Ein Schnäppchen ist es nicht, für betuchte Pferdefreunde aber vielleicht eine Überlegung wert: Der Pferdepark Oberland bei Kleinhartpenning steht zum Verkauf.
Raketenstellung und Freizeitpark: Areal nahe München steht zum Verkauf  - Doch Makler haben kein Interesse
Endspurt an der Jugendfreizeitanlage
Was lange währt, wird bald gut sein. Nach rund sieben Jahren befindet sich das Projekt Jugendfreizeitanlage am Ladehof in Holzkirchen auf der Zielgeraden. Ein …
Endspurt an der Jugendfreizeitanlage
Auf der Nordumfahrung kracht‘s
Beim Abbiegen auf die Holzkirchner Nordumfahrung nicht richtig aufgepasst hat ein Miesbacher und deshalb einen Unfall verursacht. 
Auf der Nordumfahrung kracht‘s

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion