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Prägender Blick auf Klosterkirche: Der soll sich auch künftig nicht ändern, wenn Investor Quest die nördliche Klosterwiese bebaut. Geplant sind sieben Mehrgenerationenhäuser sowie Mehrspänner und Doppelhäuser.

Gemeinderat stimmt Bebauungsplan und Bauanträgen zu

Startschuss für Klosterwiese

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Weyarn - Ein lange Planungsphase geht zuende: Der Gemeinderat hat dem Bebauungsplan für die Klosterwiese und den Bauanträgen zugestimmt. Doch die Liste der Einwände war lang.

Vor der Lesestunde fasste Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) ein heißes Eisen an: „Der Kaufpreis des Klosterangers wird nicht veröffentlicht“, sagte er – mit Blick auf Zahlen, die kursierten, nachdem die Gemeinde die Wiese an die Quest AG verkauft hatte (wir berichteten). Das habe der Gemeinderat nicht-öffentlich beschlossen. Es sei unüblich, solche Vertragsdetails preiszugeben. „Da stellen kontrovers diskutierte Themen keine Ausnahme dar.“

Mit dieser Ouvertüre leitete Wöhr jetzt ein lang geplantes Projekt in der Sitzung ein: Die Aufstellung des Bebauungsplans Nummer 52 „Klosteranger“. Dort sollen sieben Mehrgenerationenhäuser, Mehrspänner und Doppelhäuser mit gut 40 Wohneinheiten sowie ein Vollsortimenter entstehen. Zudem beschäftigte sich das Gremium mit Bauanträgen des Investors Quest für fünf Mehrgenerationenhäuser mit je zehn Wohnungen samt Tiefgaragen. „Es ist klar, dass das Projekt keine ungeteilte Zustimmung finden wird“, so Wöhr.

Zum Bebauungsplan waren in der zweiten Auslegung viele Stellungnahmen eingegangen, die Geschäftsleiter Johann Walser verlas. Zu den wesentlichen Einwänden öffentlicher Träger gehört einer der Regierung von Oberbayern. Diese mahnte an, dass die maximale Verkaufsfläche des Supermarkts 1200 Quadratmeter haben darf. Daher seien Café samt Bäckerei getrennt einzurichten.

Knackige Zitate lieferte Kreisbaumeister Werner Pawlovsky: „Es könnte sein, dass die Gemeinde – wie der Zauberlehrling – die Geister, die sie rief, nicht mehr los wird.“ Vor allem stören ihn die Wiederkehren – die Fletze – und die begehbaren Dacheinschnitte, nannte sie „fremde Elemente in der Dachlandschaft im Oberland“. Kornelia Schlickenrieder (WIGW), die einen Präzedenzfall fürchtet, sagte: „Ich finde, dass die Wiederkehren nicht passen.“ Betty Mehrer (SPD) meinte: „Das muss man immer einzeln entscheiden.“ Der Gemeinderat hielt an den Fletzen fest, sie dienten als Treffpunkte. Das Landesamt für Denkmalpflege teilte Pawlovskys Bedenken. Der „prägende Blick“ auf Weyarn mit Kirche bleibe aber erhalten.

Eine lange Liste an Einwänden gab es von Bürgern – vor allem von der WIGW (wir berichteten). Laut dieser hat der Gemeinderat 2012 entschieden, einen Beschluss über die Planung auf der Klosterwiese erst nach Realisierung der Bebauung am Prälaturhof zu treffen. Daher sollte er „eine Entscheidung über weitere Planungen frühestens im Jahr 2015 treffen“. Zudem bestehe ein rechtliches Problem, weil der Bebauungsplan für den Prälaturhof im beschleunigten Verfahren erfolgte – unter der Bedingung, dass es zur weiteren Bebauung keinen „engen sachlichen, räumlichen und zeitlichen Zusammenhang“ gebe. Der Gemeinderat sah das anders: Es existiere kein Beschluss, die Projekte würden zeitlich versetzt realisiert.

Zudem wird laut WIWG das Einheimischenprogramm kaum berücksichtigt – obwohl die Gemeinde damit die Bebauung gerechtfertigt habe. Diese hielt dagegen, dass vier Einfamilienhäuser dafür reserviert seien. Weiterhin findet WIGW den Wohnraum mit 3600 Euro pro Quadratmeter zu teuer. Addiert mit der Bebauung auf der Grafwiese zögen in kurzer Zeit 450 Personen zu; das sei zu viel. Der Gemeinderat deutete auf Preise in Holzkirchen, wo bei Neubauten 4500 Euro verlangt wird. Das Wachstum hält er für verträglich.

Obendrein bezweifelt WIGW den Bedarf der Mehrgenerationenhäuser und kritisierte, dass die Gemeinde die Verteilung – zwei Drittel Ältere – nicht bestimmen könne. Laut Gemeinde gibt es „informelle Vereinbarungen“. In den Augen der WIGW ist die Bebauung zu dicht. Man würde Boden sparen, so die Gemeinde. Nicht zuletzt würde der Supermarkt den Einzelhandel gefährden, so WIGW.

Anschließend stellte Quest die Bauanträge vor. Zwei Stockwerke plus Dachgeschoss soll jedes Haus bekommen. „Die Wohnungen sind sortiert nach Kleidergrößen“, sagte Max von Bredow. Von XS mit circa 49 Quadratmetern, bis L mit 100. Jede Wohnung sei barrierefrei, könne behindertengerecht gestaltet werden. Quest lässt die Tiefgaragenzufahrten einhausen. Zum einen die der bestehenden am Prälaturhof, zu der ein Tunnel unter zwei Neubauten führt. Die zweite führt zur Garage, die unter den anderen Gebäuden entsteht.

Der Gemeinderat stimmte dem Bebauungsplan und den Bauanträgen zu – nur Kornelia Schlickenrieder (WIGW) war dagegen. Ihre Fraktionskollegen Peter Thoma und Sebastian Mayer fehlten. Laut Wöhr soll heuer Baubeginn sein.

Von Marlene Kadach

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