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Jenseits des Windrads: Der Planungsverband hat die Vorrangfläche Nummer 25 bei Sonderdilching jetzt von der Karte gestrichen. Es handelt sich dort nun um eine weiße Fläche, auf der theoretisch eine Anlage möglich ist. Das Bild zeigt ein Windrad vor einer Neubausiedlung im bayerischen Wildpoldsried.

Windrad Sonderdilching

Die Tür steht noch einen Spalt offen

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Weyarn - Bislang stand die Gemeinde Weyarn einem Windrad offen gegenüber. Jetzt hat der Planungsverband die Vorrangfläche bei Sonderdilching von der Karte gestrichen. Doch die Tür ist noch nicht ganz zu.

Lange drehte sich zumindest gedanklich ein Windrad bei Sonderdilching. Aber jetzt werden die Rotorblätter ausgebremst. „Weyarn hat kein Vorranggebiet für Windkraft-Nutzung mehr“, sagt Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU). „Weyarn ist jetzt eine sogenannte weiße Fläche.“ Und das interpretiert der Rathauschef so: „Die Tür ist noch nicht ganz zu.“

Darüber hat Wöhr nun den Gemeinderat in seiner Sitzung informiert. Der Hintergrund: Der Planungsausschuss des Planungsverbandes Region Oberland hat in seiner Sitzung am 10. Dezember 2014 den Entwurf der Teilfortschreibung Windkraft gebilligt und die Einleitung des erneuten Beteiligungsverfahrens zur 9. Fortschreibung des Regionalplan beschlossen. Auch die Gemeinde Weyarn kann sich dazu bis 2. März äußern. Mit einer Stellungnahme wird sich der Gemeinderat aber erst in der nächsten Sitzung beschäftigen, so Wöhr.

In der Vergangenheit standen die Weyarner im Gegensatz zu anderen Kommunen der Windkraft recht offen gegenüber. Bei der ersten Anhörung 2013 war noch das Vorranggebiet 25 eingezeichnet, dabei handelt es sich um einen kleinen Streifen nahe Sonderdilching.

Die Gemeinde möchte einiges tun, um sich bis 2025 komplett autark aus regenerativen Quellen zu versorgen. Wie berichtet, hatte ein Team vom Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik von der Technischen Universität München (TUM) für die Gemeinde einen Energienutzungsplan erstellt. Dieser zeigte, dass ein Windrad der größte Hoffnungsträger sei. Bis zu 40 Prozent des gesamten Strombedarfs könnte ein Windrad abdecken, erklärte damals einer der Wissenschaftler.

Auch wenn nicht alle Bürger von so einer Anlage begeistert waren, war der Gemeinderat nicht abgeneigt. Im August 2014 allerdings rückte das Windrad in den Hintergrund. Damals bewilligte das Gremium 42 000 Euro zur Umsetzung einiger Energieprojekte. Da der Planungsverband zu der Zeit die Vorrangflächen überarbeitete, und die Lage unklar war, klammerte Weyarn die Windkraft erstmal aus.

Dass die Tür zum Windrad nur noch einen Spalt offen ist, gefällt Wöhr: „Es ist gut, wenn man alle Optionen offen hat.“ Das sei seine persönliche Meinung. Es sei richtig, dass der Gemeinderat bislang die Windkraft recht positiv begleitet habe. „Das war aber meist noch der alte.“ Man müsse sehen, wie es sich entwickelt.

Alois Kohlhauf, Mitarbeiter in der Geschäftsstelle des Planungsverband Oberlands in Bad Tölz, erklärt auf Anfrage, warum sich die Situation in Sonderdilching geändert hat. Er holt aus. „Weiße Flächen haben einen Sonderstatus“, sagt er. Das heißt, nach dem Kriterienkatalog gebe es dann „keine Totschlagargumente“ mehr. Weder für eine Ausschluss- noch für eine Vorrangfläche. Nachdem 2014 der neue Windatlas kam, seien in der jetzigen zweiten Anhörung einige Änderungen eingeflochten worden. Unter anderem habe man für den neuen Windatlas unter weitgreifenderen Kriterien gemessen als im Rahmen des alten aus dem Jahr 2010.

In Sonderdilching heißt das konkret: „Die Windhöffigkeit ist zu gering.“ Genauer gesagt bewegt sie sich knapp unter der Rentabilitätsgrenze, die bei fünf Metern pro Sekunde (m/s) liegt. In Sonderdilching waren es nach neuesten Erkenntnissen 4,7 und 4,9 m/s.

„Es ist aber auch nicht sinnlos, dort ein Windrad zu bauen“, meint Kohlhauf. Technische Neuerungen könnten dem Projekt in ein paar Jahren Aufwind geben.

Allerdings hat die Gemeinde nun das Zepter in der Hand. Bürgeranlagen seien unter gewissen Voraussetzungen trotzdem möglich. Diese können dann von der neuen 10-H-Regelung abweichen, die besagt, dass im Freistaat der Abstand einer Windkraftanlage zur nächsten Siedlung das Zehnfache der Höhe betragen muss – es sei denn, eine Kommune weicht ausdrücklich davon ab. „Das hängt also von der Ortspolitik ab“, sagt Kohlhauf. Die Tür zum Windrad bei Sonderdilching steht also einen Spalt offen.

Von Marlene Kadach 

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