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Verschwindet: Der Komplex im rückwärtigen Bereich der heutigen Schreinerei soll durch drei Mehrfamilienhäuser ersetzt werden.

Gemeinderat Holzkirchen bleibt bei Antrag hart

Stellplätze: Investor darf sich nicht freikaufen

Holzkirchen - Auf dem Gelände der Schreinerei Vogl in Holzkirchen will ein Investor drei Mehrfamilienhäuser bauen. Weil er zehn Parkplätze weniger als vorgeschrieben nachweisen kann, bat er den Gemeinderat nun um eine Ablöse. Doch das Gremium bleibt hart.

Holzkirchen ächzt unter dem Verkehr. Auch die Parkplätze im Ortskern sind umkämpft. Mit einem Integrierten Mobilitäts- und Ortsentwicklungskonzept versucht die Gemeinde, die Situation in den Griff zu bekommen (wir berichteten). Dass jetzt ein Bauwerber auf zehn Parkplätze verzichten möchte, das ging dem Gemeinderat nun mächtig gegen den Strich. „Ich will hier nicht Erbsen zählen“, meinte Herbert Gegenfurtner (CSU). „Aber man muss schon konsequent sein.“ 

In seiner Sitzung behandelte das Gremium nun das Ansinnen eines Investors, der auf dem Gelände der Schreinerei Vogl bauen will. Er hatte den Neubau von drei Mehrfamilienhäusern mit 37 Wohneinheiten und Tiefgarage auf dem circa 3000 Quadratmeter großen Grundstück an der Münchner Straße 28 beantragt. Außerdem bat er um eine Stellplatzablöse. „Er kann von den 56 nötigen Parkplätzen nur 46 nachweisen“, erklärte Bauamtsleiter Karl Herbst. Diese Abweichung von der gemeindlichen Stellplatzsatzung – die bei Wohnungen, die kleiner als 80 Quadratmeter sind, je Wohneinheit eineinhalb Parkplätze verlangt – möchte er nun finanziell ausgleichen. Laut Herbst kostet ein entfallener Parkplatz 6150 Euro. 

Auf dem Grundstück, das bebaut werden soll, befindet sich momentan die Schreinerei Vogl. Wie berichtet, verlegt das Traditionsunternehmen seinen Sitz in das Warngauer Gewerbegebiet Birkerfeld. Lediglich das Ladengebäude an der Münchner Straße samt Wohnbereichen bleibt in Holzkirchen. Abgerissen werden die rückwärtigen Komplexe, wo die Neubauten entstehen sollen. 

Beantragt sind drei Häuser mit einer Länge von circa 20, 18 beziehungsweise 16 Metern mit jeweils einer Breite von 15 bis 16 Metern. Die Wandhöhe beträgt knapp zwölf Meter. Die Zufahrt erfolgt rückwärtig über die Erschließung der Vilgertshofer-Bauten. In einer Tiefgarage möchte der Investor 34 Parkplätze unterbringen, zwölf Stellplätze sind oberirdisch geplant. 

Weil es sich um kleine und zentrale Wohnungen handle, spreche aus Sicht der Verwaltung nichts gegen eine Ablöse, betonte Herbst. Er schlug vor, wenn dann an den oberirdischen Stellplätzen zu sparen. Auch Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) erklärte, warum eine Ausnahme denkbar wäre: „Weil die Wohnungen sehr klein sind, werden sie wohl größtenteils als Singlehaushalte dienen.“ Da reiche ein Parkplatz pro Partei. Auch die zentrale Lage spreche dafür. Das sei im Sinne des Mobilitätskonzepts, das zum Ziel hat, den Verkehr im Zentrum zu reduzieren. 

Doch der Mehrheit des Gemeinderats gefiel der Gedanke nicht. „Ich würde auf die 56 Parkplätze bestehen“, sagte Josef Sappl sen. Gegenfurtner erinnerte daran, dass man in der Vergangenheit sogar Fälle mit nur einem Parkplatz weniger abgelehnt habe. „Der Gemeinderat wäre nicht gut beraten, wenn er zustimmt.“ Thomas Hünerfauth (SPD) sagte: „Das Problem ist, dass die Autos dann auf öffentlichen Parkplätzen stehen.“ Da helfe die Ablöse gegen Geld auch nicht. „Der Verkehr wird nicht weniger“, sagte Wolfgang Buntz-Jennerwein (FWG). „Er muss halt von der Baufläche runter. Sonst lehnen wir das ab.“ 

Etwas weichere Töne schlug Robert Wiechmann (Grüne) an. „Man muss unterscheiden zwischen innerstädtischer Bebauung und der auf der grünen Wiese.“ Gerade im Zentrum sei man nicht unbedingt auf ein Auto angewiesen. Daher hielt er eine Ablöse für vertretbar. Auch SPD-Fraktionssprecherin Elisabeth Dasch lenkte ein: „Wir sind in der Fraktionssitzung auf einen Kompromiss gekommen.“ Demnach wäre ein Parkplatz pro Wohneinheit ausreichend. Diese 37 sollten dann aber auch alle in der Tiefgarage unterkommen. Herbst schüttelte den Kopf: „Auf dieser einen Tiefgaragenebene kriegt er nicht mehr als 34 unter.“ Denkbar wären höchstens Duplex-Garagen, die allerdings nicht recht beliebt seien. 

Am Ende stimmte der Gemeinderat mehrheitlich gegen die Parkplatzablöse. Deswegen stellte das Gremium auch den Neubau-Antrag zurück. Der Investor muss sich nun eine Lösung einfallen lassen.

Marlene Kadach

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