Amtliche Wetter-Warnung für Bayern: Starkregen und Dauerregen in mehreren Landkreisen

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Die Sendeanlage: Von den rund 100 Meter hohen Funkmasten sendeten Radio Free Europe und Radio Liberty hinter den Eisernen Vorhang. Die Figur des Schlaflosen, die Veronika Hagn-Roth 2001 als Mahnmal schuf, schlummert seit Ende 2009 in einer Tenne in Oberlaindern. Die Gemeinde hätte die Figur sonst teuer sanieren müssen. Auf dem einstigen Sendergelände eröffnete im Mai 2008 Golf Valley. Drei der vier Kurzwellensender aus Oberlaindern funken heute noch immer: in der IBB-Sendeanlage Tinang auf den Philippinen. Foto: Archiv Thomas Plettenberg

Als die Stimme aus dem Ofen verstummte

Valley - Die Stimme der Freiheit für den Ostblock wurde für viele Anwohner zum Alptraum. Vor zehn Jahren verstummte der IBB-Sender in Oberlaindern nach langem Kampf der Bürger.

Die Strahlung von umgerechnet 20 000 Mobilfunkstationen brachte Kochtöpfe zum Singen und 1984 einen Tornado zum Absturz. Und sie machte die Menschen im Schatten der IBB-Sendeanlage krank, ist Josef Huber überzeugt. Der Valleyer Altbürgermeister hat mit anderen Vorreitern wie Pater Nikolai Lochner und Georg Paul, damals Vorsitzender des Vereins Sender Freies Oberland, jahrelang gegen den IBB-Sender gekämpft, David gegen Goliath. Mit Erfolg: Zum Jahreswechsel 2003/04 schaltete der Sender ab. Die Stimme der Freiheit aus dem Ofen verstummte. Die Gesundheitsbeschwerden gingen signifikant zurück, wie 2007 eine Studie zeigte.

Huber (74) erinnert sich noch gut, als in einem Gottesdienst plötzlich die Orgel zu singen begann. Dass die Vorkommnisse mit dem Sender zusammenhängen, sei aufgekommen, als einmal ein Pole in Oberlaindern zu Gast war, weiß die damalige Gemeinde-Geschäftsleiterin Liselotte Hinterstocker, die im Ringen gegen den Sender schon mal Tag und Nacht durcharbeitete: „Der hat das verstanden, was aus dem Ofen rauskam.“

1996, Huber war gerade Bürgermeister geworden, nahm die Gemeinde entschlossen den Kampf auf, knüpfte Kontakte in der Bundeshauptstadt und begann einen Prozess in den USA. Der ehrenamtliche Bürgermeister musste sich mal Spinner, mal Immobilienhai schimpfen lassen. „Ich habe manchmal gezweifelt, ob sich das lohnt“, gesteht Huber. Doch letztlich habe ihn die Arroganz von oben angespornt. „Je mehr ich angefeindet worden bin, umso härter bin ich geworden. Motiviert hat mich, wie schlecht es den Leuten ging.“ In jedem Haus am Heckenweg habe es einen Schwerkranken gegeben.

Das Ringen lebte auch vom Charisma Pater Nikolais und Georg Pauls. „Die konnten auch mal lospoltern“, so Huber; als Bürgermeister musste er mehr Diplomatie walten lassen. „Das war wie ein Zahnrad, jeder hat sein Teil beigetragen.“

Der Mittelwellensender war bereits 1951 im Auftrag des CIA auf dem einstigen Militärflughafen Holzkirchen errichtet worden, damit Radio Free Europe westliche Nachrichten hinter den Eisernen Vorhang senden konnte. 1981 kamen vier Kurzwellensender hinzu. 1995 formierte sich die Bürgerinitiative Sender Freies Oberland. Das International Broadcasting Bureau (IBB) beantragte 1997 unterdessen eine weitere Mittelwellenantenne. Die Gemeinde Valley verweigerte die Zustimmung und verhängte eine Veränderungssperre für das Gelände. 1998 unterstützten 4600 Bürger aus Valley, Holzkirchen, Weyarn und Warngau das Begehren „Keine Funksendeanlage in Oberlaindern“, 1999 zogen 500 Demonstranten am Sender auf. Im Juli 2000 wurde die Klage der Gemeinde Valley auf Schließung des Senders am Federal District Court in Washington zugelassen. Im August 2000 reichte Pater Nikolai Lochner eine Petition im Bundestag ein und forderte die Kündigung des Pachtvertrags der Bundesrepublik mit IBB - was der Petitionsausschuss 2001 auch beschloss. Am 20. Januar 2003 zogen in Berlin Sender-Gegner mit Plakaten auf: „Der Sender muss weg“. Grünen-Staatsministerin Kerstin Müller sagte schließlich zu: Der Bund löst den Pachtvertrag auf. Am 17. Dezember 2003 unterzeichneten USA und Bundesrepublik den Aufhebungsvertrag.

Katrin Hager

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