Trassen zwei und drei für Holzkirchner Südspange mit Bereichen von Fledermäusen und Amphibien
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Variante zwei und drei würden südlich von Kurzenberg verlaufen. Unter anderem würden Amphibien und Fledermäuse durch eine neue Straße bedroht. Deshalb rät das Staatliche Bauamt von beiden Trassen ab.

Ergebnisse der faunistischen Analyse liegen vor

Südspange: Staatliches Bauamt rät von Trassen zwei und drei ab

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Fledermäuse und Amphibien wären in Gefahr, wenn die Trassen zwei und drei für eine Holzkirchner Südumfahrung kämen. Das Staatliche Bauamt rät nun von beiden Routen ab. 

Holzkirchen – Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) bleibt sachlich: Zwar sei die Nachricht für Befürworter der Trassen zwei und drei keine gute. „Aber wir haben jetzt zumindest eine klarere Ausgangslage“, sagt er. Die Ergebnisse der faunistischen Untersuchung, die das Staatliche Bauamt in Sachen Holzkirchner Südspange machen ließ, liegen jetzt unserer Zeitung vor. Die Behörde rät von beiden Routen ab, erklärt Pressesprecherin Ursula Lampe auf Anfrage.

Wie berichtet, ächzt Holzkirchen unter dem Verkehr. Zur Entlastung könnten Holzkirchen, Großhartpenning und Kurzenberg eine Umfahrung bekommen, die die B 13 mit der B 318 verbindet. Im Bundesverkehrswegeplan ist die Holzkirchner Umgehung mit vordringlichem Bedarf bis 2030 vorgemerkt, die für die zwei anderen Orte stehen im weiteren Bedarf. Insgesamt 19 Vorschläge für den Trassenverlauf wurden beim Staatlichen Bauamt eingereicht. Fünf Varianten der Machbarkeitsstudie stellte die Behörde Anfang 2020 im Gemeinderat vor.

Schon damals zeigte sich, dass es bei den Varianten zwei und drei „ein hohes Risiko gibt, dass diese aus artenschutzrechtlichen und naturschutzfachlichen Gründen nicht realisiert werden könnten“, erinnert Lampe. Beide Routen umfahren Kurzenberg und Großhartpenning im Süden, verlaufen aber nördlich des Tannholzes. Variante zwei erstreckt sich dann weiter zwischen Sufferloh und dem Waldrand und trifft dann südlich von Lochham auf die B 318. Die dritte Variante hingegen schwenkt zwischen Großhartpenning und Sufferloh nach Norden, umfährt Sufferloh nördlich und trifft ebenfalls südlich von Lochham auf die B 318.

Weil zu beiden Routen – die die CSU-Fraktion bevorzugt – viele Fragen kursierten, gab das Bauamt im Frühjahr 2020 zusätzlich eine faunistische Risikoanalyse dazu in Auftrag. Diese sollte abschätzen, „wie sich die beiden Trassenvarianten auf die artenschutzrechtlich am stärksten beeinträchtigten Artengruppen im Planungsgebiet auswirken“, sagt Lampe. „Untersucht wurden die im Sinne des Naturschutzes wertvollen Bereiche zwischen Kurzenberg, Großhartpenning, Sufferloh und dem gegenüberliegenden Tannholz“, heißt es in der Analyse. Lampe ergänzt: „Das Ergebnis bestätigt und konkretisiert das hohe Konfliktpotenzial hinsichtlich der Erfüllung artenschutzrechtlicher Verbotstatbestände.“ Daher empfehle die Behörde, von beiden Varianten abzusehen.

Denn der geplante Straßenbau würde zur Zerschneidung „wichtiger Flugrouten und Jagdgebiete ansässiger Fledermausarten“ führen. Ferner hätte eine Straße vor allem in dem wassersensiblen Bereich südlich von Kurzenberg „das Ende der dortigen überregional bedeutsamen Amphibienvorkommen zur Folge“.

Für die übrigen drei Varianten erfolgte keine weitere Analyse. Von der ersten Trasse – die nahezu komplett durch das Tannholz verläuft – hatte das Bauamt bereits 2020 abgeraten, weil sie aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht genehmigungsfähig sei. Variante fünf wäre am leichtesten realisierbar, weil sie im vordringlichen Bedarf steht. Allerdings ist sie eine Umgehung nur für Holzkirchen – was ein Großteil im Gemeinderat bislang ablehnte. Bei Variante vier bestünde die Gefahr, dass die Holzkirchner Route zuerst gebaut wird.

Schmid will Variante drei trotzdem nicht ganz begraben. Eventuell könne man den Teil, der nicht am Kurzenberger Weiher, sondern im verträglichen Gebiet liege, erneut diskutieren. Zudem könnten im Gemeinderat die Chancen für eine reine Holzkirchner Umgehung steigen, „weil sich jetzt die Varianten lichten“, mutmaßt er. Gemeinde und Bauamt wollen die neuen Ergebnisse der Öffentlichkeit in einer Infoveranstaltung vorstellen, die laut Schmid bis Mitte Februar und coronabedingt online stattfindet. Danach soll der Gemeinderat eine Entscheidung treffen und sich gegebenenfalls auf eine Trasse verständigen. Diese könnte den Bürgern in Form eines Ratsbegehrens vorlegt werden.

Die Ergebnisse

der Risikoanalyse sind ab sofort auf der Internetseite des Staatlichen Bauamts Rosenheim einsehbar.

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