Der Mobilfunk-Masten in Ötz, der auf Weyarner Flur steht, soll künftig die Gemeinde Feldkirchen-Westerham mit Tetrafunk versorgen. foto: andreas leder

Tetrafunk: Weyarn erbt Masten von Nachbarn

Weyarn - Weil sich die Gemeinde Feldkirchen-Westerham massiv gegen einen Tetrafunk-Masten vor der eigenen Haustür sträubt, müssen die Nachbarn aushelfen. Auch die Weyarner. Doch im Goldenen Tal rumort es. Die UWG hat ihren Unmut in einem Brief formuliert.

Ernst Weidl ist verstimmt. Denn über dem Goldenen Tal ziehen dunkle Wolken auf. In Ötz reckt sich ein Masten in die Höhe, und nun soll dieser dem Digitalfunk dienen. „Die Auswirkungen von Tetrafunk sind unklar“, meint er. „Wir wollen unsere Bürger schützen.“ Auch vor den Anwandlungen so mancher Nachbarn.

Deshalb hatte Weidl mit Andreas Frei und Silvia Baumgartner, die genau wie er für die UWG Goldenes Tal im Weyarner Gemeinderat sitzen, einen Brief formuliert. Der Adressat: die Gemeinde Feldkirchen-Westerham.

Der Hintergrund: Der digitale Behördenfunk soll deutschlandweit aufgebaut werden. In Bayern sind bis Ende 2015 knapp 900 Basisstationen vorgesehen. Die Firma Telent, die sich im Auftrag des Freistaats um den Aufbau des Digitalfunknetzes kümmert, sucht Standorte. Und stößt zuweilen auf Widerstand.

So auch in Feldkirchen-Westerham. Dort hatte Telent einen Standort in Schöffleiten bei Vagen im Visier; der den Stadtwerken München gehört. Diese stellten eine Einrichtung in Aussicht, vorausgesetzt der Gemeinderat stimme zu. Doch die Bürger bäumten sich auf, sammelten Unterschriften. Der Gemeinderat lehnte im April 2014 den Standort ab. Bürgermeister Bernhard Schweiger ist unglücklich über die Entwicklung in seiner Gemeinde. „Das Gemeindegebiet muss versorgt werden“, sagt er. Zumindest rang man sich zum Probebetrieb durch.

Weil sich die Feldkirchner so wehrten, schaute sich Telent in Bruckmühl und Weyarn um. Deshalb schreibt die UWG in ihrem Brief: „Mit Bedauern und großem Unverständnis sind die Bürger des Goldenen Tales davon in Kenntnis gesetzt worden“, heißt es, „dass die beauftragte Firma Telent den notwendigen Tetrafunksender zur Abdeckung Ihres Gemeindegebiets nun doch in Ötz, auf Weyarner Flur im Goldenen Tal, aufstellen will.“

Der Knackpunkt: Mit dem einen Masten in Vagen hätte man auf die anderen beiden verzichten können, um Feldkirchen zu versorgen. So hat es Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) von den Fachmännern gehört. Er bezeichnet die Taktik der Nachbarn als „Floriansprinzip“; weil sie ihre Probleme auf andere abwälzen. Die Weyarner selbst profitierten kaum von dem Masten in Ötz.

Die UWG findet das Verhalten der Feldkirchner aus einem anderen Grund grotesk. Ötz liege näher an der nächsten Bebauung als Schöffleiten. Zusätzlich würden die Feldkirchner „durch den dadurch notwendigen zweiten Standort an der Gemeindegrenze zu Bruckmühl einem zweiten Tetrafunksender ausgesetzt“. Und „doppelt belastet“. Die UWG bittet die Gemeinde darum, dass sie ihre Entscheidung überdenkt.

„Auch die anderen Gemeinderäte murren“, sagt Wöhr. Überdies könnten sie den Standort bei Ötz kaum verhindern, es fehle an „rechtlichen Instrumenten“. Der Masten steht schon - auf privatem Grund. Er dient dem Mobilfunk. Aktuell untersuche ein Gutachten den Standort genauer. Wöhr rechnet bald mit einem Ergebnis. Die Weyarner selbst mit Tetrafunk versorgen soll ein Masten am Taubenberg, der auf eigener Flur angedacht war. Inzwischen ist er über die Grenze nach Valley gerutscht. Die Nachbarn versprechen sich damit mehr Einfluss (wir berichteten).

Auch von Feldkirchen würde sich Wöhr ein Umdenken wünschen. In Bruckmühl hat dieses bereits stattgefunden. Dort hatte es genauso rumort. Zunächst hatte Telent einen Mobilfunk-Masten mitten im Ortskern im Visier. „Dort hätte man den Tetrafunk genehmigungsfrei einrichten können“, erklärt Bürgermeister Richard Richter. Die Bürger liefen Sturm. Damit ihnen nichts übergestülpt wird, haben die Bruckmühler nach Alternativen gesucht. Inzwischen sei man bei Sonnenleiten fündig geworden, sagt Richter. Der Standort müsse „abschließend begutachtet“ werden.

Einen Antwortbrief hat die UWG nicht erhalten. „Das haben wir auch nicht erwartet“, meint Weidl. Er hoffe, dass die Bedenken fruchten. Laut Rathauschef Schweiger hat sein Gemeinderat den Brief lediglich zur Kenntnis genommen. Die Standortsuche geht also weiter.

Von Marlene Kadach

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bahn und BOB legen maßgeschneiderte Verbesserungsvorschläge für das Oberland vor
Zum dritten Mal hat am Donnerstag in Holzkirchen das sogenannte Bahngespräch stattgefunden.
Bahn und BOB legen maßgeschneiderte Verbesserungsvorschläge für das Oberland vor
„Das ist euer Friday for Future!“
Einiger hätten sich Rektor Joachim Fischer und Bürgermeister Olaf von Löwis anlässlich der Abschlussfeier der Oberland Realschule in Holzkirchen nicht sein können. „Das …
„Das ist euer Friday for Future!“
Gemeinde widerlegt Vorwurf, bei der Planung zur Kindergartenbrücke getrödelt zu haben
Zahlreiche Holzkirchner meinen, die Gemeinde trödle bei der Planungeiner neuen Brücke über das Bahngleis. Am Donnerstag reagierte derGemeinderat auf den wachsenden Druck …
Gemeinde widerlegt Vorwurf, bei der Planung zur Kindergartenbrücke getrödelt zu haben
Missverständnis an Kreuzung: Zwei Radler kollidieren - beide verletzt
Zwei Radler sind an einer Kreuzung in Holzkirchen kollidiert. Beide wurden dabei verletzt. Schuld war wohl ein Missverständnis.
Missverständnis an Kreuzung: Zwei Radler kollidieren - beide verletzt

Kommentare