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Training mit Gewichten: Katharina Strachwitz hat eine spezielle Gewichtsmanschette für Hunde entwickelt, um die Muskeln in den Beinen wieder aufzubauen.

Tier-Physiotherapeutin Katharina Strachwitz

Sie hilft Hund und Katze auf die Beine

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Holzkirchen - Katharina Strachwitz muss neu anfangen. Ihre Existenz, die sie sich seit zehn Jahren in Österreich aufgebaut hat, lag von einem Tag auf den anderen in Trümmern. In Holzkirchen versucht die Tier-Physiotherapeutin mit einer Praxis wieder Fuß zu fassen.

Die Tür zu Katharina Strachwitz’ Traum schleift ein wenig. Fest drücken muss man, um in die kleine Praxis dahinter zu gelangen. Das grobe Strukturglas hat bereits Patina angesetzt. Doch für die 35-Jährige ist es die Tür zu einem neuen Leben. Zu rund 25 Quadratmetern, auf denen sie das machen kann, wofür sie sich berufen fühlt: Tiere behandeln. 

Strachwitz ist keine Tierärztin. Das wäre sie gerne geworden, wenn nicht der Wunsch nach Familie und Kindern größer gewesen wäre und keinen Platz mehr ließ für das Studium an der Universität in Wien. Strachwitz ist stattdessen Tier-Physiotherapeutin geworden. Sie hilft Hund und Katze, nach einer Verletzung oder Operation wieder auf die tierischen Beine zu kommen. 

Wie Marie-Lou. Der Spitzmischling von Raymond Anthony hatte sich im Urlaub in Kroatien eine Bänderzerrung zugezogen. Nur mit Schmerzmitteln konnte sie sich auf den Beinen halten – und das nur für kurze Zeit. „Sie ist 200 Meter gelaufen. Dann musste sie sich setzen. Dann wieder 200 Meter und wieder setzen“, sagt der Holzkirchner. Nicht mehr mit ansehen konnte sich der 56-Jährige das Leiden der zwölf Jahre alten Hundedame. Und dann führte ihn ein Zufall direkt in die Arme von Strachwitz. „Ich habe gute Erfahrung mit Physiotherapeuten beim Menschen gemacht. Warum nicht auch beim Tier?“, sagt er. 

Seit dem ersten Treffen sind einige Monate vergangen, in denen Strachwitz zweimal die Woche mit Marie-Lou gearbeitet hat. Eine Gewichtsmanschette hat der Spitzmischling da um die Pfote geschnallt bekommen, um wieder Muskeln aufzubauen. 21 Schritte muss er damit gehen, dann gibt es eine Pause – von mindestens 36 Stunden. Das Training geht bis zur Muskelermüdung, aber nicht bis zum Muskelkater. „Den wollen wir nicht“, sagt Strachwitz. Denn schließlich soll sich das Tier während der Behandlung wohlfühlen. 

Wohlgefühlt hat sich Strachwitz auch in Österreich, in der Nähe von St. Pölten. Dort besitzt sie gemeinsam mit ihrem Mann einen 7000 Quadratmeter großen Hof. Dort lebte sie bis vor Kurzem mit ihrer Familie, mit vier Pferden, drei Hunden, fünf Katzen und etwa 50 Hühnern und behandelte Tiere in ihrer eigenen Praxis. Ein Idyll, wie sie es sich für ihre beiden Kinder gewünscht hatte, wie sie es selbst während ihrer Kindheit in Laffenthal zwischen Gmund und Warngau erlebt hat. 

Doch dann kam das Jahr 2014, das für selbstständige Tier-Physiotherapeuten in der Alpenrepublik alles verändern sollte. Plötzlich waren sie nicht mehr erwünscht, wurden von der Tierärztekammer und ihrem neuen Präsidenten verwaltungsstrafrechtlich verfolgt und verboten, wenn sie nicht ein Studium der Veterinärmedizin vorweisen konnten. Das konnte Strachwitz nicht. Und damit war ihr und 200 vornehmlich weiblichen Berufskollegen die Grundlage ihrer Existenz genommen. „Das war eine harte Zeit für mich“, sagt die 35-Jährige rückblickend. Dabei war es ihr immer wichtig gewesen, die Behandlung nur in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt und Besitzer vorzunehmen. 

Ihren Hof hat sie mittlerweile verpachtet. Verkaufen wollte sie ihn nicht. Vielleicht können einmal ihre Enkel in dieser Idylle aufwachsen. Strachwitz’ Zukunft liegt jetzt in Holzkirchen. Hier, wo Familie und Freunde gleich in der Nähe sind. Hier, wo sie einen Raum für ihre Praxis gefunden hat, wo sie das ausüben kann, was sie beruflich immer schon machen wollte. „Ich habe schon mit 15 Jahren angefangen, in Tierkliniken zu arbeiten.“ Ein Wermutstropfen bleibt: Den Hof konnte sie behalten, aber ihre Tiere nicht. Nur zwei Hunde sind der Familie geblieben. 

Und die Hunde, die in ihre Praxis kommen. Marie-Lou braucht keine Schmerzmittel mehr und kann wieder mit ihrem Herrchen spazieren gehen. Der freut sich über ihre Fortschritte: „Ich schaue in ihre Augen und sehe, dass sie endlich wieder Freude hat am Leben.“

Von Daniela Lang

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