+
„Man braucht professionelle Distanz“, sagt Petra Brandes (l.). Sie engagiert sich seit 16 Jahren ehrenamtlich für die Holzkirchner Nachbarschaftshilfe, deren Einsätze von Elisabeth Gaube koordiniert werden.

Spendenaktion „Leser helfen Lesern“

Tipp einer Helferin: „Mitfühlen, aber nicht mitleiden“

  • schließen

Holzkirchen - Seit 16 Jahren steht Petra Brandes ehrenamtlich Hilfesuchenden zur Seite. Die 59-Jährige engagiert sich für die Holzkirchner Nachbarschaftshilfe. Eine Beschäftigung, die ihr einiges abverlangt.

Wenn Petra Brandes so zurückdenkt, blitzen immer wieder Bilder vor ihrem geistigen Auge auf. Bilder von den Menschen, an deren Bett sie in all den Jahren saß, deren Hände sie in einsamen, traurigen Momenten gestreichelt hat. Aber auch fröhliche Bilder von Menschen, die dankbar gelächelt haben, weil Brandes einfach nur da war und sich ein wenig Zeit für sie genommen hat.

23 Menschen stand Brandes in den vergangenen 16 Jahren ihres ehrenamtlichen Engagements für die Nachbarschaftshilfe zur Seite. „Als Bindeglied zwischen Hilfesuchenden und Familie“, wie es die Holzkirchnerin bescheiden formuliert. Aber ohne Menschen wie sie sähe der nicht selten triste Alltag von Alten, Kranken und Pflegebedürftigen wohl noch sehr viel grauer aus. Oft, sagt die gebürtige Fränkin, helfe sie mit ihrem Einsatz aber besonders auch den Angehörigen. So erinnert sie sich etwa an eine alte Dame aus Holzkirchen, die rund um die Uhr für ihren kranken Mann da war. „Über Jahre hinweg bin ich dort jeden Samstag hin und habe der Frau ermöglicht, einfach mal ein wenig aufzutanken“, sagt Brandes. „Sie wäre sonst bestimmt irgendwann zusammengebrochen.“

Vielen falle es unheimlich schwer, sich einzugestehen, dass sie in der Rolle des Rund-um-die-Uhr-Pflegers heillos überfordert sind und die Kräfte eben irgendwann nicht mehr reichen. In solchen schwachen Momenten Ablenkung zu schaffen, auch darin sieht Brandes ihre und die Aufgabe der rund 30 anderen Ehrenamtlichen in Holzkirchen. „Helfen, dass diese Menschen einfach mal nicht daran denken müssen und ein wenig Zeit für die eigenen Bedürfnisse finden.“

Was sich zunächst recht einfach anhört, erfordert aber durchaus ein gewisses Maß an professioneller Distanz, wie die ehemalige Schaufenstergestalterin weiß. Vor allem dann, wenn die Menschen, „die oft schon in einer anderen Welt leben“, fordernd oder unfreundlich sind. „Man muss schon auch darauf achten, sich nicht völlig vereinnahmen zu lassen und seelisch sein letztes Hemd zu geben“, sagt die zweifache Mutter. Ein nicht zu unterschätzender Balanceakt sei das.

Bei der Nachbarschaftshilfe, so Brandes’ Auffassung, gehe es natürlich nicht um vollumfängliche Unterstützung oder gar darum, Angehörige zu ersetzen. „Das will und kann ich nicht. Wir besetzen nur eine Nische.“ Etwa dann, wenn die Angehörigen eines alten Menschen berufstätig sind und stundenweise Entlastung brauchen. Was Brandes Angst macht, ist ihre Erfahrung, dass immer mehr Kinder ihre Eltern im Alter im Stich lassen. Das zeige sich auch deutlich an den stetig zunehmenden Einsätzen der Nachbarschaftshilfe.

Besonders traurige Momente erlebt Brandes regelmäßig, wenn sie an Demenz erkrankte Menschen besucht, die im frühen Stadium ganz genau merken, was mit ihnen passiert. „Das tut den Betroffenen natürlich sehr weh.“ Dann gelte es, sehr feinfühlig zu sein, Geborgenheit und Wärme zu vermitteln, zuzuhören und einfach zu trösten. Schicksale nicht an sich heranzulassen, auch das habe Brandes lernen müssen. „Mitfühlen, aber nicht mitleiden“ müsse man als Helfer. Nur so könne man auch persönlich etwas aus dieser Aufgabe ziehen. Nicht missen möchte sie etwa die vielen schönen Gespräche über frühere Zeiten, die Geschichte Holzkirchens oder die Biografien der Menschen. „Oft erzählen Alte sehr persönliche Dinge, die nicht mal ihre Kinder wissen.“

Spaß, sagt Brandes, sei sicher das falsche Wort für diese Aufgabe. „Ich mache es aber gerne und es tut immer wieder gut.“ Sogar dann, wenn sie wieder einmal das Grab eines früheren Schützlings besucht. Die Helferin lächelt. „Dann bin ich dankbar, diesen wunderbaren Menschen kennengelernt zu haben.“

Alle Infos zu unserer Spendenaktion Leser helfen Lesern finden Sie hier.

ah

Auch interessant

Mehr zum Thema

Heimatshop Winter Aktion, jetzt Rabatte von bis zu 30% sichern!

<center>Schlüzi mit Masskrug - der Schlüsselüberzieher</center>

Schlüzi mit Masskrug - der Schlüsselüberzieher

Schlüzi mit Masskrug - der Schlüsselüberzieher
<center>Rehbockgehörn mit Strass</center>

Rehbockgehörn mit Strass

Rehbockgehörn mit Strass
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Die Bayerische Vogelhochzeit - CD von Sternschnuppe</center>

Die Bayerische Vogelhochzeit - CD von Sternschnuppe

Die Bayerische Vogelhochzeit - CD von Sternschnuppe

Meistgelesene Artikel

Hier braucht man einen dicken Geldbeutel
Holzkirchen – Die Lage ist gut, die Ausstattung gehoben: In Holzkirchen auf dem Gelände der ehemaligen Schreinerei Vogl, entstehen derzeit drei große Häuser mit …
Hier braucht man einen dicken Geldbeutel
Bahn frei für zweite Brücke
Warngau – Der Bau der Hauserbauernbrücke an der B318 hat freie Bahn: Der Warngauer Gemeinderat hat jetzt das erforderliche Baurecht geschaffen – und damit den Weg …
Bahn frei für zweite Brücke
Drogen trotz Bewährung: Otterfinger (26) muss in den Knast
Otterfing – Der Tagesablauf eines Drogensüchtigen aus Otterfing hat kürzlich das Miesbacher Amtsgericht beschäftigt. Weil er trotz Bewährungsauflage Drogen konsumierte, …
Drogen trotz Bewährung: Otterfinger (26) muss in den Knast
Der letzte Chefarzt des Holzkirchner Krankenhauses
Er war der letzte Chefarzt des Holzkirchner Krankenhauses. Im Alter von 82 Jahren ist Dr. Franz-Josef Leibig nun in seinem Haus in Gmund gestorben.
Der letzte Chefarzt des Holzkirchner Krankenhauses

Kommentare