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„Eine prominente Stelle“: Das Haus mit den blauen Fensterläden und die Nachbargebäude (braune Verschalung) sollen für ein Mehrfamilienhaus abgerissen werden.

Alte Gebäude weichen für Mehrfamilienhaus 

„Der Schandfleck kommt weg“

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Holzkirchen - Verfallene Gebäude in der Tölzer Straße in Holzkirchen sollen für ein neues Mehrfamilienhaus weichen. Der Bauausschuss segnete die entsprechenden Pläne eines Bauwerbers ab – nur zwei Parkplätze sorgten für Diskussion.

Der Putz bröckelt, Fensterläden fehlen und zum Teil sind sie seit Jahren unbewohnt. Gemeinderat Hans Putzer (SPD) bezeichnet sie sogar „als Schandfleck, der nun wegkommt“. Die Häuser an der Tölzer Straße mit der Hausnummer 19 und 21 in Holzkirchen liegen einigen Gemeinderäten schon seit langer Zeit im Magen. Immerhin handelt es sich in Elisabeth Daschs (SPD) Augen an der Stelle um eine Art „Eingangstor“. Auch Robert Wiechmann (Grüne) findet: „Das hier ist eine prominente Stelle.“ 

Jetzt wird diese prominente Stelle aufgehübscht. Bauwerber hatten einen Antrag im Rathaus eingereicht, wonach die Gebäude mit der Hausnummer 19 und 21 abgerissen werden sollen, um für ein Mehrfamilienhaus Platz zu machen. Damit hat sich der Bauausschuss jetzt in seiner Sitzung beschäftigt. Wie Bauamtsleiter Karl Herbst in der Sitzung erklärte, ist an der Stelle ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus mit fünf Wohneinheiten geplant. Der Neubau soll 24 mal zehn Meter groß und knapp neun Meter hoch werden. Geplant sei außerdem ein Verbindungsbau zum Anwesen Wallbergstraße 1. 

Die Verwaltung befürworte die Errichtung von fünf weiteren zentrumsnahen Wohneinheiten im Hinblick auf eine Weiterentwicklung zur Wohnraumschaffung. Das Bauvorhaben befinde sich zudem im Innenbereich und füge sich gut in die Umgebung ein. „Es ist aus unserer Sicht zustimmungsfähig“, meinte Herbst. Allerdings vorbehaltlich von Grund, die der Besitzer für die Verbreiterung des Gehwegs auf 2,50 Meter abtreten muss. Insgesamt müssen laut Herbst für das Bauvorhaben zehn Parkplätze nachgewiesen werden. Zwei davon finden im Zwischenraum zur Hausnummer 17 Platz. 

Die Planungen stießen im Bauausschuss auf Wohlwollen. „Ich bin froh, wenn sich das Ortsbild verändert, Holzkirchen gewinnt von dieser Investition“, sagte Wiechmann. Putzer nickte: „Es ist positiv, wenn jemand die Initiative ergreift und ein schönes Haus hinbaut.“ Auch Christoph Schmid (CSU) gefielt die Planung. „Einziger Wermutstropfen sind die beiden Stellplätze bei der Nummer 17“, meinte er. Beim Ausfahren auf die Straße sei die Unfallgefahr groß. Auch Elisabeth Dasch (SPD) sah das kritisch. „Da man darauf warten, dass etwas passiert.“ Wolfgang Buntz-Jennerwein (FWG) nickte: „Das ist ein großer Gefahrenpunkt“, warnte er. „Denn die Tölzer Straße ist stark frequentiert.“ Herbert Gegenfurtner (CSU) suchte nach einer pragmatischen Lösung. „Warum baut man keine Tiefgarage?“. Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) stimmte ihm zu. „Das wäre sicher der Königsweg.“ Herbst versuchte die Wogen zu glätten: „Wir warten die Stellungnahme des Staatlichen Bauamts Rosenheim dazu ab.“ 

Ein Nachbar hatte Bedenken zu dem Bauvorhaben geäußert. Er fürchtet, dass der Neubau die Sonneneinstrahlung in sein Gebäude beeinträchtigt und wünscht sich daher eine „rücksichtsvollere Bebauung“. Außerdem ging es noch darum, dass beim Abbruch kein Schaden an den Nachbarhäusern entsteht. „Hier ist vorab eine Beweissicherung empfehlenswert“, riet Herbst.

Lob erntete Herbst von Wiechmann: „Es ist gut, dass die Verwaltung uns dieses Mal einbindet“, sagte der Grüne. Herbst entgegnete: „Das war reiner Selbstschutz.“ Damit spielte Wiechmann auf neue Reihenhäuser ebenfalls in der Tölzer Straße an, die Ende 2014 für Wirbel unter den Gemeinderäten sorgten (wir berichteten). Vor allem Josef Sappl senior missfiel damals deren Gestaltung. Sein Groll galt auch der Verwaltung im Rathaus, die die Planung durchgewunken habe – ohne den Bauausschuss zu fragen. 

Dieses Mal aber lief das Vorhaben nicht nur über den Verwaltungsweg. Am Ende erteilte der Bauausschuss einstimmig das Einvernehmen für das Bauvorhaben.

Von Marlene Kadach

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