Spiel mit den Ängsten der Menschen: In der Inszenierung„Dr. Knock oder der Triumph der Medizin“ zeigt das Team Theater Holzkirchen die Gefahren durch falsche ärztliche Beratung auf. Foto: Andreas leder

Überall lauern Krankheiten

Holzkirchen - Mit dem Stück „Dr. Knock oder der Triumph der Medizin“ bietet das Team Theater Holzkirchen eine kurzweilige Inszenierung.

Wer gesund ist, weiß nur noch nicht, dass er krank ist. Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger lauern überall. Das Holzkirchner Ensemble Team Theater hat jetzt Premiere mit der Komödie „Dr. Knock oder der Triumph der Medizin“ gefeiert. Eine kurzweilige Inszenierung, die im fast ausverkauften Fools-Theater immer wieder für Zwischenapplaus und Lacher sorgte. Regisseur Peter Hartl brachte mit seiner Arbeit ein schlüssiges Theaterstück auf die Bühne, in dem die Darsteller mit Spielfreude glänzten.

Man muss einem Patienten lediglich lange genug einreden, dass er krank ist, der Rest erledigt sich von selbst. Aus einer kleinen Schlafstörung wird so schnell eine lebensbedrohliche Krankheit, die mindestens einer dreijährigen Behandlung bedarf. Jules Romains Stück von 1923 spielt mit den Ängsten der Menschen und geht sogar noch einen Schritt weiter: Es zeigt die Gefahr einer Massenpsychose auf.

Frau Dr. Knock, gespielt von Petra Graban, übernimmt eine beschauliche Arztpraxis in der Jachenau. Vorgänger Dr. Parpalaid (Helmut Hermann) hat keinen großen Kundenstamm hinterlassen und scheint die Nöte und Sorgen seiner Klienten nicht immer ganz ernst genommen zu haben. Das soll sich ändern. Und so beginnt die Ärztin mit Hilfe schauriger Bakterienbilder und vergrößerten Fotos von verfetteten Organen auf der Großleinwand die Angst vor Krankheiten in den Gehirnen ihrer Patienten zu platzieren. Der Plan geht auf: Mit Hilfe von kostenlosen Untersuchungen lockt sie Neukunden in ihre Praxis und schnürt Gesundheitspakete, die dem Geldbeutel der vermeidlich Erkrankten angepasst sind. Nach kurzer Zeit gibt es im kleinen Krankenhaus bereits keine Betten mehr. Auch der Dorf-Apotheker Mousquet partizipiert an der Arbeit mit den Kranken: Er verfünffacht seinen Jahresgewinn und schafft die Arbeit in seiner nun hochfrequentierten Apotheke nur noch mit Ach und Krach.

Hauptdarstellerin Petra Graban fühlt sich in der Rolle der Ärztin Knock sichtlich wohl. Selbstsicher und vor allem textsicher reißt sie die Schauspielkollegen mit ihrer Professionalität mit. Mit ihrer Mimik und Gestik zeigt sie, wie sehr sie in der Rolle der arroganten und selbstverliebten Ärztin versinkt. Die Patienten, gespielt von Max Arbeiter, Margarete Kutter, Annemarie Schmirl und Helmut Hermann, leben ebenfalls ihre Rollen und somit auch ihre neuen Krankheiten und Ängste.

Die Inszenierung von Regisseur Hartl machte den rund 80 Besuchern sichtlich und hörbar Spaß: Sie lachten viel und bedachten die Laien-Schauspieler für ihren Einsatz mit spontanem Applaus. Die Geschichte nahm immer wieder neue Wendungen und war wenig vorhersehbar - wie auch das amüsante und zugleich tiefgründige Finale. Das einfache, aber effektvolle Bühnenbild und der Einsatz der Großleinwand transportierten das Stück von 1923 in die Jetztzeit und kleideten es in ein modernes Gewand. Hartl zeigte so, dass die 90 Jahre alte Geschichte noch heute hochaktuell und brisant ist. Manch ein Besucher überdachte sicher ganz nebenbei das hiesige Gesundheitssystem.

Weitere Aufführungen

des Stücks sind am 16., 17., 22. und 24. November angesetzt. Die Sonntagstermine beginnen um 18 Uhr. Die übrigen Vorstellungen starten um 20 Uhr.

Kathrin Suda

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