Ortsbus Holzkirchen fährt von Haltestelle in Holzkirchen weg
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Der Ortsbus Holzkirchen in Holzkirchen soll auf Wunsch der Bürger und nach Ansicht der Experten verbessert werden.

Digitale Bürgerveranstaltung

Umfrage: So hält es Holzkirchen mit der Mobilität

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Besserer Ortsbus, Car-Sharing: Bei einer digitalen Bürgerveranstaltung stellte das Mobilitätswerk die Ergebnisse der Umfrage Sauber unterwegs in Holzkirchen vor.

  • Rund 80 Teilnehmer verfolgen digitale Bürgerveranstaltung
  • Experten empfehlen verbessertes Ortsbussystem, Sharing-Angebote und die Stärkung des Rad- und Fußverkehrs
  • Gemeinde hofft auf weitere Förderung und staatliche Zuschüsse

Holzkirchen – Manchmal bricht der Ton kurz weg, und der Chat braucht etwas, um in Fahrt zu kommen. Dann aber läuft es gut. Und die Verkehrsexperten gestikulieren auf einer virtuellen Bühne. Bei einer digitalen Bürgerveranstaltung haben René Pessier und Heike Schleussner von der Mobilitätswerk GmbH in Dresden die Ergebnisse der Umfrage „Sauber unterwegs in Holzkirchen“ (wir berichteten) vorgestellt, die das Ziel hat, die Mobilität im Gemeindegebiet zu verbessern. Insgesamt schalteten sich laut Schleussner 80 Teilnehmer dazu. „Die Zahl ist nicht schlecht.“ Circa 15 Bürger nahmen am Live-Chat teil. „Das zeigt uns, dass schon großes Interesse an der Thematik besteht in Holzkirchen.“ Bürgermeister Christoph Schmid ist ebenfalls zufrieden mit der Beteiligung, die er für qualitativ hoch hält.

Besserer Ortsbus

Die Experten raten dazu, den Ortsbus zu verbessern. Laut Schleussner konkurrieren mehrere Zielgruppen: Pendler, die kurze Fahrtzeiten und direkte Streckenführungen wollen. Bürger, die sich viele Haltestellen und geringe Laufwege wünschen. Sowie Schüler und Senioren, für die Verlässlichkeit entscheidend ist. Laut der Umfrage legen Holzkirchner Wert darauf, dass der Ortsbus regelmäßig an Bahnhof, HEP, Einzelhändlern, Restaurants und Wohngebieten verkehrt. Wichtig ist ihnen eine schnelle Verbindung vom Bahnhof zu den Gewerbegebieten.

Das Mobilitätswerk schlug einen Westring-Linie vor, die als Einkaufslinie für Bürger dient, zusätzlich das Gewerbegebiet Ost erschließt und alle 20 bis 30 Minuten am Bahnhof hält. Die Ortsteile Roggersdorf und Maitz sollen bedarfsgerecht angebunden werden – etwa über eine digitale Vernetzung der Haltestellen und Bedarfsknöpfe. Zudem schwebt den Experten ein Südring vor, der auch Sufferloh, Thann und Hartpenning erschließt. Diese Linie sollte eine geringere Taktfrequenz von 60 bis 90 Minuten aufweisen. Kernpunkt ist zudem eine Expresslinie, die zum Beispiel in zehn Minuten vom Holzkirchner Bahnhof zum Gewerbegebiet Nord flitzt. Der Vorteil: „Konzerne können hier eingebunden werden“, so Schleussner.

Voraussetzung für die Linien sei, dass man Haltestellen ausdünne und sie durch Bedarfshalte ersetzt. Wichtig sei zudem eine Digitalisierung des Systems, um flexibel und auf Buchung zu agieren. Auf Anfrage aus dem Chat erklärte Pessier: „Es gibt hier schon erprobte Softwarelösungen.“

Sharing-Angebote

Ferner rät das Dresdner Fachbüro dazu, den Ortsbus durch Sharing-Angebote zu ergänzen. Ziel sei eine regelmäßige Auslastung, „damit wirtschaftlich tragfähige Modelle entstehen“, erklärte Schleussner. Ein Ansatz, der dem Bürgermeister gut gefiel. Schließlich möchte die Gemeinde ein dauerhaftes Zuschussgeschäft vermeiden.

Einerseits sollte das Carsharing-Angebot am Marktplatz nach Ansicht der Planer mit Standorten an Bahnhof, Gewerbe- und Wohngebieten ausgeweitet werden. Diese Stationen sollten zugleich Grundlage für ein Bikesharing-System sein, mit Pendlern als Hauptzielgruppe. „Für den Lastenradverleih empfehlen wir, einen Kümmerer oder einen örtlichen Verein zu beschäftigen“, sagte Schleussner. Es sei eine schöne Lösung, um Kinder oder Einkäufe zu befördern. Ein Bürger schlug vor, beim Carsharing Autos mit größeren Ladeflächen zu integrieren. Ein anderer wünschte sich mehr Rückgabeorte. Pessier warnte vor zu vielen Stationen. Andernfalls müsste jemand die Fahrzeuge zurückbringen. Eine Teilnehmerin fand, dass Carsharing keine gute Lösung sei, um Verkehr einzudämmen. „Dieses Auto fährt ja auch rum.“ Laut Pessier ist ein gutes Mobilitätsangebot gerade für Zuzügler ein Beweggrund, sich kein eigenes Auto zu kaufen.

Rad- und Fußverkehr

Auch den Fuß- und Radverkehr wollen die Experten aus Dresden stärken. Auf diesen Punkt konzentriert sich die parallel laufende „Modal-Split“-Studie (wir berichteten). Ziel sei es, die Sicherheit zu erhöhen, erklärte Schleussner. Auf Hauptverkehrsachsen könnte man etwa abschnittsweise mehr Tempo-30-Zonen einführen. Es gelte, das Nebenstraßennetz freundlicher zu gestalten, zum Beispiel durch eine bessere Beschilderung, Einbahnstraßenregelungen, Durchgangsbeschränkungen oder Hol- und Bringbereiche an Schulen. Eine Bürgerin regte außerdem im Chat an: „Ein Anreiz für Schüler könnte auch eine Art Wettbewerb sein: Welche Klasse kommt die meisten Kilometer per Rad oder zu Fuß statt mit Eltern-Taxi.“

Ausblick

Die Ergebnisse des Chats arbeitet das Mobilitätswerk aus Dresden noch mit in die Studie mit ein. Die Marktgemeinde hofft, es mit dem Konzept Ende des Jahres in die zweite Stufe des Förderprojekts „MobilitätsWerkStadt 2025“ zu schaffen. Dann gäbe es weitere Zuschüsse, die dazu dienen, die Ideen konkret umzusetzen (wir berichteten).

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