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„Ein echtes Highlight“: Eine Lappenbeilspitze aus der Bronzezeit haben der Valleyer Hans Riesenthal (r) und Norbert Loy im Hofoldinger Forst gefunden. 

Ungewöhnlicher Fund im Hofoldinger Forst

Beilspitze aus der Bronzezeit

Valley - Über 3000 Jahre lag der Schatz begraben im Hofoldinger Forst. Dann kamen der Valleyer Hans Riesenthal und sein Freund Norbert Loy mit einer Suchsonde – und fanden eine kleine archäologische Sensation: eine Lappenbeilspitze aus der Bronzezeit.

Das Sondengehen ist Riesenthals Hobby seit mehr als 20 Jahren. „Mir geht’s nicht darum, Münzen oder Schmuck zu finden“, sagt der 42-Jährige, „mich fasziniert es, historische Artefakte zu entdecken.“ Zusammen mit Norbert Loy, Archivar der Gemeinde Brunnthal, durchstreift er regelmäßig den Hofoldinger Forst.

Jüngst schlug die Sonde wieder an. Nach vorsichtiger Oberflächengrabung hielten die beiden ein kleines Beil in Händen. Ein Verlust von Holzknechten aus jüngerer Zeit oder doch ein prähistorischer Fund? „Weil wir unsicher waren, schalteten wir Experten ein“, sagt Loy.

Die Spezialisten der Archäologische Staatssammlung in München grenzten den historischen Rahmen bald ein. Bei dem Fund handelt es sich um die vordere Hälfte eines mittel- oder oberständigen Lappenbeils aus Bronze. Das nur sieben Zentimeter lange, am Schaft drei sowie an der Schneide 5,3 Zentimeter breite Relikt stammt aus der früheren oder älteren Urnenfelderzeit, dürfte also zwischen 1200 und 1050 vor Christus in der späten Bronzezeit gefertigt worden sein. Solche Lappenbeile gelten als typisch für die Bronze- und Urnenfelderzeit, sie dienten als Waffe und Werkzeug. Namensgebend sind die mitgegossenen Lappenpaare hinter dem eigentlichen Beil, die den Schaftholm umschlossen und so der Klinge im Aufschlag mehr Stabilität verliehen. Die Lappen waren jedoch abgetrennt und nicht mehr auffindbar.

Dennoch sind Riesenthal und Loy stolz auf ihren Findling. „Ein echtes Highlight nach jahrelanger Suche“, freut sich Riesenthal. Gefunden hatten die beiden schon einiges. Mal alte Knöpfe oder Geldstücke, auch bei Silberpapier und Metallmüll schlägt die Sonde an. Wichtig ist den Findern ein ehrlicher Umgang mit ihrem Hobby. „Für unsere Sondengänge haben wir Genehmigungen der Gemeinde und der Revierförsterei“, betont Loy. Riesenthal hatte den Fund sofort beim Landesamt für Denkmalpflege angemeldet. „Ehrlichkeit ist oberstes Prinzip“, betonen die beiden.

Diese Ehrlichkeit lassen leider nicht alle walten. 1996 hatte ein Schatzsucher im Hofoldinger Forst 173 Goldmünzen aus der Keltenzeit ausgegraben und Stück für Stück am Schwarzmarkt verkauft. Nur wenige Stücke erwarb damals die Staatliche Münzsammlung. Vieles an der Geschichte ist bis heute vernebelt. Für Loy und Riesenthal „ein Unding im Umgang mit öffentlichen Werten der Allgemeinheit“.

Riesenthal bietet seine Dienste auch Privatleuten an: „Wenn die Oma ihren Ring im Blumenbeet verloren hat oder wenn auf einem Grundstück etwas verborgen sein könnte – ich komme gern mit meiner Sonde.“

Das kleine Beil soll künftig im Brunnthaler Gemeinde-Archiv zu sehen sein. Natürlich wird das Duo weiter sondieren. „Interessiertes Kopfkino“, nennt Loy die Frage, die sich bei jedem Fund aufwirft: „Was ist hier passiert?“

Von Harald Hettich

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