In Frankfurt haben Florian Huber (l.) und Thomas Amann den Award für Avery Zweckform entgegengenommen.
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In Frankfurt haben Florian Huber (l.) und Thomas Amann den Award für Avery Zweckform entgegengenommen.

Belohnung für eine griffige Idee

Avery Zweckform gewinnt German Design Award

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Beim German Design Award treffen sich die internationalen Top-Marken, um ihre Innovationen prämieren und damit adeln zu lassen. Mit Grafik allein hat man hier kaum Titelchancen, doch der Etikettenhersteller Avery Zweckform aus Oberlaindern hat es geschafft – dank einer griffigen Idee.

Mit Etiketten allein – da macht sich Creative Design Manager Thomas Amann nichts vor – ist beim German Design Award wenig Ruhm zu ernten. Denn der international renommierte Preis, den der Rat für Formgebung in Frankfurt/Main jedes Jahr vergibt, prämiert nicht nur stilvolle Gestaltung, sondern in erster Linie innovative Produkte. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Etiketten-Erfinder und -Marktführer Avery Zweckform aus Oberlaindern den Preis für exzellentes Produktdesign dennoch gewonnen hat. Mit einer technischen Weltneuheit.

Das Geschäftsfeld von Avery Zweckform hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Statt fertige Etiketten bietet das Unternehmen vor allem selbstklebende Etikettenvorlagen an, die der Kunde selbstständig designen, beschriften und ausdrucken kann. Die Software dazu gibt es kostenlos im Internet.

Cleverer Trick gegen Papierstau

Im DIN-A4-Bereich, wo Avery Marktführer ist und zahlreiche Vielverwender hat, gab es jedoch ein Problem, wie Amann berichtet: fehlerhafter Einzug durch den Drucker. „Wenn man viele Bögen bedrucken ließ, bestand die Gefahr, dass mehrere gleichzeitig eingezogen wurden.“ Die Folge war der klassische Papierstau. „Das wollten wir lösen und haben es auch geschafft.“ Der Lohn dafür ist der German Design Award.

Doch der Weg dahin war nicht einfach. „Das Problem sind die vielen individuellen Walzen in den Druckergeräten der Kunden“, erklärt Amann. Führungsschienen und Druckerwalzen verstauben, nutzen ab und verlieren mit der Zeit an Griffigkeit. Und hier setzt die Avery-Innovation an: Statt das Etikett auf der Front zu präparieren wurde die Rückseite mit einem dreidimensionalen Profil versehen. Eine gigantische Aufgabe, wie der Produktdesigner erklärt: „Wir mussten eine Lösung finden, die für alle gängigen Druckerhersteller und Modelle – egal ob Laser oder Tintenstrahl – funktioniert.“

Aufwendige Tests in Oberlaindern und USA

Also wurde getestet und getestet. In den Testlabors in Oberlaindern und in Brea bei Los Angeles/USA. „Dort stehen die am meisten verbreiteten Druckergeräte aus dem Büro- und Heimbereich“, erklärt Amann. „Wir haben so lange ausprobiert, bis wir überall das bestmögliche Ergebnis erzielt haben.“

Wie das ging? Auf der Rückseite eines jeden Bogens wurde seitlich eine Schicht aufgetragen, die jeglicher Art von Walzen besten Zugriff ermöglicht. Um diese Schicht optisch zu integrieren, wurde ein gut sichtbares Reifenprofil gewählt, das zeigen soll: Dieses Blatt hat Grip. Amann: „Dieses weltweit einzigartige Design ist selbsterklärend.“

Wegweisend für internationale Design-Landschaft

Bei der international hochkarätig besetzten Jury beim German Design Award kam das mittlerweile als „Ultragrip“ geschützte Markendesign sehr

Um auf allen gängigen Druckermodellen Papierstau zu vermeiden, bringt der Etikettenbogen eine Spur aus 3D-Lack mit.

gut an. 1953 wurde der Rat für Formgebung, auf Initiative des Deutschen Bundestags, als Stiftung gegründet. Er unterstützt die Wirtschaft dabei, konsequent Markenmehrwert durch Design zu erzielen. Mit dem Award zeichnet er nach eigenem Bekunden innovative Produkte und Projekte aus, „die in der deutschen und internationalen Design-Landschaft wegweisend sind“. Diesmal nahmen über 5500 Einreichungen aus über 100 Ländern daran teil. Der Schwerpunkt lag dieses Jahr deutlich auf nachhaltigem Design und nachhaltigen Produktinnovationen.

Entsprechend stolz ist auch Florian Huber (40) auf die technische Neuerung des Unternehmens. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit der zum Patent angemeldeten Ultragrip-Technologie nicht nur eine Weltneuheit auf den Markt gebracht haben, die das Bedrucken von Etikettenbögen für unsere Anwender spürbar verbessert, sondern auch mit dem als Reifenspur gestalteten 3D-Design die Etiketten in eine neue Design-Dimension gebracht haben“, sagt der Director E-Commerce, Marketing & Business Development von Avery Zweckform. „Der kreative Prozess und die Investitionen in unseren Standort, um diese Innovation zu entwickeln und mit unserer großartigen Belegschaft in Oberlaindern zur Serienreife zu führen, haben sich gelohnt.“

„Nichts wurde dem Zufall überlassen“

Einfach war die Entwicklung des Grip-Bogens nicht, denn die Beschaffenheit des 3D-Lacks musste viele Voraussetzungen erfüllen. So darf er nur dünn aufgetragen werden, um den einzelnen Bogen nicht zu dick zu machen. Temperaturbeständig muss er sein. Festkleben am nächsten Blatt darf er nicht. Und vieles mehr. „Es mussten jede Menge Details beachtet werden“, sagt Amann. „Nichts wurde dem Zufall überlassen.“ Knapp zwei Jahre wurde hingetüftelt und getestet – und in Millionenhöhe in eine passende Druckmaschine investiert.

Dass diese Entwicklung auch ideell Potenzial hatte, war Amann schnell klar. Der Produktdesigner hatte bereits mit seinen früheren Arbeitgebern wie Rösle, Villeroy & Boch sowie Occhio Preise gewonnen. Vom Ultragrip ist er voll überzeugt: „Es ist eine wirklich gute Idee, und es steckt so viel Arbeit drin. Deshalb haben wir gesagt: Das reichen wir ein.“ Mit Erfolg.

„Der Kunde“, sagt Amann, „hinterfragt nicht, wie viel Aufwand in einem Produkt steckt. Für ihn zählt nur, dass es funktioniert.“ Umso schöner sei dieser Award. „Weil er zeigt, dass wir etwas richtig Gutes geschafft haben.“

ddy

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