Rote Erde: Der Valleyer Tobel, hier im Steinbruch, hat für die Steinbildhauer heuer roten Sandstein aus dem Schweinstal bei Kaiserslautern organisiert. 20 Tonnen harren des Startschusses für das Skulpturen-Symposium.
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Rote Erde: Der Valleyer Tobel, hier im Steinbruch, hat für die Steinbildhauer heuer roten Sandstein aus dem Schweinstal bei Kaiserslautern organisiert. 20 Tonnen harren des Startschusses für das Skulpturen-Symposium.

Auf Skulpturenlichtung wird bald wieder gearbeitet

Bildhauer-Symposium in Valley: Internationale Gäste im Anflug

  • VonKatrin Hager
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Kunst verbindet – und sie lebt von Verbindungen. Corona hat das lange Zeit abgewürgt, doch nun kommen in Valley wieder Bildhauer aus aller Welt zusammen: Bei Tobel startet am Wochenende das Internationale Skulpturen-Symposium.

Hohendilching – Corona machte 2020 aus dem internationalen ein sehr familiäres Bildhauer-Symposium bei Tobel in Hohendilching: Sein Sohn Emil Ahlhelm und Holzbildhauerin Teresa Glatt zogen ein gemeinsames Projekt durch (wir berichteten), renommierte Gäste aus aller Welt aber mussten voriges Jahr ausbleiben. Heuer kommt die Welt wieder nach Valley: Von 5. bis 18. September findet das neunte Symposium auf der Skulpturlichtung statt. Diese Woche erwarten Bildhauer Tobel und seine Frau Christiane Ahlhelm, Vorsitzende des Vereins Kunstdünger, die Ankunft von Künstlern unter anderem aus Japan, Kolumbien, Holland, aber auch Oberbayern.

„Das Leben geht weiter, und es muss auch in der Kunst weitergehen“, sagt Tobel. Im Gegensatz zu vielen anderen Kulturveranstaltungen hat das Skulpturen-Symposium pandemietechnisch immerhin einen Vorteil: „Wir müssen eh draußen arbeiten“, sagt Tobel, „jeder ist an seiner Arbeit mit Abstand.“ So war für ihn eigentlich keine Frage, das Symposium stattfinden zu lassen, wenn die Vorgaben nicht entgegenstehen. Tobel weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Veranstaltungen und auch der persönliche Austausch untereinander für die Künstler sind. „Die Kunstwelt trifft Corona besonders hart“, sagt der Valleyer. Ihm selbst brachen dadurch 80 Prozent der Einnahmen komplett weg – weil Auftragsarbeiten im Ausland ersatzlos abgesagt wurden. Neue Aufträge kommen bislang nicht nach. „Ich hab’ da schon die Befürchtung, dass sich das nicht so schnell erholt.“

Auch sein Symposium ist noch nicht ganz zu alter Form zurückgekehrt, nicht alle Eingeladenen können tatsächlich teilnehmen. Eine Künstlerin aus Australien sagte ab. Tobel kann das gut nachvollziehen: „Sie kann zwar ausreisen, aber wenn sie bei der Rückkehr zwei Wochen in Quarantäne bleiben muss, steht das in keinem Verhältnis.“

Künstler arbeiten mit Steinen, Stämmem, Strumpfhosen

Dafür hat Tobel zwei Steinbildhauer eingeladen, die voriges Jahr nicht vorgesehen waren, Fernando Pinto aus Bogotá in Kolumbien und Chris Peterson aus Holland, der schon einmal Gast in Valley war. Sie ergänzen die Gruppe mit Steinbildhauer Takeshi Kubo aus dem japanischen Hyogo, Teresa Glatt, die in München lebt und nun den Eichenstamm bearbeiten will, der seit vorigem Jahr bereitliegt, sowie dem Künstlerduo Stefanie und Emmanuel Heringer aus Schechen, die ein Stahl-Weiden-Geflecht fertigen. Die Münchner Künstlerin Sibylle Kobus, die im Verein Kunstdünger aktiv ist, will ihre vor Jahren auf der Skulpturlichtung aufgespannten Strumpfhosengebilde im neuen Projekt „Sekundärbiotop, autopoetisch“ künstlerisch erforschen.

Dieses Jahr wird bei den Steinbildhauern roter Sandstein aus dem Schweinstal bei Kaiserslautern verarbeitet, teilt Tobel mit. „Die 20 Tonnen Material sind schon geliefert und in einzelnen Blöcken oben aus dem Dorf Hohendilching zur Mangfall runtergefahren worden. Nun werden die Arbeitsplätze mit Strom, Wasser und – hoffentlich umsonst – Regendächern eingerichtet.“

Eröffnet wird das Symposium auf Tobels Skulpturlichtung am Sonntag, 5. September 2021, um 14 Uhr mit einer Vorstellungsrunde, bei der die Künstler ihre Pläne präsentieren. In den folgenden beiden Wochen sind Besucher willkommen, den Künstlern werktags zwischen 10 und 17 Uhr bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen – mit gebotenem Abstand freilich, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der schweren Maschinen wie Motorsäge, Winkelschleifer, Schweißgerät und Drucklufthammer, die zum Einsatz kommen, ebenso wie – erstmals – ein Forschungsmikroskop. Die fertigen Kunstwerke werden bei der Finissage am Samstag, 18. September 2021, um 17 Uhr vorgestellt.

Werke entdecken

Mehr über die Kunstwerke, die bei den Symposien bislang auf der Skulpturlichtung entstanden sind, erfahren Interessierte am Samstag, 11. September, um 15 Uhr bei einem „Skulptur spezial“. Die Teilnehmer können dabei auch mal selber einen Stein behauen. Infos gibt es auf der Internetseite der Skulpturlichtung.

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ag

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