Mangfalltal statt Fernost: Bildhauer Tobel – hier auf der Skulptur-Lichtung vor einer Holzskulpturengruppe von Teresa Glatt – ist in diesem Winter coronabedingt mal daheim in Hohendilching.
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Mangfalltal statt Fernost: Bildhauer Tobel – hier auf der Skulptur-Lichtung vor einer Holzskulpturengruppe von Teresa Glatt – ist in diesem Winter coronabedingt mal daheim in Hohendilching.

Corona-Flaute und Pläne 2021

Bildhauer Tobel im Interview: „Künstlerhilfen waren in meinem Fall eher lächerlich“

  • vonHeidi Siefert
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Im Winter ist Tobel normalerweise in Asien. Doch Corona bremst auch den international erfolgreichen Bildhauer aus. Darüber spricht er im Interview.

Valley – Das Jahr beginnt für den Valleyer Steinbildhauer Tobel zumeist in Fernost, wo er in einem Angebot aus Steinen schwelgen und direkt vor Ort Auftragsarbeiten ausführen kann, weil Kunstobjekte wie seine eine lange Tradition haben und bis heute hohen Stellenwert genießen. Wie es ihm während der Corona-Pandemie geht, welche aktuellen Projekte und welche Zukunftshoffnungen er hat, das haben wir bei dem 52-Jährigen nachgefragt.

Wo treffen wir Sie gerade an?

Tobel: „Bin natürlich zu Hause in Valley.“

Und wo wären Sie jetzt, wenn nicht Corona wäre?

Tobel: „Im November hätte ich ein Projekt in Taiwan gehabt. Das wurde abgesagt. Eigentlich wollte ich bis Ende Januar, also über das Chinesische Neujahr, dort bleiben. In Taiwan gibt es sehr wenige Corona-Fälle und daher kaum Einschränkungen. Das wäre bestimmt eine schöne Zeit gewesen.“

„Auslandsprojekte und -Einkünfte sind auf Null gesetzt“

Wie hat die Pandemie Ihre Arbeit, für die Sie normalerweise auch viel im Ausland tätig sind, verändert? Konnte 2020 irgendein Bildhauer-Symposium oder Projekt stattfinden?

Tobel: „2020 sind weltweit alle internationalen Bildhauer-Symposien abgesagt worden. Ich verdiene mein Geld ja zu rund 80 Prozent bei Projekten im Ausland, die ich auch dort umsetze. Das sind Auftragsarbeiten für private und öffentliche Auftraggeber. An Bildhauer-Symposien nehme ich nur noch selten teil. All meine Projekte sind aber 2020 zuerst verschoben, dann komplett abgesagt worden. So habe ich derzeit für 2021 und auch danach keine einzige internationale Auftragsarbeit.“

Ist der Lockdown nur eine Situation, die arbeiten erschwert, oder hat er vielleicht auch Zeit und Ruhe für neue Projekte gebracht?

Tobel: „Die internationale Corona-Situation hat meine Auslandsprojekte und -Einkünfte auf Null gesetzt. Die großen Worte bayerischer und deutscher Politiker über Künstlerhilfen waren in meinem Fall eher lächerlich. Aber ehrlich gesagt, das waren wir von jeher gewohnt, dass Künstler hinten anstehen müssen und dann meist leer ausgehen... Meine eigentliche Arbeit besteht ja nicht aus der Ausführung meiner Projekte, sondern aus der Entwicklung neuer Ideen, Formen und Skulpturen. Dazu kommen, zusammen mit meiner Frau Christiane Ahlhelm, noch die Konzepte für unser eigenes Bildhauer-Symposium und unsere öffentlich zugängliche Ausstellung, die Skulptur-Lichtung. Ruhe und Zeit habe ich von jeher in meinem Atelier an der Mangfall. Voriges Jahr hatten wir aber coronabedingt einen regelrechten Ansturm auf die Skulptur-Lichtung. So konnte ich einige kleinere Skulpturen verkaufen und arbeite derzeit mehr in diese Richtung.“

Bildhauer-Symposium soll nachgeholt werden

Das Kunstdünger-Symposium konnte im Juni in seiner achten Auflage ja auch nicht wie gewohnt stattfinden. Wie steht es um die Pläne für 2021?

Tobel: „Ja, leider konnten wir die intentionalen BildhauerInnen aus Japan und Australien nicht empfangen. Damit aber dennoch etwas stattfindet, haben Teresa Glatt und unser Sohn Emil unser 8. Symposium in einem völlig neuen Format verwirklicht. Entstanden sind neben experimentellen Filmen und einem Online-Tagebuch auch eine expressive Frauengruppe aus Holz, die derzeit bei BesucherInnen der Skulptur-Lichtung das beliebteste Fotomotiv ist. 2021 möchten wir im September dieselben Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die wir für 2020 vorgesehen hatten, erneut einladen. Das betrifft nicht nur die Bildhauer und Bildhauerinnen, sondern auch unser Küchenteam und die vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen, ohne die eine Veranstaltung dieses Ausmaßes nicht durchführbar wäre. Wir hoffen sehr, dass es klappt.“

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