Einsatz: Kreisbrandrat Toni Riblinger (v.r.), Andreas Hallmannsecker und (l.) Erich Schröck (Landratsamt).

Grosseinsatz 

Großeinsatz: Bombenfund legt Laindern lahm

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Eine Fliegerbombe hat ein Baggerfahrer am Freitag in Oberlaindern gefunden. 400 Mitarbeiter der Firmen OPED und Avery Zweckform sowie sieben Anwohner wurden evakuiert. 

Oberlaindern – Die Bombennachricht lässt auf sich warten: Die Einsatzkräfte harren an der Kirche aus, also circa 200 Meter Luftline vom Fundort entfernt. Direkt hin darf so gut wie keiner. Getränke und Leberkässemmeln werden verteilt. „Wir wollen kein Risiko eingehen und auf die Fachleute warten“, erklärt Kreisbrandrat Anton Riblinger. Auch Bürgermeister Andreas Hallmannsecker lassen die Feuerwehrler durch die Straßensperre fahren. „Es ist wie es ist“, sagt er gelassen. „Wichtig ist, dass nichts passiert.“ Dann rollt der Lieferwagen des Sprengkommandos an. Sprengmeister Martin Radons und Kollege Frank Zeitz von der Firma Tauber steigen aus, ein Pulk bildet sich um sie. Der Zwischenbericht: Es handle sich um eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, eine FRAG 260, 120 Kilo schwer, mit einem Sprengsatz von gut 70 Kilo, circa einen Meter lang. Die Zünder liegen einen Meter im Erdreich. Dann gehen sie wieder an die Arbeit.

Eine Fliegerbombe hat einBaggerfahrer bei Bauarbeiten für den Neubau der Firma OPED am Freitagvormittag in Oberlaindern entdeckt und Alarm geschlagen. „Der Baggerfahrer hat gut gearbeitet“, lobte Birger Nemitz, Pressesprecher im Landratsamt, das zunächst die Einsatzleitung innehatte. Die Feuerwehren aus Valley, Mitterdarching und Holzkirchen rückten aus, kümmerten sich um die Absperrung des Geländes. Rund 70 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, THW, BRK und Notarzt waren im Einsatz. Die Staatsstraße 2073 sowie der Bahnverkehr zwischen Holzkirchen und Miesbach waren für circa fünf Stunden gesperrt – weil Erschütterungen eine Entschärfung der Bombe gefährden können. 

Im Medizinpark Oberlaindern, einem Ortsteil von Valley, wurde am Freitagnachmittag eine Fliegerbombe entschärft.

Der RVO richtete einen Schienenersatzverkehr ein. Sieben Anwohner aus einem Radius von 150 Metern wurden evakuiert, sie versammelten sich für gut zwei Stunden am Dorfweiher. Auch die Firmengebäude von OPED und Avery Zweckform wurden geräumt, die insgesamt 400 Mitarbeiter vormittags ins verlängerte Wochenende geschickt. Genau wie die 20 Mitarbeiter der Baustelle. Verletzt wurde niemand.

Jahrelang schlummerte eine Bombe neben der Firma

Auch OEPD-Geschäftsführer Christian Puritscher tigert am Einsatzort auf und ab, er sagt: „Wir haben die Brandschutzhelfer im Haus informiert.“ Dann erfolgte die kontrollierte Räumung des Gebäudes. „Alle sind ruhig geblieben.“ Der OPED-Neubau, wo die Bombe auftauchte, soll zum Jahreswechsel fertig werden. Ein Avery-Mitarbeiter erklärt, dass ihm nicht mulmig zumute ist, weil jahrelang eine Bombe neben seinem Arbeitsplatz schlummerte. „Man weiß es ja nicht“, sagt er, zuckt die Schultern. Erich Schröck von der Abteilung Öffentliche Sicherheit im Landratsamt als zuständige Katastrophenschutzbehörde, schüttelt den Kopf: „Seit 31 Jahren mache ich diesen Job“, sagt er. Aber so eine große Bombe ist ihm noch nie unterkommen.

Valley atmet auf: 120-Kilo-Bombe erfolgreich entschärft 

Hallmannsecker erinnert an einen wichtigen Punkt: Im März 2016 suchte ein Kampfmittelräumdienst im Areal des jetzigen Fundorts nach einer Bombe, nachdem Zeitzeugen aus Kriegszeiten von einer solchen berichtet hatten (wir berichteten). Doch Spezialisten fanden an diesem Tag nichts. Laut Hallmannsecker warfen die Amerikaner im Herbst 1944 drei Bomben bei Oberlaindern ab. Zwei explodierten, eine detonierte nicht, landete am alten Kleeblatthof, der der Familie von Holzkirchens Metzger Georg Kleeblatt gehörte. 

Anwohner muss evakuiert werden: „In meinem Alter“

Auch jetzt tummelt Kleeblatt sich im weißen Kittel am Einsatzort, erzählt, dass ein Knecht aus Tirol die Bombe mit einem Schubkarren abtransportierte und im Bereich des jetzigen Fundort ins Erdreich kippte. „Aber der Zünder wurde damals entfernt“, meint er. Auch Korbinian Holzheu, 79, schwarze Schirmmütze, blaue Jacke, war als ein kleiner Bub dabei, als der Knecht die Bombe entsorgte. Angeblich für eine Maß Bier und eine Brotzeit. „Wir Kinder liefen hinterher. Das war eine Sensation für uns“, erzählt er. Der jetzige Kampfmittelräumdienst findet aber heraus, dass die beiden Zünder erst im Januar 1945 produziert wurden. Also erst nach den Bombenangriffen, wie Hallmannsecker betont. „Wo die jetzige herkommt, erfahren wir hoffentlich noch.“

Dann muss auch Kleeblatts Haus evakuiert werden, er macht ein ärgerliches Gesicht. „In meinem Alter.“ Doch er geht mit Polizei und Feuerwehr mit. Gegen 15 Uhr kommt die Entwarnung: „Die Bombe ist entschärft“, teilt Sprecher Nemitz mit. Die beiden mechanischen Aufschlagzünder und Bombenkörper wurden getrennt. Letzterer „an einen geheimen Ort in Bayern“ gebracht. Hallmannsecker ist froh: „Dann ist Freitag der 13. ein Glückstag.“

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