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Darching: Perspektive für den Lärmschutz an der Autobahn

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Von: Katrin Hager

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Kniffliges Terrain: Das Wasserschutzgebiet für die Mühlthaler Hangquellen erfordert viele Auflagen für den Bau des Lärmschutzes an der A 8. Insbesondere an der geplanten Wand-/Wall-Konstruktion im Bereich der engeren Schutzzone II (näherungsweise rot eingezeichnet) hakt es. Nun steht eine Aufteilung des Baus zur Diskussion. Und eine zeitweise Stilllegung der Quellfassung für die Zeit der Bauarbeiten.
Kniffliges Terrain: Das Wasserschutzgebiet für die Mühlthaler Hangquellen erfordert viele Auflagen für den Bau des Lärmschutzes an der A 8. Insbesondere an der geplanten Wand-/Wall-Konstruktion im Bereich der engeren Schutzzone II (näherungsweise rot eingezeichnet) hakt es. Nun steht eine Aufteilung des Baus zur Diskussion. Und eine zeitweise Stilllegung der Quellfassung für die Zeit der Bauarbeiten. © dak

Der Wasserschutz bremst bislang den Lärmschutz an der A8 in Valley aus. Nun kommt Bewegung in die verfahrene Situation. Es steht eine zeitweise Stilllegung der Mühlthaler Hangquellen zur Debatte.

Valley – Seit zwölf Jahren haben viele Valleyer einen Rechtsanspruch darauf, besser vor dem Lärm der Autobahn geschützt zu werden. Die Pläne für Wände und Wälle entlang der A 8 liegen seit fünf Jahren vor, und bald ebenso lange stockt das Planfeststellungsverfahren, das Baurecht für die sogenannte nachträgliche Lärmschutzvorsorge schaffen soll: Der Wasserschutz für die Quellfassung der Mühlthaler Hangquellen bei Darching steht dem Projekt im Weg.

Ilse Aigner: „Bürger fragen sich zurecht, wann Lärmschutz kommt“

Jetzt könnte Bewegung in die Sache kommen. Bei einer Videokonferenz hat Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) nun die Verantwortlichen zusammengetrommelt, damit der Lärmschutz vorankommt. „Die Bürgerinnen und Bürger fragen zurecht, wann er endlich kommt“, so Aigner. Tatsächlich zeichnet sich nun ein Weg ab. Noch kein ganzer Durchbruch – aber womöglich entscheidender Spielraum, damit sich der gordische Knoten löst.

An der Videokonferenz nahmen hochrangige Vertreter aller relevanten Beteiligten teil – darunter die Stadtwerke München (SWM), das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, das bayerische Verkehrs- und Umweltministerium sowie die Autobahn GmbH des Bundes. „Wir haben es mit drei sehr wichtigen Anliegen zu tun: dem Trinkwasserschutz, der Autobahn und dem Lärmschutz“, stellte Umweltminister Thorsten Glauber (FW) fest: „Allen drei Bereichen müssen wir gleichermaßen gerecht werden.“

Glauber appellierte an alle Beteiligten, an einer Lösung in Form eines aktiven Lärmschuztes mit Wällen und Wänden zu arbeiten, nicht mit passivem wie Lärmschutzfenstern. Nichts anderes lag in der offiziellen Planung auf dem Tisch. Allerdings wurde das in Frage gestellt, nachdem zum baulichen Lärmschutz kein Weg zu führen schien, wie Bürgermeister Bernhard Schäfer (FWG), der ebenfalls am Gespräch teilnahm, gegenüber unserer Zeitung erklärt. Die Aussage des Ministers sei für die Gemeinde daher sehr wichtig: „Das ist ein Pflock, der jetzt drin ist.“

WWA lehnt Trinkwassergewinnung während Bauarbeiten ab

Aus der Mitteilung aus Aigners Büro geht genauer hervor, warum es am Wasserschutz derart hakt. Ein großer Teil der südlich der A 8 geplanten Lärmschutzbauten liegen im Bereich der engeren Schutzzone II der Mühlthaler Hangquellen mit strengeren Auflagen. Eine Verlegung von Brunnen oder Autobahn scheidet aus. Das Wasserwirtschaftsamt kommt zum Ergebnis, dass es dort nicht vertretbar sei, dass die Hangquellen während der Bauzeit (einschließlich einer entsprechenden Nachlaufzeit) zur Trinkwasserversorgung genutzt werden. Sie müssten damit für diese Zeit außer Betrieb genommen werden.

Dadurch könne sich nach den Ausführungen der SWM ein Defizit von bis zu 37 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr ergeben, das anderweitig zur Verfügung stehen müsse. Die Mühlthaler Hangquellen – mit einem Anteil von etwa 25 Prozent an der Gesamtversorgung der Landeshauptstadt – seien unverzichtbar, betonte Rainer List, Leiter der Wassergewinnung. Der Fehlbedarf, so Wasserwirtschaftsamts-Leiter Paul Geisenhofer, müsse aus anderen Wassergewinnungsanlagen, etwa in der Münchner Schotterebene und im Loisachtal, gedeckt werden. Das setze gegebenenfalls eine befristete Anpassung der Entnahmegenehmigungen durch die zuständigen Behörden voraus.

Kosten für temporäre Aufbereitung werden untersucht

Sollte eine zeitweise Ersatzversorgung und damit eine vorübergehende Stilllegung der Hangquellen nicht möglich sein, wäre eine temporäre Trinkwasseraufbereitung vorzuhalten, heißt es seitens des Wasserwirtschaftsamts. Wie hoch die Kosten dafür wären, soll eine Machbarkeitsstudie klären.

Um möglichst zeitnah zumindest einen Teil der Anwohner vor Lärm zu schützen, wäre eine Möglichkeit, die Baumaßnahme aufzuteilen. In Zone III, in der weniger Auflagen nötig sind, könnte mit dem Bau eher begonnen werden. Die Erfahrungen dort könnten später bei Bauarbeiten in Schutzzone II förderlich sein. Auch Schäfer befürwortete diese Idee, warnte aber davor, Bürgern, die von der Schutzzone II betroffen sind, damit das Gefühl zu vermitteln, bei der Lärmschutzmaßnahme „hinten runter zu fallen“. Das dürfe nicht sein, unterstrich auch Aigner.

Valleyer Bürgermeister optimistisch

Im Herbst soll die Runde erneut einberufen werden, um sich über die Fortschritte auszutauschen, teilt Aigners Büro mit. „Ich bin optimistisch, dass der Lärmschutz nun vorankommt“, sagt der Valleyer Bürgermeister. Die Gemeinde sei zwar nur ein kleines Rädchen, wolle aber dranbleiben, betont Schäfer. „Der Stein rollt und wird am Rollen gehalten.“

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