Trachtenverein Valley, Jubiläum 2021, Festgottesdienst
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Schloßbergler weitgehend unter sich: Der Festgottesdienst zum 100-jährigen Bestehen am Sonntag fand im Innenhof der Schloßbrauerei statt.

Kleine Feier für großes Jubiläum

Trachtenverein Valley: Der Hundertjährige, der einen eigenen Plattler hat

  • VonKatrin Hager
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Das Gaufest sollte den würdigen Rahmen setzen für das 100-jährige Bestehen des Trachtenvereins Valley. Corona ließ das nicht zu. Wenigstens ein Festgottesdienst und ein Zusammenkommen in kleinem Rahmen gestern war möglich, um das große Jubiläum zu begehen. Nächstes Jahr soll größer gefeiert werden, wenn die Fahnenweihe ansteht.

Valley – Die Schloßbergler sind im Vergleich zu anderen Trachtenvereinen im Gau, in dem die Wiege der Trachtenbewegung beheimatet ist, noch jung: Vor 100 Jahren wurden sie gegründet. Dafür hat der Verein mit regem Engagement eine ganze Reihe Traditionen begründet – etwa anspruchsvolles Volkstheater, den ersten Faschingsball des Jahres im Landkreis und das Valleyer Dorffest. Die fielen zuletzt zwar Corona zum Opfer, ebenso wie das große Jubiläumsfest, zu dem auch das Oberlandler Gaufest erstmals nach Valley kommen sollte (wir berichteten).

Immerhin feierte der Verein um Vorsitzende Margarete Cyllok am gestrigen Sonntag im kleineren Rahmen einen Festgottesdienst, mit angemeldeten Besuchern. „Es werden 180 bis 190 Leute gewesen sein“, berichtet die Vorsitzende auf Anfrage. Pater Michael zelebrierte den Gottesdienst im Innenhof der Schlossbrauerei. Mit dabei waren der langjährige Gauvorstand Hans Schwaiger sowie der frisch gewählte stellvertretende Gauvorstand Franz Nirschl aus Irschenberg. Für den geselligen Teil des Tages verteilten sich die Vereinsmitglieder auf das Bräustüberl, den Kirchenwirt und die Bruckmühle.

Acht Burschen gründen den Verein

Angefangen hat der Trachtenverein sehr klein: Gerade mal acht Burschen waren es, die sich 1921 in der Blockhütte am Schlossberg trafen, um einen Trachtenverein zu gründen, wie der Chronik zu entnehmen ist. Hauptinitiator war Christian Niederegger aus Sonderdilching, der auch zum ersten Vorsitzenden ernannt wurde. Die Ambitionen machte das Gründungsprotokoll deutlich: Jeden zweiten Samstag sollte Versammlung sein – eine Plattlerprobe jeden Samstag.

Bereits 1922 traten die Schloßbergler dem Oberlandler Gauverband bei und kauften ihre erste Standarte. Den kirchlichen Segen erhielt diese heimlich, still und leise in der Sakristei. Lederhosenträger waren damals in der Kirche noch nicht so gerne gesehen.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg findet sich in der Chronik ein erster Hinweis auf die Tradition des Theaterspielens in der Valley, mit einem Weihnachtsstück. 1946 trug das Theater – ebenso wie Faschingsveranstaltungen – auch zur Finanzierung der neuen Fahne bei.

Besondere Beziehung zur gräflichen Familie

Eine besondere Verbindung hatten und haben die Schloßbergler zur gräflichen Familie. Graf Otto von Arco auf Valley stellte den Trachtlern das einstige Salettl am Schlossberg als Vereinslokal zur Verfügung, nachdem das alte 1966 verkauft und der Verein heimatlos geworden war. Ab 1975 bauten die Mitglieder es aus. Nach dem Tod des Grafen 1989 überließ Gräfin Monica den Trachtlern das Trachtenheim zu einem „wahrhaft freundschaftlichen Preis“, verrät die Chronik. 1994 wurde es umgebaut, wieder in Eigenleistung. Dabei machten die Schloßbergler auch Platz für eine Theaterbühne samt Umkleideraum. Fürs Dorffest, zu dem die Trachtler seit 1982 zu Mariä Himmelfahrt einladen, ist das Vereinsheim Dreh- und Angelpunkt.

Seit 1998 ist das Trachtenheim auch feste Heimstatt für den einstigen Wanderpokal des Gauwertungsplattelns: Damals hatte die Gruppe Valley B zum dritten Mal in Folge den ersten Platz gemacht. Sie haben sogar einen eigenen Plattler: den „Schloßbergler Plattler“, von dem nur noch die Melodie bekannt war. Die Plattlerschläge wurden mühevoll neu zusammengesucht, damit er zum 60. Gründungsfest 1981 gezeigt werden konnte.

Jetzt richtet sich der Blick auf nächstes Jahr. „Wir planen 2022 unsere Fahnenweihe“, kündigt Cyllok. Fertig ist das gute Stück zwar bereits, „aber die Weihe würden wir gerne nachholen, wenn wieder mehr erlaubt ist“.

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