Tom Dauer Autor und Filmemacher
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Tom Dauer, Autor und Filmemacher, kuratiert ein neues Bergfilm-Festival.

Interview mit Tom Dauer

Neues Bergfilm-Festival: „Die Berge der Welt als Kulturraum“

  • vonHeidi Siefert
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Fünf Geschichten, 100 Minuten: Der Valleyer Tom Dauer kuratiert das neue Alpen Film Festival. Das Projekt ist sehr vielschichtig angelegt. Zu sehen sind die Filme ab Mai - wenn es Corona zulässt.

Valley – Fünf Filme, die einen 100 Minuten lang auf einen Roadtrip mitnehmen zwischen Patagonien und Griechenland. Die den Atem stocken lassen, wenn Niklas Winter über dem Monument Valley über eine zwischen zwei Ballone gespannte Slackline balanciert oder einem die Kälte spüren lassen, wenn den von Rolf Steinmann gefilmten Moschusochsen der arktische Wind ums Fell streicht. So es Corona zulässt, geht das Alpen Film Festival ab Mai auf Tour – in Kinos, Open-Air-Locations und an ausgewählten Bühnenstandorten.

Das Projekt stellt Berge und Alpinismus in den Mittelpunkt, erzählt Mythen, Märchen und Geschichten. Erzählt und moderiert werden die Beiträge jeweils von den Protagonisten der Filme.

Eine der treibenden Kräfte ist der Valleyer Filmemacher und Schriftsteller Tom Dauer. Er hat uns erzählt von den Beweggründen, ein Festival zu gründen, der Auswahl der Filme und der Begeisterungsfähigkeit eines 90-Jährigen.

Herr Dauer, seit 2017 gibt es das Bayerische Outdoor Film Festival BOFF, bei dem Sie künstlerischer Leiter sind. Nun kündigen Sie mit dem Alpen Film Festival ein neues Format an. Ist dieses eine Weiterführung oder Ergänzung? Und was unterscheidet die beiden?

Tom Dauer: In Zukunft wird es sowohl das Bayerische Outdoor Filmfestival als auch unser neues Format geben, für das Sandra Freudenberg als Festivalleiterin und ich als Kurator verantwortlich zeichnen. Während das BOFF seinen Fokus weiterhin auf bayerische Inhalte und Protagonisten legt, ist die Perspektive des Alpen Film Festivals international. Uns geht es darum, die Alpen und die Berge der Welt als einen Kulturraum darzustellen, der Menschen unterschiedlichster Herkunft verbindet, seien es Bergbewohner, Bergbesucher oder Bergmenschen ganz allgemein.

Wie haben Sie die Beiträge dazu ausgewählt?

Dauer: Die entscheidenden Kriterien sind inhaltliche Originalität und handwerkliche Qualität der Filme. Beide müssen erfüllt sein, wenn ein Film beim Alpen Film Festival laufen soll. Für die Saison 2021 haben wir Beiträge ausgewählt, die das deutsch-amerikanische Verhältnis thematisieren, die konkrete Bedrohung der arktischen Tierwelt durch den Klimawandel darstellen, die Freundschaft feiern und die Sensationsheischerei der Skifilmindustrie aufs Korn nehmen. Und das Schöne dabei ist: Dies geschieht nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch sehr hintergründige, spannende, heitere, bildgewaltige und ebenso poetische Filmkunst.

Wird es auch im Landkreis zu sehen sein?

Dauer: Natürlich wird das Alpen Film Festival auch in seinen Heimatlandkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen zu sehen sein, etwa auf Markus H. Rosenmüllers Berghofer Filmfest am Stadlberg oder im altehrwürdigen Tölzer Capitol-Kino. Weitere Termine werden, so die Situation es erlaubt, sicher noch hinzukommen.

Von Ihnen selbst kommt ein Film über Hermann Huber. Worum geht es und wann ist er entstanden?

Dauer: Mein filmisches Porträt von Hermann Huber ist während mehrerer Drehtage im Herbst 2020 sowie im Frühling 2021 entstanden. Zum Glück war Hermann mit seinen 90 Jahren immer Feuer und Flamme, wenn es ans Arbeiten ging. Was dieser Mann erlebt hat, vom Zweiten Weltkrieg über seine Anfänge bei Salewa bis zu seinen alpinistischen Abenteuern in aller Welt, ist unglaublich. Ich kenne niemanden, der so viel für das Bergsteigen getan hat. Und wie souverän, gelassen, mutig und neugierig man bis in hohe Alter bleiben kann – das finde ich mehr als beeindruckend. Hermanns Lebenseinstellung, seine Zuversicht, sein Grundvertrauen in Bildern auszudrücken, war mein Anliegen. Ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

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