Aufgeräumt und unaufgeregt: Der Valleyer Bürgermeister am Schreibtisch in seinem Amtszimmer, das er vor gut einem Jahr bezogen hat.
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Aufgeräumt und unaufgeregt: Der Valleyer Bürgermeister am Schreibtisch in seinem Amtszimmer, das er vor gut einem Jahr bezogen hat.

ERSTES JAHR IM NEUEN AMT - Valleys Bürgermeister

Bernhard Schäfer stellt fest: „Die öffentlichen Anlässe dürften schon mehr werden“

Nach seinem ersten Jahr als Bürgermeister von Valley zieht Bernhard Schäfer (FWG) Bilanz. Manches hat er unterschätzt, und er hatte auch Aha-Erlebnisse.

Valley – Sitzungen mit Abstand oder nur online, so gut wie keine persönlichen Begegnungen mit Bürgern, Projekte in der Warteschleife: Die Amtsgeschäfte der Rathauschefs im Landkreis haben sich seit Ausbruch des Coronavirus stark verändert. Die sieben Neueinsteiger sind seit ihrem Dienstantritt im Mai 2020 sogar nie wirklich aus dem Krisenmodus herausgekommen. Zeit für eine Zwischenbilanz. Heute mit dem Bürgermeister von Valley, Bernhard Schäfer (56, FWG).

Herr Schäfer, was war Ihr schönster Termin in diesem ungewöhnlichen ersten Jahr als Bürgermeister?

Einer, den man herausgreifen kann, war die Begrüßung der Erstklässler in der Schulturnhalle. Das war das erste Mal, dass ich bei einem offiziellen Auftritt eine Rede gehalten habe. Ich glaube, ich war genauso aufgeregt wie die Erstklässler und ihre Eltern (lacht). Die öffentlichen Anlässe dürften schon mehr werden. Der persönliche Kontakt geht mir schon sehr ab.

Was hat Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit am meisten überrascht?

Ich habe mich vor der Bewerbung ums Amt schon schlau gemacht und hatte einen groben Überblick, ich war ja zwölf Jahre lang Gemeinderat. Direkt überrascht hat mich nichts. Aber das Amt ist ein fortlaufender Lernprozess. Es gibt immer wieder Aha-Effekte. Zum Beispiel ist die Vorarbeit auch von der Verwaltung teils enorm. Ein Tagesordnungspunkt in der Gemeinderatssitzung ist nur die Spitze des Eisbergs. Nach der Sitzung geht die Arbeit in der Regel erst richtig los. Das sieht man als Gemeinderat nicht in der Deutlichkeit. Überrascht hat mich, mit welcher Wucht die Pandemie eingeschlagen hat und wie sie mittlerweile jeden Lebensbereich verändert.

Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit dreht sich um die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen?

Das kann man schwer sagen. Jede Handlung hängt ja inzwischen mit Corona zusammen. Das geht schon los, wenn ich vom Schreibtisch aufstehe und die Maske aufsetzen muss, oder im Kontakt mit Bürgern. Gerade haben wir den Haushalt aufgestellt. Auch da ist Corona allgegenwärtig.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich im Amt eingelebt hatten?

Ich habe mich schnell eingelebt. Die Unterstützung durch die Verwaltung hat mir den Einstieg in dieser außergewöhnlichen Zeit sehr erleichtert. Wir kannten uns alle was das Einleben auch beschleunigte. Als ich mich entschlossen habe, als Bürgermeister zu kandidieren, war mir wichtig, nicht einmal der Bürgermeister und einmal die Privatperson zu sein. Ich will authentisch sein. Wenn ich mit Anzug und Schlips auf dem Fahrrad durch die Ortschaft fahren würde, nimmt mir das keiner ab.

Welches Einzelprojekt haben Sie am meisten vorangebracht?

Es geht nicht um Einzelprojekte, sondern um das große Ganze. Man hat als Bürgermeister viele Aufgaben, die man nicht so sieht, wie die Ausarbeitung von Verträgen oder Satzungen. Im Großen und Ganzen war schon vieles angestoßen, wie der kommunale Wohnungsbau, und die Straßen arbeiten wir nach der Prioritätenliste ab. Der Ausbau der Fellacher Straße steht bald an, derzeit läuft die Ausschreibung.

Im Valleyer Gemeinderat kamen 2020 viele Mitglieder neu hinzu, die Grünen als ganz neue Fraktion. Es hat ein Generationswechsel stattgefunden. Wie ist da die Stimmung?

Es ist gut, wenn da ein gewisser Wechsel stattfindet. Wir haben neue Sichtweisen und Ansätze, das ist positiv. Die Zusammenarbeit passt gut. Wenn man neu in den Gemeinderat kommt, braucht das natürlich eine Zeit, bis man verinnerlicht, wie eine Gemeinde funktioniert, das ging jedem mal so. Der Vorteil ist, dass wir eine kleine Gemeinde sind: Da kennt man sich einfach.

Das Gespräch führte Katrin Hager.

Zu dieser Serie: Ein Jahr sind die sieben neugewählten Bürgermeister und der Landrat im Landkreis Miesbach nun im Amt. In unserer Interviewserie berichten sie, wie sie ihren Start während der Corona-Krise erlebt haben.

Klicken Sie hier:

Landkreis: Landrat Olaf von Löwis

Bad Wiessee: Robert Kühn

Fischbachau: Johannes Lohwasser

Holzkirchen: Christoph Schmid

Miesbach: Gerhard Braunmiller

Otterfing: Michael Falkenhahn

Valley: Bernhard Schäfer

Waakirchen: Norbert Kerkel

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