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Die neue Wirtsfamilie geht mit Elan und Freude an das Erbe des Bartewirts in Kreuzstraße: Peter Kremer und seine Frau Alexandra wollen gemeinsam mit ihren beiden Töchtern – im Bild Nadja (18) – gerade auch den klassischen Biergarten wieder mit Leben füllen.

Biergarten von April bis September wieder geöffnet

Eine neue Familie für den Bartewirt

Kreuzstraße - Mehr als ein halbes Jahr lang waren die Lichter im Bartewirt aus. Jetzt sind sie wieder angegangen: Das Traditionswirtshaus in Kreuzstraße hat einen neuen Wirt. Peter Kremer will den Biergarten zu alter Größe führen.

Peter Kremer weiß, dass er kein einfaches Erbe angetreten hat. „Den Bartewirt Max Aichler kann man nicht kopieren.“ Das weiß der neue Wirt schon, der ursprünglich aus Karlsruhe stammt, „aber wir sind brave Wirtsleut’ mit Erfahrung“. Schwerer als die großen Fußstapfen des Alt-Wirts dürfte aber der Ruf wiegen, den der Bartewirt in den vergangenen beiden Jahren schrittweise eingebüßt hat. 

Über Geschmack ließe sich vielleicht streiten, nicht allerdings darüber, dass der Biergarten selbst bei schönstem Sommerwetter oftmals geschlossen blieb. Unter den mächtigen alten Bäumen hielt ein weißes Plastikzelt Einzug, der Selbstbedienungsbereich mit Schänke und Grillhäusl blieb meistens ganz zu. Grillhendl, Radi & Co. – Fehlanzeige. Irgendwann verwaisten auch die Biergarnituren. Dabei wäre genau das am Bartewirt das Alleinstellungsmerkmal, sollte man meinen: Im ganzen Nordlandkreis hat er den einzigen klassischen Biergarten und damit das Zeug zum begehrten Sommerziel für Einheimische oder Ausflügler auf Rad und Motorrad. 

Im vergangenen Sommer hatte die Gräfliche Brauerei Arco-Valley als Besitzer wie berichtet Konsequenzen gezogen und sich vom damaligen Betreiber getrennt. Unter dem neuen Wirt soll der Biergarten zu alter Blüte zurückfinden. „Wir sind guter Dinge, dass das jetzt mit dem Biergarten klappt“, sagt der Valleyer Betriebsleiter Thomas Furtner. Die Brauerei habe in den vergangenen Monaten, als der neue Pächter noch an seinen bisherigen Gasthof in Hessen gebunden war, das Gebäude nochmal auf Vordermann gebracht. 

Der neue Wirt scheint die Qualitäten des Bartewirts zu schätzen wissen. „In den alten Baumbestand haben wir uns gleich verliebt“, sagt Peter Kremer. Der 46-Jährige und seine Frau Alexandra (45) leiten das Gasthaus seit Anfang März als Familienbetrieb. Die beiden arbeiten schon seit 1994 miteinander, erzählt der Wirt. Die ältere Tochter (18) hilft ebenfalls schon in Kreuzstraße mit, die Jüngere (16) macht gerade noch ihren Realschul-Abschluss und zieht dann in wenigen Wochen aus Hessen nach. Die Erfahrung, die die Brauerei vom neuen Betreiber gefordert hatte, kann das Ehepaar Kremer nachweisen: In den vergangenen neun Jahren führte es einen Innenstadt-Betrieb, davor acht Jahre ein Wirtshaus im Allgäu. Davor war Peter Kremer Betriebsleiter eines Restaurants im Badischen. Er und seine Frau sind beide im Restaurantfach ausgebildet. 

Vom Bartewirt erfuhr die Familie aus den Anzeigen der Brauerei. „Wir waren vorher ja jahrelang in der Innenstadt, und wir haben etwas gesucht, wo wir auch als Familie leben und arbeiten können“, erklärt Peter Kremer. „Und hier ist eine wunderschöne Region, um zu leben und zu arbeiten.“ 

Die Speisekarte im Bartewirt wird im Wesentlichen bayerisch-bodenständig ausgerichtet. Und das Potenzial des Biergartens will das Ehepaar schon bald ausschöpfen. Vergangene Woche haben die neuen Wirte schon die ersten Garnituren rausgestellt, trotz kaltem Winterwetter – damit Passanten sehen, das sich wieder was rührt am Bartewirt. Von April bis September sollen sich die Gäste darauf verlassen können, dass der Biergarten bei schönem Wetter geöffnet ist – inklusive SB-Bereich. Zwei gehisste Fahnen sollen weithin sichtbar auf den geöffneten Biergarten hinweisen. Kremer ist eines klar: „Wir müssen erst Vertrauen zurückgewinnen.“ 

Die Brauerei hat indes abermals mit dem Kirchenwirt in Unterdarching, der ihr nebst dem Bräustüberl Valley ebenfalls gehört, zu tun: Nach einem Todesfall steht die Dorfwirtschaft, in der zuletzt ein Caterer eingemietet war, wieder leer. „Wir suchen einen neuen Betreiber“, so Furtner.

Katrin Hager

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