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Nackt, wie Gott sie schuf: Die Tanne neben der Kirche St. Michael wurde gestiftet und vom Spender aufgestellt. Die Kerzen montiert wer anders. Nur wer?

Eine Tanne ohne Kerzen

Baum-Posse: Valleyer spendet Gemeinde Christbaum - aber keiner will ihn schmücken

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Auch in Valley thront mittlerweile ein Christbaum – aber ohne Kerzen. Das Problem: So recht weiß keiner, wer die Lichter montiert. Ein Protokoll der Suche nach christbaumschmückenden Elfen.

Valley – Wo beginnt man eine Geschichte über einen Christbaum so kurz vor Heiligabend? Na klar, in der Kirche. Dort sollte ja jemand wissen, wer den Baum schmückt, der da direkt neben der St. Michael in Mitterdarching stolze achteinhalb Meter in die Höhe ragt. Und so startet die Suche nicht in Valley sondern in Weyarn, genauer gesagt mit einem Besuch bei Pater Stefan Havlik in der Stiftskirche.

Seit fünf Jahren ist der Priester im Pfarrverband. Doch beim Gespräch in der prächtigen Weyarner Sakristei zuckt auch er nur mit den Schultern. Christbaumschmücken? Nicht das Hoheitsgebiet der Kirche. In all den Jahren habe er noch nie mitbekommen, dass irgendwo ein entsprechender Antrag aufgetaucht sei. Und Lichterketten habe die Kirche seines Wissens auch nie angeschafft, sagt Pater Stefan. Er schätzt daher, dass das Kerzenanbringen „gemeindliche Aufgabe“ sei.

Also: Ein Anruf im Rathaus. In der Gemeindeverwaltung wird doch auf irgendeinem Dokument vermerkt sein, wer da Jahr für Jahr den Baum hochkraxelt und die Kerzen montiert. Denn wenn auf etwas Verlass ist, dann ja wohl auf die Bürokratie. Das Telefon klingelt, der Anruf wird weitergeleitet. Der Bürgermeister nimmt sich der Christbaum-Causa an. Herr Hallmannsecker, wer bringt den Baum denn nun zum Leuchten? Schließlich flattern in Valley doch spätnachts nicht irgendwelche Elfen durch den Ort und schmücken Christbäume. Oder?

Nein, natürlich nicht. Die fleißigen Vorweihnachts-Helfer sind keine Fabelwesen, sondern Angehörige einer Verwaltung. Allerdings nicht der der Gemeinde. „Die Kirchenverwaltung hat die Beleuchtung immer hingehängt“, sagt Bürgermeister Andreas Hallmannsecker im Brustton der Überzeugung. Sein Gemeinde habe damit gar nichts am Hut, außer dass der Grund zwischen St. Michael und Altem Rathaus, auf dem der Baum steht, ihr gehört.

Dass der Baum überhaupt da steht, wo er denn jetzt ganz im Dunkeln steht, verdanken die Valleyer heuer wieder einem Spender, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Weil sich kein anderer finden lies, sprang er – zum wiederholten Mal – in die Bresche und stiftete einen Baum aus seinem Wald, wo das Gehölz gut 35 Jahre gewachsen war. Aufgestellt hat der anonyme Baum-Wohltäter die Tanne auch noch. Das Schmücken aber sollen doch bitte andere übernehmen.

Nun gut, im Rathaus ist man sich sicher, die Kirchenverwaltung versieht den Baum mit elektrischen Lichtern. Allerdings winkt man auch dort ab. Das Schmücken, ja das übernehmen heuer andere. „Vermutlich werden noch ein paar freiwillige Burschen die Kerzen anbringen“, hofft ein Mitglied der Kirchenverwaltung in Mitterdarching. Die Suche nach den ominösen Christbaumschmückern geht also weiter – und scheint auf einmal ihrem Ziel ganz nahe.

„Mein Opa hat das immer gemacht“, sagt Maximilian Mühlehner vom Burschenverein Oberdarching. Endlich, der Mann der Lichter ist gefunden. Von wegen. Der Opa, erzählt Mühlehner, wurde heuer nämlich operiert. Mit seinen künstlichen Knien will er die Leiter verständlicherweise nicht mehr hoch. Also hat er die Burschen gefragt, ob sie den Job übernehmen wollen. Darüber wurde abgestimmt – mit dem Ergebnis, dass die Burschen sich die Verantwortung in den kommenden Jahren nicht aufhalsen wollen. Sehr zum Bedauern von Maximilian Mühlehner. Ein Baum ohne Kerzen, das geht gar nicht, findet er. Wo diese verstaut sind, weiß er sogar: „Die LED-Lichterketten sind auf dem Dachboden der Kirche eingelagert.“

Die Burschen, ebenfalls eine Sackgasse also. Irgendwann muss man sich wohl eingestehen, dass eine Mission aussichtslos ist und man die Sache auf sich beruhen lassen sollte. Was somit bleibt: die Hoffnung auf ein weihnachtliches Wunder. Oder auf nachtaktive Elfen.

Doch dann die frohe Botschaft. Es sind keine Engel, die sie überbringen. Nein, es ist eine E-Mail, die am Freitag plötzlich im redaktionellen Posteingang aufploppt. Die elektrische Beleuchtung, so heißt es aus Valley, werde an diesem Samstag angebracht. Das Schmücken übernimmt eine Gruppe Freiwilliger am Nachmittag. Damit ist klar: Der Christbaum funkelt pünktlich an Heiligabend. Und wenn man es ganz genau nimmt, machen es die Valleyer ja sogar richtig. Erst am Abend des 24. Dezembers sollte der Baum nämlich erstmals erstrahlen. Für die Zeit davor gibt’s den Adventskranz, der jeden Sonntag heller leuchtet.

fp

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