Nachbarschaftsstreit eskaliert vor Gericht

Familie will Nachbarn Garage verbieten - und setzt sich durch

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in Hof, aber zwei Welten, durch die eine harte Front verläuft: Eine Familie klagt gegen den Freistaat angeblich im Namen des Denkmalschutzes. Möglicherweise steckt aber etwas anderes dahinter.

Grub – Auf der einen Seite, im ehemaligen Wirtschaftsteil, wohnt seit 20 Jahren eine Familie. Daneben, im ehemaligen Wohntrakt, ein Ehepaar. 2009 erwarben sie ihre Immobilie von den besagten Nachbarn. Doch schon bald zogen dunkle Wolken auf. Der Anwalt des Paars spricht von einem „Nachbarschaftsstreit“. Die Nachbarin sagt: „Immer dieser Stress.“ Ihre Augen füllen sich mit Tränen.

Auf diesem eigentlich idyllischen Hof in Grub – erbaut Ende des 18. Jahrhunderts – traf sich nun das Verwaltungsgericht mit Vorsitzender Richterin Cornelia Dürig-Friedl. Als Kläger trat das Ehepaar auf, beklagt war der Freistaat Bayern.

Der Hintergrund: Die Nachbarin aus dem Wirtschaftsteil wollte eine Garage auf der nördlichen Seite ihres Grundstücks bauen, direkt im Anschluss an die ehemalige Tennenauffahrt. Die Garage wurde genehmigt. Die Nachbarn hatten dagegen geklagt. Aus ihrer Sicht wird das Denkmalrecht damit beeinträchtigt.

Laut Christoph Scholter vom Landesamt für Denkmalpflege wäre die Südseite des Wirtschaftsteils – also nicht die Seite, wo die Garage hinkommen soll – aus denkmalschutzfachlicher Sicht hochwertiger. Also die Garage im Norden denkbar.

Die Nachbarn aus dem Wohntrakt fühlten sich offenbar ungerecht behandelt. Auch sie wollten ein Nebengebäude für Garage und Heizung auf ihrer Seite des Grundstücks errichten. Auch, um sich unabhängiger zu machen. Laut Anwalt der Kläger gibt es aktuell nur eine Heizanlage für beide Parteien – untergebracht im Haus der Familie. Doch Kreisbaumeister Werner Pawlovsky winkte ab. Warum nun auf der einen Seite ein Nebengebäude möglich ist, und auf der anderen Seite nicht, konnte der Anwalt nicht nachvollziehen. Pawlovsky argumentierte, dass – im Gegensatz zum Wohnteil – der Wirtschaftsteil von seinem früheren Zustand ohnehin schon stark abweichen würde. Wenn man dort etwas hinbauen würde, sei das weniger beeinträchtigend für den Denkmalschutz. „Am verträglichsten“ sei es, wenn gar nichts gebaut würde.

Dass beide Nachbarn Wand an Wand ein Nebengebäude errichten, hält er für „sozialpolitisch nicht vertretbar“. Laut einer inzwischen erloschenen Genehmigung wäre auf dem Grundstück des Ehepaars an anderer Stelle – auf der schöneren Giebelseite – ein Nebengebäude möglich gewesen, auch, weil dort früher mal ein Gebäude stand. Dieser Standort jedoch gefällt dem Ehepaar nicht, weil es von seiner Terrasse direkt darauf blicken würde.

Plötzlich kam die Kehrtwende: Die Anwohnerin aus dem Wirtschaftsteil erklärte, sie werde die Garage nun doch nicht mehr bauen. „Das ist für die Nerven das Beste“, meinte ihre Tochter. Auch die Kläger zogen daraufhin ihre Klage zurück. Das Verfahren wurde eingestellt. „Ich hoffe, das trägt zur Befriedung bei“, sagte Richterin Dürig-Friedl.

Allerdings bahnt sich an anderer Stelle neuer Streit an: Weil die Familie aus dem Wirtschaftsteil auf der Wiese gegenüber einen Pferdestall genehmigt bekommen habe, erklärt Bürgermeister Andreas Hallmannsecker. Die Gemeinde habe hierfür die Klarstellungs- und Ergänzungssatzung geändert, auch, um ein weiteres Haus in dem Gebiet für eine dritte Familie zu ermöglichen. Das jetzige Kläger-Ehepaar hat laut dem Rathauschef eine Normenkontrolle gegen die Satzung eingeleitet. Die Gemeinde schaltete einen Anwalt ein.

Rubriklistenbild: © dpa

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