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Bitte lächeln – und runter vom Gas: Der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung im Oberland blitzt Temposünder auch im Auftrag der Gemeinde Valley. 

Erste Jahresbilanz Verkehrsüberwachung in Valley

Fast acht Prozent sind zu schnell

Nur knapp entschied sich der Valleyer Gemeinderat im Herbst 2015 für kommunale Geschwindigkeitskontrollen. Jetzt liegt erstmals eine Jahresübersicht vor - die erste Blitzer-Bilanz für Valley.

Valley – Das kennt jeder Autofahrer: „Ich hab’s grad noch derbremst“, gestand Andreas Hallmannsecker (FWG) jetzt im Gemeinderat. Auch den Bürgermeister hätte der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit im Oberland (KVO) beinahe erwischt: als Temposünder. Im Herbst 2015 war die Gemeinde Valley nach einem knappen Beschluss des Gemeinderats dem Zweckverband beigetreten, der im Auftrag der Kommunen den Verkehr überwacht – im Falle von Valley nur den fließenden, keine Parksünder. Nun zog der Valleyer Gemeinderat eine erste Jahresbilanz.

An insgesamt neun Messstellen im Gemeindegebiet führte der KVO 2016 Tempokontrollen durch, insgesamt 35 an der Zahl. Von insgesamt 13 438 Kraftfahrern, die die Kontrollen passierten, wurden 971 beanstandet. „7,65 Prozent waren zu schnell“, berichtete Hallmannsecker. Dem Haushaltsabschluss 2016 zufolge nahm die Gemeinde im vergangenen Jahr durch die Verkehrsüberwachung einen Überschuss in Höhe von 4200 Euro ein. Reich wird die Kommune von solchen Beträgen nicht, aber die Kosten für Mitgliedschaft, Messung und Nachverfolgung durch den KVO sind gedeckt worden.

Den größten Anteil an Temposündern ermittelte der KVO in der Gemeinde Valley auf der Ortsdurchfahrt von Unterlaindern (13,85 Prozent der kontrollierten Fahrer zu schnell), im Tempo-30-Abschnitt der Graf-Arco-Straße (12,39 Prozent) und auf der Ortsdurchfahrt von Mühltal (11,53 Prozent). Mehr als die Hälfte der Beanstandeten war zwischen sechs und zehn km/h, ein weiteres knappes Drittel elf bis 15 km/h schneller als erlaubt. Mit mehr als 26 km/h zu viel – also in einem Bereich, in dem es mit einem Bußgeld nicht mehr getan ist, sondern auch der Führerschein mindestens einen Monat abgegeben werden muss – wurden im gesamten Jahr an allen Messstellen in der Gemeinde elf Fahrer gemessen, davon vier allein im Mühltal. In der Graf-Arco-Straße, an der auch Felicitas-Kindergarten und Schule liegen, waren von 69 Geblitzten 44 Fahrer zwischen sechs und zehn km/h zu schnell. Man müsse sich aber dessen bewusst sein, dass der Bremsweg sich schnell verlängere, so Hallmannsecker.

Der Gemeinderat hätte den KVO eigentlich auch gern an der Lärchenstraße in Unterdarching eingesetzt. Anton Huber (CSU) hakte nach, weshalb dort nicht geblitzt wurde. Der KVO dürfe dies schlicht nicht, erklärte Hallmannsecker. Der Zweckverband müsse sich an bestimmte Vorgaben halten, etwa einen Mindestabstand von 200 Metern zum Ortsschild – was auf Höhe Lärchenstraße nicht gegeben sei – sowie die Zustimmung des Grundstückseigentümers, auf dessen Areal der Blitzer aufgebaut werden soll, erklärte der Rathauschef auf Nachfrage unserer Zeitung. Ausnahmen kann nur die Polizei machen – doch die könne nun mal nicht immer und überall sein.

Huber und sein Fraktionskollege Georg Nöscher hätten ein paar hartnäckige Raser im Visier, die regelmäßig frühmorgens mit viel zu hohem Tempo unterwegs seien. „Bei uns in Sollach sind es immer dieselben, die mit 80 oder 90 durchfahren“, schimpfte Huber. Eine langfristige Dauermessung – die die Gemeinde ja auch bezahlen müsste – hielt der Bürgermeister allerdings nicht für zielführend. „Wir werden nie immer und überall messen können“, wandte Hallmannsecker ein. „Das Ziel soll ja sein, die Bevölkerung zu schützen. Wenn da um fünf einer durchbrettert – mei.“ Zumal man die Geschwindigkeit gefühlsmäßig auch leicht falsch einschätze, stellt Hallmannsecker klar: „Da meint man, der fährt mit 80 durch – und gemessen wird er dann mit 65.“

Josef Huber (Valleyer Liste) und Richard Hillmeier (SPD) plädierten dafür, erst einmal alles beim bisherigen Vorgehen zu belassen und die Entwicklung im Auge zu behalten. „Wir machen das ja nicht, um Geld einzunehmen“, so Hillmeier. „Es sollte halt ein Nullsummenspiel bleiben.“

Katrin Hager

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